Übermutter Caterina Schöllack spürt den Zahn der Zeit
Berlin 1977 – Im Vergleich zu den letzten Staffeln von „Ku’damm Berlin“ sind die Haare länger, die Hemdkragen breiter. Auf Etikette wird nicht mehr ganz so viel Wert gelegt, auf die richtigen Schritte schon.
Bei den Schöllacks in der Tanzschule Galant spürt Übermutter Caterina den Zahn der Zeit und die Wunden der Vergangenheit. Bei einem sogenannten „Anbahnungstee“ will sie ihre geschiedene Tochter Helga mit einem Zahnarzt verkuppeln.
Heile Welt sieht anders aus
Helgas Schwester Monika hat sogar zwei Männer verloren und ihre Gesangskarriere an den Nagel gehängt und die dritte im Bunde, Eva, sitzt anfangs noch im Gefängnis. Heile Familie sieht wohl anders aus.
Vor allem aber tritt nun eine neue Generation aufs Parkett: Monika widmet sich jetzt voll und ganz der Tanzkarriere ihrer Teenietochter Dorli. Helgas Tochter Friederike hat sich in den Kopf gesetzt, zur Polizei zu gehen. Nicht als Politesse, sondern als erste Frau im Streifendienst.
Staffel vier ist inhaltlich flacher, glänzt aber schauspielerisch
Die jungen Frauen bringen einen wohltuend unbekümmerten, manchmal auch unbedarften Ton hinein, der der Serie neuen Schwung verleiht, allerdings droht sie dabei auch ab und an zu verflachen.
Schauspielerisch ist „Ku’damm 77“ über alle Zweifel erhaben, insbesondere Claudia Michelsen glänzt als immer wieder scharfzüngige Oma Caterina, die mehr als einmal schmerzhaft mit der Vergangenheit konfrontiert wird.
Neue Erzählperspektive
Die auffälligste Veränderung der neuen Staffel ist aber der Versuch, eine neue Perspektive einzuziehen: Die schwarze Journalistin Linda stellt sich vor mit der Idee, eine Art Doku-Feature über die Familie Schöllack zu drehen.
Die Journalistin zeigt ein auffällig persönliches Interesse an der Familie und auch als Zuschauer blickt man in der Folge immer wieder durch ihre Kamera auf die Protagonistinnen.
Super-8-Ästhetik überzeugt nicht immer
Visuell ergibt das reizvolle Kontraste, die Serie gibt sich dann quasi-dokumentarisch, aber diese zeittypische Super-8-Ästhetik drängt sich mitunter auch sehr in den Vordergrund. Ein Kunstgriff, der nicht voll überzeugt.
Brennglas Tanzschule
Abgesehen davon gelingt es Autorin Annette Hess wieder, die Tanzschule als Spiegel einer sich langsam entwickelnden, aber auch in manchen Schleifen gefangenen Gesellschaft zu erzählen:
RAF-Morde auf der einen, Stasispitzelei auf der anderen Seite der deutsch-deutschen Grenze, Drogenkriminalität oder Rassismus spielen sich buchstäblich vor oder auch hinter den Türen der Tanzschule Galant ab.
Berührende Geschichten von Sehnsucht und Aufbruch
Im Privaten, das immer auch politisch gedacht ist, erleben ihre Heldinnen berührende Geschichten von Sehnsucht und Aufbruch, vom Loslassen und Wiederfinden. In einer Welt, die wenig Träume erfüllt, aber Möglichkeiten aufzeigt, eigene Wege zu gehen. Oder, sie zu tanzen.
Fernehserien und Filme
Ein Tag am Set mit Gestütsbesitzer Bernd Clemens
Seit 2006 spielt Martin Wangler in der SWR Schwarzwaldserie „Die Fallers“ Gestütsbesitzer Bernd Clemens. Sein Markenzeichen: Er spricht Dialekt. Doch wie viel alemannisch darf er sprechen, damit ihn alle Zuschauer verstehen? Knifflige Fragen, die am Set vor Drehbeginn ausgehandelt werden.