Das Paris des Mittleren Osten
Als das Paris des Mittleren Ostens wurde Beirut, die Hauptstadt des Libanons, einst bezeichnet. Aber auch als „die Stadt, die nicht sterben wird". Nach den 75 Minuten von Lana Dahars Essayfilm spürt man den andauernden Zauber dieser orientalischen Metropole, in der sich westliche Moderne und arabisches, christliches und römisches Kulturerbe treffen.
Die Vergangenheit des Libanon wiederherstellen
Die Filmemacherin wurde selbst mitten in einem der vielen Kriege im Libanon geboren und wuchs teilweise in Beirut auf. Mit ihrem Film holt sie eine Vergangenheit jenseits der politischen Schwarz-Weiß-Schemata zurück, die das Land aufgrund seiner anhaltenden inneren Fragmentierung lange verdrängt hat.
Ein Land im Dauer-Kriegszustand
Der Libanon ist ein Land, das an Konfliktzyklen gewöhnt ist: von den 15 Jahren Bürgerkrieg, der 1990 endete, bis hin zu den Auseinandersetzungen zwischen Israel und der libanesischen schiitischen Gruppe Hisbollah, die bis heute andauern. Dahars Film ist nun ein Versuch den Gedächtnisverlust auszugleichen, und eine Art kollektiven Erinnerung zu rekonstruieren.
Film besteht nur aus Archivmaterial
Lana Dahers Film ist ausschließlich aus Archivmaterial zusammengestellt. Schon die Form der assoziativen, sehr leicht und frei wirkenden Montage, deutet an, wie unbeschwert das Leben in der Hafenstadt in Friedenszeiten gewesen sein muss.
Keine Reise durch die Leidensgeschichte des Libanon
„Do You Love Me" leugnet dabei die ständigen Kriege und ihre Verwüstungen nicht, ebenso wenig die psychologischen Leiden und Traumata in ihrem Gefolge. Doch der Film begnügt sich nicht, wie so oft ähnliche Werke mit einer Reise durch die Leidensgeschichten, sondern vermeidet die üblichen Bilder von Politikern und Soldaten, von Explosionen und Ruinen.
Kreativität als Form des Widerstands
Stattdessen richtet der Film den Blick auf Bürger und Künstler und feiert kreativen Ausdruck als eine Form des Widerstands – und als Mittel, Erinnerung zu bewahren. Dahar zeigt die intensive kulturelle Blüte, die den Libanon vor allem ausmacht.
Durch die Zusammenstellung von Archivmaterial seit den 1970er Jahren – Fotografien ebenso wie Spiel- und Dokumentarfilme, oft auch Homevideos aus privaten Sammlungen – entsteht eine ebenso unterhaltsame wie präzise Hommage an das Land, vor allem aber an Beirut.
Erinnerung durch die Kraft des Kinos
Die Regisseurin selbst beschreibt ihre Beziehung zum Libanon als ambivalent: geprägt von Liebe zu ihrem Land, aber auch von wiederkehrenden Enttäuschungen über unerfüllte Versprechen. Das Ergebnis ist ein Hohelied auf die Kraft der audiovisuellen Erinnerung des Kinos.