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Thomas Mann gegen die Nazis

Stefan Nölke spricht mit dem Literaturwissenschaftler Kai Sina

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In Thomas Manns Romanen – von "Buddenbrooks" bis "Der Zauberberg" – ist jeder Satz, jedes Wort kunstvoll gesetzt. Aber der Literatur-Nobelpreisträger konnte auch scharf und polemisch argumentieren, wenn es gegen die Nationalsozialisten ging. Die hatten ihm die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen und ihn ins Exil nach Kalifornien getrieben.

In unzähligen Vortragsreisen quer durch die USA trat er für die Demokratie und gegen Faschismus und Antisemitismus auf. Und während des Krieges wandte sich Thomas Mann dann über die BBC direkt an die "Deutschen Hörer", um seine Landsleute über den Charakter und die Verbrechen der Nazi-Diktatur aufzuklären.

MDR 2025

Die Nobelpreisträger 1929 in Stockholm. Von links nach rechts: Frederick Gowland Hopkins, Arthur Harden, Thomas Mann, Hans Von Euler, Prince Louis de Broglie of Paris, Owen W. Richardson.

10.12.1929 Nobelpreis für Thomas Mann – Flüsterreportage aus Stockholm

10.12.1929 | Der Schriftsteller Thomas Mann bekommt am 10. Dezember 1929 in Stockholm den Literaturnobelpreis. Reporter Alfred Braun berichtet darüber aus Schweden in seiner berühmten Flüsterreportage, in der er ganz nah beim König steht. Später beschreibt er wie es dazu kam: Der König habe kein Mikrofon vor sich haben wollen. Braun fand einen Platz "hinter einem Teppich". Diese aus der Not geborene "Flüsterreportage" nutze Braun später auch bei anderen Reportagen aus den Räumen ranghoher Politiker.

Der Schriftsteller Thomas Mann (1875 - 1955) um 1940 in den USA

18.3.1941 Thomas Mann spricht aus Kalifornien zu den "Deutschen Hörern"

18.3.1941 | Thomas Mann sendet im Krieg 55 Radioansprachen, die er an seine Landsleute adressiert. "Deutsche Hörer" heißt die Sendereihe. In seinem Exil in Kalifornien nimmt er seine Reden auf Platte auf. Diese werden per Luftpost nach New York gebracht und von dort wiederum per Kabel nach London übertragen. Die BBC sendet die Aufnahmen schließlich über Langwelle auch ins deutsche Reichsgebiet. Die erste dieser Aufnahmen stammt vom 18. März 1941. Anschließend hören wir eine weitere vom Dezember desselben Jahres. Da ist auch die Tonqualität besser.

Der Schriftsteller Thomas Mann (1875 - 1955) um 1940 in den USA

1.1.1945 "Deutsche Hörer!" – Neujahrsansprache von Thomas Mann

1.1.1945 | Dies ist eine der späten Radioansprachen, die Thomas Mann aus dem Exil an seine deutschen Landsleute sendet. Es ist Neujahr 1945. Im Sommer zuvor sind Briten und US-Amerikaner in der Normandie gelandet und haben große Teile Frankreichs von den Nazis befreit. Doch im Dezember startet die Wehrmacht ihre Ardennenoffensive und rückt wieder Richtung Westen vor, bis kurz vor die Maas. Dies bewegt Thomas Mann dazu, seine Reihe "Deutsche Hörer" wieder aufzunehmen und fortzuführen, die er 1941 in seinem Exil in Kalifornien begonnen hatte. Die Platten, die er dort aufnimmt, gelangen per Luftpost nach New York und werden von dort wiederum per Kabel nach London übertragen. Die BBC sendet die Aufnahmen schließlich über Langwelle auch ins deutsche Reichsgebiet. Hier also Thomas Manns Neuajahrsansprache vom 1. Januar 1945.

