Ich habe mich während meiner Dienstzeit nie so richtig um mein Kind kümmern können. Ich war oft 16 Stunden unterwegs. Und deshalb habe ich die ganze Erziehung meiner Frau abgegeben und hatte das Bedürfnis, ich muss etwas gut machen.
Um die verpasste Zeit mit seiner Tochter Rebecca nachzuholen, pilgern beide zusammen acht Tage lang den 160 Kilometer langen Mosel-Camino von Koblenz bis nach Trier. Die Idee für diese besondere Reise stammte von Rebecca, nachdem sie das Buch über die Pilgerreise von Hape Kerkeling gelesen hatte. Manche Orte entlang der Strecke waren für Gerhard nicht neu, denn er ist in Münstermaifeld aufgewachsen und verbindet viele Erinnerungen mit der Region.
Zur Vorbereitung auf die bevorstehende Wanderung gingen beide täglich rund zehn Kilometer spazieren. „Ich habe meinem ganzen Umfeld leider mitgeteilt: Ich werde den Mosel-Camino laufen!“, erinnert sich Gerhard. „Und mittendrin habe ich dann gedacht: Warum war ich so dumm und habe das überall erzählt, denn jetzt musst du es ja auch schaffen.“
Die gemeinsame Wanderung stärkt die Beziehung
„Wir hatten eine Bullenhitze. Wir haben beide geschwitzt und ich dachte zwischendurch, ich kann nicht mehr. Und Papa hat mich wie ein Motivator vorangetrieben. Ich fand, das war einfach beeindruckend mitanzusehen, dass er sich dann auch um mich gesorgt hat und quasi an die Hand genommen hat und wir dann gemeinsam das Ziel erreichen konnten“, erzählt Rebecca lächelnd.
Durch die gemeinsame Zeit auf dem Mosel-Camino hat sich die Beziehung zwischen Vater und Tochter spürbar verändert. „Ich habe das Gefühl, mein Kind versteht mich. Und ich verstehe es auch“, sagt Gerhard.
Ich habe von Rebecca gelernt, ruhig zu sein. Ich werde immer ziemlich schnell unruhig, nervös und ungeduldig. Das ist eine meiner stärksten Schwächen. Das war eine tolle Ergänzung auf dieser Strecke.
Und auch Rebecca spürt seit der Reise eine große Verbundenheit: „Wir sagen uns alles. Wir reden über alles. Ob es um den Job geht, ob es um das Private geht, oder einfach den nächsten Wanderurlaub.“
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