Weniger Christlich-sozial als konservativ-populistisch?

Erfolg im zweiten Wahlgang: Was für ein Kanzler wird Friedrich Merz?

Ein Sauerländer wird Bundeskanzler, beim zweiten Wahlgang hat er die erforderliche Mehrheit im Bundestag erreicht. Friedrich Merz gilt – auch in CDU-Kreisen – als Gegen-Folie zu Olaf Scholz. War Scholz eher sparsam im Reden, so gilt Merz als impulsiver Großankündiger. Als Intellektueller gilt er auch in den eigenen Reihen nicht, angeblich liest er nicht viel. Was ist von diesem Kanzler also zu erwarten?

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Im ersten Wahlgang war Friedrich Merz noch gescheitert, doch jetzt ist der CDU-Chef neuer Bundeskanzler.

Der Politologe Andreas Püttmann befürchtet, dass die CDU/CSU unter Merz weniger christlich-sozial als konservativ-populistisch wird bzw. schon geworden ist: „Alle christlichen Zentralbegriffe sind reduziert worden, kein einziger Politikbereich wird aus der christlichen Sozialethik hergeleitet.“

Nähe zu Rechtspopulisten

Der konservative Flügel werde bevorzugt, das sehe man auch an der Besetzung der Staatssekretäre. Die Parteiidentität werde unter anderem in rechtspopulistischen Medien bestimmt, sagt Püttmann: „Man übernimmt rechtspopulistische Kampfbegriffe, Themen und vor allem Feindbilder wie den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk als 'Volkserziehungsanstalten', es folgen neuerdings sogar die Kirchen.“

Verhältnis zur AfD

Merz' Verhältnis zur AfD wird der Prüfstein dafür sein, wie rechtspopulistisch sich der neue CDU-Kanzler künftig aufstellt, sagt Püttmann. Er erinnert an das Wort der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 2024: „Christentum und völkischer Nationalismus sind unvereinbar. Das ist der Hauptbruchpunkt zwischen konservativ und christlich-demokratisch.“

Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Martin Gramlich
Martin Gramlich, SWR Kultur Moderator
Interview mit
Andreas Püttmann Politologe