Neue Biografie beleuchtet den Aufstieg von Franz Burda
Franz Burda wollte vor allem Unternehmer sein. Einer, der neue Geschäftsfelder entdeckt, Zeitschriften produziert und seinen Verlag wachsen lässt. Mit Politik, so das Image, hatte das möglichst wenig zu tun.
Doch dieses Bild greift zu kurz. „Zu der Figur Burda, zu dem Verlag, zu dem Image und der Außenwirkung zählt ja immer auch“, sagt der Historiker Tim Schanetzky, „von sich zu behaupten, dass man eigentlich unpolitisch sei und so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre schaffen wollte.“
Schanetzky hat gemeinsam mit Norbert Frei und Sybille Steinbacher die neue Burda-Biografie „Der Mann fürs Bunte“ geschrieben. Die drei Historiker haben dafür nicht nur auf Franz Burdas Leben geschaut, sondern auch auf die Zeitschriften, mit denen er Millionen Menschen erreichte.„Das war zu allen Zeiten sehr viel politischer, als es dieses Klischee eigentlich immer wollte“, sagt Schanetzky.
Franz Burdas Karriere beginnt mit einer Radiozeitschrift
Burdas Aufstieg beginnt mit einem neuen Medium: dem Radio. 1927 bringt er in Offenburg die „Südwestdeutsche Radio-Zeitung“, kurz „Sürag“, heraus, eine Programmzeitschrift für den Rundfunk. Die Auflage wächst schnell, ebenso das Unternehmen.
Wichtig ist Schanetzky dabei: Burdas wirtschaftlicher Erfolg beginnt nicht erst mit Hitler. „Der Erfolg dieses Druckereiunternehmers – und das ist wirklich ein mittelständischer Betrieb – ist ganz entscheidend schon vor dem Januar 1933 losgegangen“, sagt er.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verändert sich allerdings das Umfeld grundlegend. Das Radio wird zum Propagandainstrument des Regimes. Burda passt sich an und baut sein Unternehmen weiter aus.
Profiteur des „Dritten Reichs“? Burdas Rolle im Nationalsozialismus
Franz Burda tritt der NSDAP bei. 1938 übernimmt er gemeinsam mit Karl Fritz die Mannheimer Druckerei Gebrüder Bauer, die den jüdischen Brüdern Reiss gehört. Die Übernahme erfolgt im Zuge der nationalsozialistischen „Arisierung“. Später druckt Burdas Unternehmen unter anderem Generalstabskarten für die Wehrmacht.
Sein Sohn Hubert Burda hat das Verhalten des Vaters später so beschrieben: Franz Burda sei „in den Nationalsozialismus hineingetaumelt“ – nicht aus Überzeugung, sondern weil er sich als Unternehmer gute Chancen ausgerechnet habe. Schanetzky hält den Begriff des Profiteurs für angemessen. Gleichzeitig warnt er vor einer zu einfachen Einordnung.
„Diese Form von Anpassungen, die findet man ja doch bei vielen, die unternehmerisch tätig sind“, sagt er. Bei Burda habe „eine bestimmte Form von Anpassungen, signalisierter Nähe gegenüber dem Nationalsozialismus“ eine Rolle gespielt – „gleichzeitig aber sehr geschickt dosiert“.
Das macht seine Geschichte widersprüchlich: Burda war kein Unternehmer, dessen wirtschaftlicher Erfolg erst durch den Nationalsozialismus begann. Aber er nutzte die Möglichkeiten, die sich ihm im NS-Staat boten. Und sein Unternehmen profitierte von der Verfolgung jüdischer Eigentümer.
Neustart nach 1945
Nach dem Krieg gelingt Burda der Wiederaufbau. In der französischen Besatzungszeit erhält sein Unternehmen wieder Druckaufträge. 1948 erscheint mit „Das Ufer“ eine neue Illustrierte, aus der später die „Bunte“ wird.
Dann beginnt die Erfolgsgeschichte in der Bundesrepublik: Wirtschaftswunder, Konsum und ein wachsendes Interesse an Stars und Mode spielen Burda in die Hände. Doch laut Schanetzky liegt der Erfolg nicht nur in den Inhalten.
„Das eigentliche Wachstum ist gar nicht so sehr dadurch zu erklären, dass man irgendetwas Besonderes inhaltlich macht“, sagt er. Entscheidend sei vielmehr, dass Burda „Verleger und Druckereibetreiber in einem ist“. Auch Aenne Burda, die Ehefrau des Verlegers, wird zu einer wichtigen Unternehmerin des Hauses. Mit „Burda Moden“ und ihren Schnittmustern erreicht sie Millionen Frauen.
Wie politisch ist Unterhaltung?
Gerade die Zeitschriften selbst erzählen viel über die Gesellschaft der Bundesrepublik der 1960er-Jahre. Die „Bunte“ etwa geht laut Schanetzky überraschend ausgewogen mit der Studentenbewegung von 1968 um.
Im Vergleich zu den „Scharfmachern“ der damaligen Presselandschaft habe sich das Blatt vorsichtiger verhalten. Ein Grund: Die Redaktion testete ihre Inhalte häufig bei den Leserinnen und Lesern. Die „Bunte“ beobachtete also ziemlich genau, was ihre Zielgruppe dachte – und passte sich daran an.
Noch erstaunlicher ist eine andere Seite von Franz Burda: seine Bewunderung für Willy Brandt. „Also auch die würde man jetzt bei einem konservativen Verleger wie Franz Burda erstmal so nicht erwarten“, sagt Schanetzky. „Und das gehört durchaus zu den Überraschungen.“
Ein Unternehmer zwischen Anpassung und Mainstream
Franz Burdas Geschichte führt durch drei politische Systeme: die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus und die Bundesrepublik.
Sein Aufstieg im NS-Staat lässt sich weder als reine Erfolgsgeschichte noch allein mit persönlicher Überzeugung erklären. Burda passte sich an, profitierte wirtschaftlich und bewegte sich zugleich mit erstaunlichem Geschick durch die politischen Verhältnisse. Nach 1945 wurde er zu einem der bekanntesten deutschen Verleger.
Seine Zeitschriften waren dabei nie nur bunt. Sie zeigten, was Millionen Menschen interessant, schön und zeitgemäß finden sollten und spiegelten damit auch den Wandel der deutschen Gesellschaft. Das zeigt in dieser Hinsicht. Unterhaltung kann politisch sein, gerade wenn sie sich selbst für unpolitisch hält.