Hochburgen der Gelehrsamkeit
Das jüdische Erbe von Speyer, Worms und Mainz, oder besser gesagt von Spira, Warmaisa und Magenza, wie es auf Hebräisch heißt, ist wirklich einzigartig! Und so sind die SchUM-Städte völlig zu Recht vor fünf Jahren – nach langer Vorbereitungszeit – in die UNESCO-Welterbestättenliste aufgenommen worden.
Die jüdischen Gemeinden dieser Städte am Rhein waren zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert Hochburgen der Gelehrsamkeit, eng miteinander verbunden – wurden als „Jerusalem am Rhein“ bezeichnet.
Sie waren das geistige Zentrum des aschkenasischen Judentums, bedeutende Rabbiner lehrten hier, schrieben Talmudkommentare, die bis heute Gültigkeit haben. Wichtige Gesetze wurden hier erlassen, wie die Wahrung des Briefgeheimnisses oder das Verbot der Vielehe. Die Friedhöfe in Mainz und Worms, die Synagogen in Worms und Speyer sowie die jüdischen Ritualbäder in Speyer und Worms sind noch heute Zeugnisse jener Zeit.
Stärker im öffentlichen Bewusstsein
Die SchUM-Städte sind mit der Ernennung zum Weltkulturerbe sehr viel stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Das Thema wird in Schulen behandelt, es gibt Stadtführungen dazu, der Begriff SchUM taucht viel häufiger in den regionalen und überregionalen Medien auf.
Zurzeit ist im Landesmuseum Mainz eine Ausstellung zu sehen mit dem Titel: „Shalom am Rhein“. Jedes Jahr sind drei internationale Künstlerinnen und Künstler für sechs Wochen zu Gast, als SchUM-Artist in Residence.
Auch wird in allen drei Städten in den Erhalt des jüdischen Erbes investiert, wie es die UNESCO als Auflage vorsieht: In Mainz werden die fast tausend Jahre alten und mitunter schon sehr verwitterten roten Sandstein-Grabsteine zu erhalten versucht.
In Worms ist im Juni die mittelalterliche Mikwe, das jüdische Ritualbad, nach jahrelanger Sanierung wiedereröffnet worden. Und überhaupt, seit der Anerkennung der SchUM-Städte durch die UNESCO seien die Besucherzahlen um 20 Prozent gestiegen, so die Schätzungen des Vereins der SchUM-Städte.
Besuchszentren, um Geschichte erfahrbar zu machen
Also alles prima? Die UNESCO will, dass die Orte nicht nur erhalten bleiben, sondern Besucherinnen und Besuchern verständlich vermittelt werden.
Deshalb sind sogenannte Besuchszentren geplant, die mithilfe moderner Medien, das Mittelalter besser nachvollziehbar und die jüdische Geschichte, obwohl teilweise nur wenige bauliche Überreste erhalten geblieben sind, erfahrbar machen sollen.
Jede Stadt macht ihr eigenes Ding
In Mainz wird ein solches modernes Besuchszentrum am alten jüdischen Friedhof zurzeit gebaut. Es soll Anfang September eröffnet werden. Worms plant ein dreiteiliges Zentrum mit gläsernem Pavillon in der Innenstadt. Der Bau hat noch nicht mal angefangen. In Speyer setzt man auf die Anlagen des Judenhofes mit der ältesten erhaltenen Mikwe.
Und das macht deutlich, was leider fünf Jahre nach der Aufnahme in die Welterbe-Liste nicht funktioniert: Auch wenn es für Mainz, Worms und Speyer einen übergeordneten Verein und gemeinsame Aktivitäten gibt – so macht doch jede Stadt ihr eigenes Ding.
Für die Gäste aus aller Welt verwirrend und wenig nachvollziehbar. Der enge Verbund damals zwischen Spira, Warmaisa und Magenza im Mittelalter könnte vielleicht noch mal ganz anders Vorbild sein.