Schriftsteller Thomas Mann im April 1945 in seinem Haus in Santa Monica in Kalifornien  USA vor einem Bücherregal: Die Konferenz von Jalta im Februar 1945 nahm er zum Anlass, sich aus seinem kalifornischen Exil mit einer Rundfunkbotschaft über das deutsche Programm der BBC an die deutschen Hörer zu wenden.

16.2.1945 Thomas Mann über die Jalta-Konferenz

16.2.1945 | Im Februar 1945 zeichnet sich ab, dass Hitler-Deutschland bald besiegt sein würde. Seit der Befreiung von Auschwitz kurz zuvor sind auch die Gräueltaten und Massenvernichtungen öffentlich bekannt.
Doch was sollte mit Deutschland nach einer Kapitulation geschehen? Soll das Land zwischen den Siegermächten aufgeteilt werden – und wenn ja, wie? Soll Europa in definierte westliche und sowjetische Interessenssphären aufgeteilt werden?
Um diese und andere Fragen zu besprechen, treffen sich die Staatschefs der Alliierten ab dem 4. Februar 1945 für eine Woche im Badeort Jalta auf der Krim – für die USA kommt Franklin D. Roosevelt, für Großbritannien Winston Churchill. Eingeladen hat der sowjetische Diktator Josef Stalin. Frankreich ist nicht vertreten.
Die Konferenz ist für den Schriftsteller Thomas Mann (1875 - 1955) ein erneuter Anlass, sich aus seinem kalifornischen Exil mit einer Rundfunkbotschaft über das deutsche Programm der BBC an die deutschen Hörer zu wenden.

Thomas Mann macht sich im Juli 1945 in der Bibliothek des New Yorker Hunter College (USA) Notizen, bevor er eine Rede hält

11.5.1945 Thomas Mann feiert deutsche Kapitulation und spricht von "Befreiung"

11.5.1945 | Als 1985 Bundespräsident Richard von Weizsäcker den 8. Mai 1945, den Tag der deutschen Kapitulation, als Tag der Befreiung bezeichnet, löst das eine Diskussion aus. Für viele Deutsche war das noch immer ein ganz neuer Gedanke. Der Schriftsteller Thomas Mann hatte ihn allerdings schon 40 Jahre vor Weizsäcker ausgeprochen – unmittelbar nach Kriegsende. Am 11. Mai 1945 schickt Thomas Mann aus seinem Exil über die BBC folgende Rundfunksendung an seine "Deutschen Hörer".
Mehr im Archivradio von Thomas Mann: http://swr.li/thomas-mann-exil

Thomas Mann ist mit seiner Frau Katia (links) und seiner Tochter Erika, nachdem er am 4. Mai 1950 aus New York kommend auf dem Flughafen in Stockholm, Schweden, gelandet war.

6.6.1950 "Meine Zeit" – Thomas Mann blickt auf sein Leben zurück

6.6.1950 | Rund um seinen 75. Geburtstag ist Thomas Mann auf Vortragsreise. An mehreren Orten hält er den folgenden Vortrag mit dem Titel "Meine Zeit", in dem er selbstreflektiert auf sein Leben und auch seine politische Rolle blickt.
Der Vortrag wird unter anderem im Süddeutschen Rundfunk gesendet. Alle weiteren Hintergründe fasst der Einführungstext des damaligen Moderators zusammen, der es für nötig hält darauf hinzuweiesn, dass sich der Süddeutsche Rundfunk die Thesen des "Dichters" keineswegs zu eigen mache.

Thomas Mann - Deutsche Hörer!

Buchkritik Thomas Mann – Deutsche Hörer!

Genau zur richtigen Zeit, da sich der Faschismus auf der ganzen Welt wieder ausbreitet, werden Thomas Manns Rundfunkansprachen in „Deutsche Hörer!“ neu veröffentlicht.
Rezension von Ulrich Rüdenauer

SWR Kultur am Abend SWR Kultur

Erstmals publiziert am
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Gespräch mit
Kai Sina | Literaturwissenschaftler
Das Gespräch führte
Stefan Nölke | MDR