Museum Brot und Kunst in Ulm

Von Honig und Waben bis Joseph Beuys: Eine Ausstellung über die faszinierende Welt der Bienen

Bienen faszinieren Menschen seit Jahrhunderten: Das Ulmer Museum Brot und Kunst zeigt Werke von Beuys bis Rothhaar und warnt vor den Folgen des Bienensterbens – eine sinnliche Reise durch Natur und Gesellschaft.

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Stand

Von Autor/in Peter Schmid

Die Halle duftet nach Wachs und Honig

Im Bienenstock herrscht emsiges Treiben: Im Gewusel werden Waben gebaut – perfekte Sechsecke aus Wachs, gefüllt mit Honig. Das allein ist schon ein Kunstwerk der Natur.

Einige solcher Waben hängen im Museum Brot und Kunst in Ulm, in Holz eingerahmt. Hier dreht sich ab heute alles um das Thema Biene. Die Künstlerin Bärbel Rothhaar hat Wachs-Köpfe geformt, die fleißige Bienen weiterbearbeitet haben – mal haben sie die Wachsköpfe mit Waben umrahmt, mal vollständig „verschlungen“.

Bärbel Rothhaar, Aphrodite 2023
Bärbel Rothhaar, Aphrodite 2023. Pressestelle Museum Brot und Kunst | Bärbel Rothhaar

Beim Gang durch die Ausstellung im Ulmer Brotmuseum steigt einem der Duft von Wachs und Honig förmlich in die Nase.

Der Bienenwachsduft kommt von zwei Installationen von Jeanette Zippel, erklärt Museumsleiterin Isabel Greschat: „Das ist einmal eine große Bodenarbeit, die besteht aus 2000 Honiggläsern mit einem Bienenwachsrand, und dann eine Hängearbeit mit so Hängeobjekten, die an wilde Bienenwaben erinnern. Beide sind mit duftendem, frischem Bienenwachs überzogen worden, und man wird da mitgenommen in die Welt des Wachses.“

Joseph Beuys war fasziniert von Bienen

Im Zentrum der Ausstellung in Ulm steht eine beeindruckende private Kunstsammlung mit Werken von Joseph Beuys. Für ihn waren Bienen mehr als nur Insekten – sie waren Gestalterinnen, die mit ihrem Volk Nährendes und Wärmendes erschaffen.

Honig und Wachs sah Beuys als kraftvolle Metaphern – für Kunst und Ideen. Seine Botschaft? Auch wir Menschen sollten mehr geben als nehmen – wie die Bienen.

Isabel Greschat: „Wir können einiges von Bienen lernen, denn Bienen leben sehr kooperativ. Sie leben ja zusammen in großen Gemeinschaften von mehreren zehntausend Exemplaren […] Jede Biene hat immer im Kopf, was wichtig ist für die gesamte Gemeinschaft. Es gibt keinen Egoismus unter Bienen.

Der einzelne Mensch kann auch schlecht ohne die Gesellschaft leben. Insofern macht es auch für Menschen total viel Sinn, wenn wir nicht nur an uns denken, sondern auch an die Gemeinschaft.“

Keine Bienen – keine Bestäubung

Aber zu oft denken die Menschen nicht so: Eine Fotografie von Maximilian Prüfer bringt es eindrücklich auf den Punkt. Sie zeigt einen chinesischen Bauern aus der Provinz Sichuan, der durch eine Plantage läuft. Alles leuchtet in gelben Farben. Im Vordergrund blühende Bäume – doch etwas fehlt.

Bienen gibt es hier keine mehr, sie wurden durch den massiven Einsatz von Pestiziden in der Region vollständig ausgerottet. Jetzt müssen die Menschen selbst die Blüten bestäuben. Die Ausstellung in Ulm lenkt mit solchen Werken auch den Blick auf ein drängendes Thema: das weltweite Bienensterben.

Alexandra Daisy Ginsberg, Pollinator Pathmaker, (Bestäuber-Vision, Spätes Frühjahr), 2023
Alexandra Daisy Ginsberg, Pollinator Pathmaker, (Bestäuber-Vision, Spätes Frühjahr), 2023. Pressestelle Museum Brot und Kunst © Alexandra Daisy Ginsberg

„Ungefähr die Hälfte der Wildbienenarten steht auf der Roten Liste,“ sagt Isabel Greschat, „und das geht, so wie es aussieht, so weiter. Das ist natürlich alarmierend, nicht nur für das Funktionieren der Ökosysteme, sondern auch für das Thema Bestäubung. Wir leben ja schließlich auch davon, dass Bienen Bäume, Obstbäume bestäuben, damit daraus Früchte wachsen, die wir essen.“

US-Künstler fotografiert Menschen im Honigbad

Doch es sind auch die skurrilen und humorvollen Arbeiten, die zum Nachdenken anregen: Zum Beispiel bei den Fotografien des US-Künstlers Blake Little: Menschen, die buchstäblich in Honig getaucht sind. Eine Aufnahme zeigt einen kräftigen Mann im Schneidersitz.

Blake Little, aus der Serie „Preservation“, 2015
Blake Little, Michael aus der Serie „Preservation“, 2015. Pressestelle Museum Brot und Kunst | Blake Little

Er lacht, seine Augen hat er entspannt geschlossen. Sein Gesicht und Körper sind vollständig von einer glänzenden, klebrigen Honigschicht überzogen. Die dickflüssige Masse tropft sanft herab und lässt die Haut fast wie polierten Bernstein erscheinen. Die Menschen wirken, wie in einer Zeitkapsel konserviert.

Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt – über Bienen und ihre natürlichen Kunstwerke. Und das Bienensterben, das weit über den ökologischen Verlust hinausreicht. Ist es doch grundsätzlich Spiegel des Umgangs der Menschen mit der Natur.

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Autor/in
Peter Schmid
SWR-Aktuell Redakteur Peter Schmid