Wie weit darf Aufklärung gehen?

Kinofilm „Primetime“ mit Robert Pattinson: Wenn die Jagd auf Täter zum Medienspektakel wird

Ein Moderator lockt mutmaßliche Sexualstraftäter vor die Kamera und stellt sie öffentlich bloß: Der US‑Film „Primetime“ von Lance Oppenheim erzählt von den Mechanismen einer realen Fernsehshow und fragt, wann Aufklärung zum Voyeurismus wird.

Teilen

Stand

Pattinson als Jäger mit Geltungsdrang

„Es geht schon auch darum, dass hier der Voyeurismus der Zuschauer bedient wird“, sagt Filmkritiker Rüdiger Suchsland im Gespräch bei SWR Kultur. Der Film erzähle damit nicht nur Fernsehgeschichte, sondern auch etwas über unser eigenes Verhältnis zum Spektakel.

Robert Pattinson spielt den Moderator Chris Hansen als kontrollierten, zugleich nach Aufmerksamkeit hungernden Mann. „Er wird der Gute, der Monster jagt. Er wird gewissermaßen selbst zum Monster“, sagt Suchsland.

Gerade diese Ambivalenz mache die Figur unheimlich. Vordergründig gehe es Hansen um Wahrheit und Verantwortung, doch der Film zeige zunehmend seine Lust an Konfrontation und Jagd. Damit gerät auch die Macht derjenigen in den Blick, die vor der Kamera über Täter und Schuld urteilen.

Ausschnitt aus dem Film "Primetime": Man sieht eine Person in einem Raum, die von einer Überwachungskamera aufgenommen wird
Wann wird Aufklärung zum Voyeurismus? Diese Frage stellt der Film „Primetime“. picture alliance/dpa/A24 | -

Ein System permanenter Erregung

Schnelle Schnitte, grelle Bilder und ständige visuelle Reize: „Primetime“ übernimmt bewusst die Ästhetik des Fernsehens und heutiger Onlinevideos.

Regisseur Oppenheim wolle die Medienwelt nicht nur von außen kritisieren, sondern ihre Mechanismen sichtbar machen, erklärt Suchsland: „Aus der Information wird vor allem ein Aufmerksamkeitsheischen.“ Daraus entstehe eine Spirale immer neuer Erregung. Gerade deshalb konfrontiere der Film das Publikum auch mit der Frage, warum das Böse als Spektakel so faszinierend ist.

Trailer „Primetime“. Ab 24.9.2026 im Kino.

PRIMETIME Trailer German Deutsch (2026) Robert Pattinson

Ludwigshafen

Kinofilm über eine wahre Geschichte „Adams Acht“: Ein Film über Rudern und Zusammenhalt – mit einem Star aus der Pfalz

„Adams Acht“ erzählt die wahre Geschichte eines legendären Ruder-Achters in den 1960er-Jahren. Im neuen Sportfilm spielt der Pfälzer Schauspieler Leonard Kunz eine zentrale Rolle.

SWR Kultur SWR

Historisches Weltkriegsdrama im Kino „Pressure“: Der D-Day aus Sicht der Meteorologen

„Pressure“ erzählt aus einer ungewöhnlichen Perspektive vom D-Day: Ein Meteorologe soll voraussagen, ob das Wetter die Landung der Alliierten in der Normandie erlaubt.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Justizdrama über institutionellen Rassismus „Staatsschutz“ – Thriller über blinde Flecken in Justiz und Polizei

„Staatsschutz“ von Faraz Shariat: erzählt von strukturellem Rassismus: Nach einem rassistischen Brandanschlag zieht Staatsanwältin Seyo Kim gegen die eigene Behörde vor Gericht.

SWR Kultur am Morgen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Martin Gramlich
Martin Gramlich, SWR Kultur Moderator
Interview mit
Rüdiger Suchsland, Filmkritiker