Sabines Parkplatz bietet persönlichen Service statt Automaten

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Von Autor/in Meike Rathsmann

Mein Beruf ist Parkautomat, nur menschlich.

Seit 22 Jahren sitzt Sabine im Kassenhäuschen eines Pirmasenser Parkplatzes. Fünf bis sechs Tage in der Woche, zehn Stunden am Tag. Egal ob die Sonne erbarmungslos aufs Blech brutzelt oder es eiskalt ist, Sabine schenkt jedem Kunden ein Lächeln. „Ich freue mich immer, wenn ich morgens arbeiten gehen kann. Ohne Arbeit könnte ich nicht, ich möchte nix anderes tun.“

Sabines Beruf ist Parkplatzautomat, aber mit Herzlichkeit.

Einen Bürojob könnte Sabine sich nicht vorstellen. Sie braucht den Kontakt zu Menschen. Als ihr Chef vor vier Jahren aufhörte, übernahm sie kurzerhand den Parkplatz. Denn die Vorstellung, dass sie durch einen Automaten ersetzt werden könnte, war unerträglich. So ein Automat kann nämlich nicht beim Einparken helfen und auch nicht persönlich auf jeden einzelnen Kunden eingehen. „Meine Herzlichkeit ist angeboren. Meine Mutter war schon ein sehr herzlicher Mensch – das ist einfach das Naturell.“

Parkgebühren wie Anfang der 2000er

Seit über 20 Jahren wurden hier die Parkpreise nicht erhöht. Unglaubliche 80 Cent kostet die Stunde.
„Manche Kunden schimpfen immer mit mir, weil ich mir schwer mit dem Aufschlagen tu. Aber sonst habe ich Angst, dass die Kunden nicht mehr kommen.“

Morgens, wenn viele Pirmasenser Besorgungen machen, ist der Platz oft bis auf die letzte Parkbucht voll. Eigentlich bekommen nur Dauerparker einen Platz reserviert. Doch Stammkunden, die sie seit Jahrzehnten kennt, erhalten einen besonderen Service. Denen hält Sabine auch mal kostenlos eine Parkbucht frei, weil sie weiß, dass zum Beispiel der Friseurbesuch ansteht. „Meine Kunden sind ja alles Menschen und deshalb soll es hier auch menschlich zugehen.“

Das Parkplatzhäuschen ist ihr Reich

Zwei Quadratmeter ist das Häuschen nur groß, aber es ist Sabines Reich. Hier hat sie ihr Radio, hier hängen ihre Schutzengel und hier steht ihre Kanne Tee für die Gemütlichkeit.
Wenn Sabine dann doch einmal im Jahr Urlaub macht, plagt sie solch ein schlechtes Gewissen, dass sie ihre Kunden kostenlos parken lässt.

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