Sie machte den Kioskbesuch am Donnerstag für Jugendliche zur Pflicht. Die Bravo feiert im August ihren Geburtstag und schon jetzt erzählt eine neue dreiteilige ARD-Doku-Serie "BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz" in der ARD-Mediathek die Geschichte eines Massenphänomens.
Zeit, auf die Zeitschrift mit einem Mann zu blicken, der sie mitgestaltet hat. Alex Gernandt war bei der Bravo Redakteur, Chefreporter und Chefredakteur.
Alex Gernandt zum 70. Bravo-Geburtstag: Starschnitte im eigenen Kinderzimmer
SWR1: Eine Sache, die wir automatisch mit "Bravo" verbinden, ist der Starschnitt. Der hing in Kinderzimmern ohne Ende. Wo hing Ihrer?
Alex Gernandt: Meiner hing auch in meinem Kinderzimmer und das waren Gene Simmons und Paul Stanley von Kiss. Das waren meine Helden und AC/DC parallel natürlich.
SWR1: Bei den Mädels hing vor allem David Cassidy in den Zimmern. Das hat die Jungs sowas von geärgert, weil das der Schönling war, den alle angebetet haben.
Gernandt: [..] Das war dann später Justin Bieber. Es gab ja immer die in Anführungszeichen Schnuckel. Da konnten die Jungs früher relativ wenig mit anfangen.
ARD Kultur Doku in der Mediathek Bravo – Headlines, Hypes und Herzschmerz
Anfang der 1990er war die BRAVO auf ihrem Höhepunkt. "Dr. Sommer", Stars und Homestories prägten unsere Jugend. Teenie-Idole von damals erzählen, wie die BRAVO sie groß gemacht hat und welchen Preis sie dafür zahlten.
Der größte Bravo-Starschnitt in 70 Jahren: die Fußballweltmeister-Elf von 1974
SWR1: Gab es auch mal Probleme mit den Stars, dass die "Nein" gesagt haben? Oder dass das vielleicht auch alles gar nicht draufgepasst hat? Oder irgendwelche Hürden, die zu überwinden waren?
Gernandt: Ich war in den 70ern selbst Leser, da habe ich natürlich keine Einblicke. Aber ich weiß, dass die Stars immer sehr geschmeichelt waren, dass sie in Lebensgröße porträtiert wurden. Der größte Starschnitt war übrigens 1974 die Fußballweltmeister-Elf, die deutsche Nationalmannschaft. […] Der ging, glaube ich, ein Jahr lang.
SWR1: Ich kann mich noch gut an Dr. Sommer erinnern. Bravo war nicht nur Jugendkultur, sondern hat auch Themen aufgegriffen wie Sexualität, Drogen, Liebe, alles, was damit zusammenhängt. Waren sich die Leute, die das gemacht haben, eigentlich bewusst, dass sie eine Jugendkultur mitgeprägt haben?
Gernandt: Ja, das "Dr. Sommer"-Team ist natürlich ein ganz wichtiger Pfeiler der Bravo-Historie. Der ging schon Ende der 60er los als Knigge für Verliebte und wurde dann Anfang der 70er Jahre zum "Dr. Sommer"-Team.
Einen Dr. Sommer per se gab es ja nie. Es war das "Dr. Sommer"-Team. Da arbeiteten tatsächlich Sozialpädagoginnen und Diplompsychologen, also wirklich ausgebildetes Fachpersonal. Und was für die komplette Bravo gilt, gilt hier natürlich erst recht. Wir haben unsere Leserinnen und Leser immer sehr ernst genommen, auch in ihren Sorgen und Nöten.
Wir haben unsere Leserinnen und Leser immer sehr ernst genommen, auch in ihren Sorgen und Nöten.
70 Jahre Phänomen Bravo: Als das "Dr. Sommer"-Team bei der Trennung von Take That Überstunden machte
SWR1: Ihr hattet auch richtig zu tun, als sich damals Take That getrennt haben.
Gernandt: Als sich Take That getrennt haben, hat das "Dr. Sommer"-Team Überstunden geschoben. Da war auch eine Telefon-Hotline eingerichtet. […] Die Betreuung, die war also auch ganz wichtig hier.
Und viele Eltern haben es ja geschmäht, dass in "Bravo" nackte Menschen zu sehen sind und dass da Aufklärung betrieben wird. In Wahrheit haben mir aber auch schon sehr viele erzählt, dass sie sehr froh waren, dass es Bravo gab und ihnen diese Arbeit abnahm.
Und viele Eltern haben es ja geschmäht, dass in Bravo nackte Menschen zu sehen sind und dass da Aufklärung betrieben wird. In Wahrheit haben mir aber auch schon sehr viele erzählt, dass sie sehr froh waren, dass es Bravo gab und ihnen diese Arbeit abnahm.
Alex Gernandt über Foto-Lovestorys in der Bravo: "Zum Teil wirklich auch abenteuerlich"
SWR1: Woran ich mich auch noch erinnern kann, sind die Foto-Lovestorys. Habt ihr irgendwann an einem Punkt als Macher einmal gedacht: Sorry, das geht jetzt aber doch ein bisschen zu weit?
Gernandt: Na ja, die Foto-Lovestorys waren zum Teil wirklich auch abenteuerlich. Man musste sich da zum Teil schon spektakuläre Szenen ausdenken. Und das war natürlich quasi ein Leserbindungsmittel. Es war ja ein Fortsetzungsroman. Du musstest dir jede Woche die neue Bravo kaufen, um zu wissen, wie es weitergeht.
Und ein Geheimnis: Die Hauptdarstellerin und der Hauptdarsteller hatten dann oft Fans, weil die nun jede Woche von sechs Millionen Kids gesehen wurden. Und da kamen dann Zuschriften, wie: Wer ist der Typ? Wer ist das Mädchen? Und wenn besonders viele Zuschriften kamen, wurde diese Foto-Lovestory weiter verlängert.
SWR1: Ihr habt euch aber auch immer die Süßen rausgesucht für die Foto-Lovestory.
Gernandt: Ja klar, das ist Bravo.