Debatte um Jens Spahn

Leihmutterschaft: „So wie es gerade läuft, kann es nicht weitergehen“

Die Debatte um Jens Spahn rückt Leihmutterschaft in den Fokus. Journalistin Annette Kammerer erklärt, wie der internationale Markt funktioniert – und wo sie die größten Risiken sieht.

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Die Debatte um Jens Spahn hat das Thema Leihmutterschaft neu entfacht. Der CDU-Politiker und sein Ehemann bekamen mithilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind – obwohl Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Im Gespräch mit SWR Kultur erklärt die Journalistin Annette Kammerer, warum trotzdem viele Paare den Weg ins Ausland wählen und welche Risiken damit verbunden sind.

Kammerer hat ein Jahr lang zum Thema recherchiert und begleitet aktuell ein Paar, dessen Kind mithilfe einer Leihmutter in Georgien zur Welt kommen soll. Die Menschen, die sich für diesen Weg entscheiden, seien „eigentlich eher ein Querschnitt der Gesellschaft“, sagt sie. Neben wohlhabenden Paaren habe sie auch Menschen getroffen, die sich das Geld für eine Leihmutterschaft von ihren Eltern leihen mussten.

Weltweiter Markt mit großen Unterschieden

Während die USA als besonders transparent gelten, gebe es weltweit große Unterschiede. Georgien zähle derzeit zu den Ländern, in die viele deutsche Paare gingen. Problematisch seien dagegen Staaten ohne klare gesetzliche Regelungen. Als Beispiel nennt Kammerer den türkisch besetzten Teil Zyperns. Dort gelte das Motto: „Was nicht verboten ist, ist erstmal erlaubt.“ Für ein so komplexes Verfahren wie eine Leihmutterschaft sei das „doch sehr riskant“.

Fehlende Beratung drängt Paare ins Ausland

Das deutsche Verbot halte viele Paare nicht von einer Leihmutterschaft ab – im Gegenteil. Aus Kammerers Sicht verschärft es die Situation sogar. „Sehr verzweifelte Paare treffen auf einen sehr agilen weltweiten Markt“, sagt sie. Gleichzeitig fehle ein neutrales Beratungsangebot. Viele Betroffene seien deshalb auf Facebook- oder WhatsApp-Gruppen angewiesen, um seriöse Agenturen oder geeignete Länder zu finden.

„Niemand ist geschützt“

Nach ihren Recherchen sieht Kammerer dringenden Handlungsbedarf. „So wie es gerade läuft, kann es eigentlich nicht weitergehen“, sagt sie. Weder die Leihmütter noch die Wunscheltern seien ausreichend geschützt. Gleichzeitig finde kaum eine Kontrolle statt, wer eine Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch nimmt.

Forum Spahn und die Doppelmoral - Wer vertraut noch der CDU?

Jens Spahn tritt als Fraktionschef zurück. Kanzler Merz muss seine Spitze neu sortieren. Spahn hat sich als Gesetzgeber gegen die Leihmutterschaft positioniert und als Privatmann eine Leihmutter engagiert.

Forum SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Pia Masurczak
Pia Florence Masurczak
Interview mit
Annette Kammerer
Onlinefassung
Helen Roth
Helen Roth