Ernsthaftigkeit trifft auf Unterhaltungswille

Günther Jauch wird 70 Jahre alt: Total normal

Er startete seine Karriere in einem Hubschrauber – danach wurde Günther Jauch zum beliebtesten Fernsehgesicht der Deutschen. Warum wohl?

Teilen

Stand

Von Autor/in Tobias Stosiek

Günther Jauch hat sehr lange Beine. Das weiß jeder, der seine ersten Schritte im Fernsehen verfolgt hat. Als Außenreporter der Sendung „Rätselflug“ stakste Jauch Anfang der Achtziger in einem roten Jumpsuit durch die Weltgeschichte, um im Auftrag eines Rateteams im Studio auf Schnitzeljagd zu gehen.

Auf Schatzsuche in Sri Lanka

Die Einsatzorte reichten von Füssen bis nach Sri Lanka. Wobei Jauch stets zwei entscheidende Hilfsmittel zur Verfügung hatte: einen Hubschrauber und ein beträchtliches Maß an Unverfrorenheit, das es ihm erlaubte, wenn nötig, auch mal ein buddhistisches Kloster aufzuscheuchen. Das wirkt nicht nur von heute aus betrachtet kulturell ein wenig unsensibel. Nach zwölf Folgen wurde die Sendung wieder eingestellt.

Jauch im BR
Jauch in jung: als Redakteur des Bayerischen Rundfunks im Jahr 1987. Picture Alliance

Wenig deutete damals darauf hin, dass aus Jauch mal der bekannteste und wahrscheinlich beliebteste deutsche Fernsehmoderator werden würde. Ein Mann, dessen schlaksige Unaufgeregtheit sich mit so gut wie jedem Sendungskonzept verträgt. Vom Skispringen bis zum Polit-Talk, Jauch kann (beziehungsweise konnte) alles. Und er darf (beziehungsweise durfte) alles, im öffentlich-rechtlichen genauso wie im Privatfernsehen.

Gefälschte Berichte bei Stern TV

Vielleicht ist das auch einer seiner größten Verdienste, eine nachgerade mediengalaktische Leistung: gezeigt zu haben, dass diese so entfernt scheinenden Planeten so entfernt gar nicht sind. Dass Ernsthaftigkeit und Unterhaltungswille keine Gegensätze sein müssen.

Jauch
Wie man ihn seit Jahren kennt: Jauch im Studio von "Wer wird Millionär?" Picture Alliance

Gut, manchmal ging‘s auch schief. Wie damals in den Neunzigern bei Stern TV, als Jauch gleich mehreren gefälschten Geschichten auf den Leim ging. Die Stories waren einfach zu schön. Drogenfrösche in Frankfurt, der KuKluxKlan in der Eifel. Spektakuläre Enthüllungen, aber leider ausgedacht von einem Mann, der wusste, was der Chefredakteur Jauch wollte: spektakuläre Enthüllungen.

Jauch, der Anti-Gottschalk

Jauch hätte darüber stolpern können. Ist er aber nicht. Genauso wenig wie über seine diversen Werbetätigkeiten. Seine Popularität ist erstaunlich krisensicher. In gefühlt jedem halbseidenen Beliebtheitsranking der letzten 30 Jahre steht er ganz oben.

Als „heimliches Staatsoberhaupt“ bezeichnete ihn der Spiegel mal. Und man will nicht widersprechen. Zum Repräsentanten taugt er. Zumindest pflegt Günther Jauch das Bild des total normalen Deutschen mit großer Beharrlichkeit.

Jauch und Gottschalk
Cool und weniger cool: Gottschalk (l.) und Jauch. Picture Alliance

Sprechend ist in dem Zusammenhang natürlich auch der Vergleich mit dem Freund und Kollegen Gottschalk. In den Achtzigern machten die beiden zusammen Radio beim Bayerischen Rundfunk. Und schärften an- beziehungsweise gegeneinander die jeweils eigene Marke.

Hier Gottschalk, der immer so wirkte wie frisch aus Florida eingeflogen, ein Mann der ausladenden Gesten, der deshalb so gut ins deutsche Fernsehen passte, weil er alles verkörperte, was das deutsche Fernsehen nicht war. Und daneben der Antipode Jauch, in Anzug und Krawatte, der aussah, als könnte er jederzeit einen IHK-Ausweis aus der Tasche ziehen, der ihn als Fachkraft des öffentlichen Lebens ausweisen würde.

Jauchs Sternstunde: Der Torfall von Madrid

Alles Klischee natürlich. Wahr und unwahr zugleich. Der behördliche Habitus kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jauch ein außerordentlicher Improvisationskünstler ist. Bestes (und längst legendäres) Beispiel: das Champions League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund am 1. April 1998.

Jauch und Reif
Improvisationskünstler: Marcel Reif (l.) und Günther Jauch. Picture Alliance

Kurz vor dem Spiel brach ein Tor zusammen, ein Ersatztor war weit und breit nicht zu sehen, also kalauerten sich Jauch und sein Co-Kommentator Marcel Reif irgendwie über die Zeit („Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan …“). 76 Minuten dauert das Spektakel, gebannt verfolgt von 13 Millionen Zuschauern. Nach dem Anstoß schalteten viele ab, das eigentliche Event war vorbei.

Seit 27 Jahren in der Paraderolle

Seine wahre Berufung hat Jauch allerdings nicht am Spielfeldrand gefunden, sondern auf dem Quizsessel. Über 25 Jahre lang moderiert er jetzt die Sendung „Wer wird Millionär“. Über 1.700 mal in seiner leicht an-ironisierten Paraderolle als Oberlehrer der Nation. Mal streng, mal nachsichtig, immer jovial. Aus dem beliebtesten Deutschen wurde so auch noch der klügste Deutsche. Viel Superlativ für einen Normalo.

Jubiläum bei Deutschlands erfolgreichster Quizshow 25 Jahre „Wer wird Millionär?“: Der eigentliche Joker ist Günther Jauch

Dem Erfolg der Kandidaten helfen vier Joker. Dem Erfolg des ganzen Formats verhilft Gastgeber Günther Jauch. Seit 25 Jahren ist er Showmaster und Master-Joker zugleich.

Heilbronn

Hochdotierter Demokratiepreis wurde in Heilbronn verliehen Günther Jauch ist "Württemberger Kopf 2025"

Er ist mit das bekannteste TV-Gesicht Deutschlands. Am Donnerstagabend wurde Moderator Günther Jauch zum "Württemberger Kopf". In Heilbronn erhielt er einen Demokratiepreis.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Jubiläum bei Deutschlands erfolgreichster Quizshow 25 Jahre „Wer wird Millionär?“: Der eigentliche Joker ist Günther Jauch

Dem Erfolg der Kandidaten helfen vier Joker. Dem Erfolg des ganzen Formats verhilft Gastgeber Günther Jauch. Seit 25 Jahren ist er Showmaster und Master-Joker zugleich.

Heilbronn

Nach Anlagebetrug um 400.000 Euro in Heilbronn Günther Jauch geht gegen Betrüger vor - "mit überschaubarem Erfolg"

Betrüger hatten ohne Einverständnis mit einem Bild des Moderators geworben und ein Heilbronner Paar um 400.000 Euro gebracht. Die Masche ist auch für Günther Jauch kein Einzelfall.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Tobias Stosiek