Inklusion in der Kunst

Ziemlich beste Freunde: Göhr und Schulz malen zusammen

Der Künstler Matthias Göhr und der mit Down-Syndrom geborene Tim Schulz haben eine Leidenschaft: Das Malen. Ihre Motive sind ähnlich, aber jeweils mit ganz eigener Handschrift.

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Von Autor/in Philipp Janneck, Uli Paulus

Kunst und Freundschaft: Zwei Künstler, zwei Lebenswege

Ein orange-blauer Ball fliegt durch das Atelier. Zwischen Leinwänden, Farbtuben und halbfertigen Bildern spielen Matthias Göhr und Tim Schulz Tischtennis, bevor sie wieder zu Pinseln und Farben greifen. Was die beiden verbindet, ist mehr als gemeinsames Arbeiten – es ist eine Freundschaft, die unterschiedliche Lebenswege zusammenführt.

Matthias Göhr ist 58 Jahre alt und seit vielen Jahren hauptberuflich Künstler. Tim Schulz ist 27, wurde mit Down-Syndrom geboren und malt noch nicht lange. Nun stellen sie ihre Werke erstmals gemeinsam aus – und zeigen, wie Kunst Begegnungen möglich macht.

Gemeinsam malen im Atelier: Wie Göhr und Schulz arbeiten

Ein weißer Raum mit gemauerten Wänden, irgendwo in Landau. Entlang der Wände lehnen Leinwände, Bilder in allen Größen und Farben. Im Zentrum steht ein Tisch mit rustikaler Holzplatte, darauf eine schnurgerade Reihe von Farbflaschen.

Es ist ein normaler Tag im Atelier. Mal spielen die beiden Tischtennis oder essen Fastfood auf dem durchgesessenen Sofa, doch meistens wird gemalt. „Und dabei hören wir laute Rap-Musik, wie Tim sie mag“, sagt Göhr und lächelt. Seit 34 Jahren arbeitet er als freischaffender Künstler, doch zu malen begann er bereits als Kind gemeinsam mit seinem Großvater. Schulz kennt er ebenfalls seit dessen Kindheit.

Tim Schulz wurde mit Trisomie 21 geboren, besser bekannt als Down-Syndrom. Damit können geistige und sensorische Einschränkungen einhergehen. Beim Malen jedoch scheint das keine Rolle zu spielen – ebenso wenig beim Tischtennis oder beim Fußball. Schulz spielt im Team der Bananenflanke Südpfalz, einem Verein für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.

Matthias Göhr und Tim Schulz
Ziemlich beste Malerfreunde: Tim Schulz und Matthias Göhr Matthias Göhr

Unterschiedliche Stile, gemeinsame Inspiration

Zu Hause in Gleiszellen malt Schulz am liebsten Superhelden und Actionfiguren wie Spider-Man oder Batman, die er aus seinen Lieblingsfilmen kennt. Im Atelier von Göhr entdeckt er jedoch auch neue Motive. Häufig dienen ihm Bilder von „Matsches“, wie er seinen älteren Freund nennt, als Ausgangspunkt.

So etwa ein älteres Gemälde Göhrs: ein weißer Hund mit Schlappohren, vielleicht ein Labrador oder Retriever. Auf Schulz’ Leinwand verwandelt sich das Tier – wird rot, bekommt gelbe Flecken, aufgerichtete Ohren und ein Halsband mit Wellenmuster.

Matthias Göhr hingegen, erklärt die Kunsthistorikerin Sabine Adler, verweigere in seinen Arbeiten oft eine eindeutige Lesbarkeit. Seine Gemälde wirken zunächst abstrakt, offenbaren bei genauerem Hinsehen jedoch Details menschlicher oder tierischer Gesichter. Inspiration findet er in seiner naturverbundenen Kindheit:

„Ich bin im Wald aufgewachsen. Als Kind kannte ich alle Vögel auswendig.

Der eine arbeitet mit kräftigen Farben und deutlichen Pinselstrichen, der andere eher andeutend, mit einer reduzierten Palette aus Orange, Ocker, Blau und Grau – unterschiedlicher könnten ihre künstlerischen Handschriften kaum sein. Gerade diese Verschiedenheit wirkt produktiv: Eines der neueren Werke Göhrs trägt den Titel „Bruder von Tim“.

 

Matthias Göhr und Tim Schulz
Ein kongeniales Team: Maler Matthias Göhr (r.) und Tim Schulz im Atelier. Matthias Göhr

Erste Ausstellung und neue Perspektiven

Tim Schulz spricht wenig, als das Drehteam ihn und Matthias Göhr im Landauer Atelier besucht. Doch als das Bild „Bruder von Tim“ zur Sprache kommt, strahlt er über das ganze Gesicht und sagt stolz: „Das ist ein so ein richtig geiles Bild!“

Später schaltet Göhr die Stereoanlage ein. Musik erfüllt den Raum, Schulz bewegt sich Luftgitarre spielend zu seiner aktuellen Leinwand. Göhr beobachtet ihn mit sichtbarem Stolz. „Tim ist so positiv, dass sich das automatisch auf meine Malerei auswirkt“, sagt er. „Wenn er da ist, kann man keine schlechten Bilder malen.“

Im Dezember zeigten die beiden auf Göhrs Initiative hin ihre erste gemeinsame Ausstellung in Rohrbach. Zehn Bilder von Schulz wurden verkauft. Weitere Projekte sind bereits geplant – doch im Mittelpunkt steht weiterhin das gemeinsame Arbeiten und die gewachsene Freundschaft.

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Philipp Janneck
Uli Paulus