Ernalotte, 100 Jahre, will noch einmal den Rhein sehen

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An den Rosenmontagszug kann ich mich noch gut erinnern, da haben wir noch auf den Trümmern gesessen.

Eine Mainzer Jubilarin hat Geburtstag

Der Gesangsverein, dem Ernalotte angehört, hatte für ihre Jubilarin eine große Überraschung organisiert. Die Mainzerin, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hat, durfte mit der Rikscha der AWO und dem Linonsclub durch Mainz fahren und sich an ihre Wunschorte bringen lassen. „Wir fahren an den Rhein, weil ich annehme, dass dort die Luft so gut ist.“

Erinnerungen an das Mainz der 1950er Jahre

Schon in den 1950er Jahren ist Ernalotte, die eigentlich Erna Charlotte getauft wurde, gerne am Rhein unterwegs. Ihr Mann hat zu dem Zeitpunkt eine Stelle im Tiefbauamt der Stadt angetreten und so ist das junge Paar von Frankfurt nach Mainz gezogen. Mit ihren Zwillingen im Kinderwagen macht sie lange Spaziergänge. Im Volkspark erinnert sie sich an die Blumenuhr, die es dort gab, an der Rheinpromenade an die alten Häuser und das Schwimmbad und in der Oberstadt an die Blütenpracht der Bäume in der Ritterstraße, die im Frühling von vielen Menschen noch bis heute bestaunt werden.

Aufgewachsen im Krieg

Etliche Gebäude und Straßen haben sich verändert, bemerkt Ernalotte. Sie kennt noch andere Bilder von Mainz, als die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern lag und eine provisorische Pontonbrücke den Rhein passierbar machte. Den Krieg hat sie als Kind miterlebt. Sie ist in Frankfurt aufgewachsen, war im Bund Deutscher Mädchen und überzeugt davon, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewinnen wird. Nach dem Krieg erfährt sie durch Plakate, was in den Konzentrationslagern passiert ist. „Wir haben uns gefreut, dass es [nach dem Krieg] anders war und an das, was war wollte keiner mehr denken. Viele haben geschwiegen, die wollten darüber nicht mehr reden. Aber das war ein großer Fehler.“ Noch heute berichtet sie ihren Kindern und Enkeln, aber auch anderen, was sie erlebt hat.

Wie wird man 100 Jahre alt?

Mit ihren Freunden kann sie nicht mehr sprechen. Sie hat alle überdauert. „Wie wird man 100 Jahre alt? Das weiß ich auch nicht. Ich habe ganz normal gelebt, habe aufs Essen geachtet und keinen Alkohol getrunken.“

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