3.1.1951

Werner Heisenberg über die Chancen der Kernenergie – Atomkocher für die Hausfrau?

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Von Autor/in ARD Archivradio

Die neue Atomtechnik kommt in den 1950er-Jahren wie gerufen: Die Kohlevorkommen in Deutschland drohen knapp zu werden für den steigenden Energiebedarf der Bevölkerung. Die Uranvorkommen dagegen versprechen eine zusätzliche Energiequelle.

Angewandte Atomforschung in der Bundesrepublik noch nicht erlaubt

Auch Nobelpreisträger Werner Heisenberg wirbt dafür, sie zu nutzen. So auch in diesem Interview mit dem Journalisten Hans Jesse. Zu diesem Zeitpunkt ist die angewandte Atomforschung allerdings noch durch die Alliierten verboten.

Medien-Fantasien: Atomkocher, Atomautos, Atom-Staubsauger

Die Frage nach kernkraftgetriebenen Autos und dem "Atomkocher für die Hausfrau" klang damals keineswegs nicht so absurd wie heute. Solche Fantasien waren durchaus geläufig:

"Kernkraftgetriebene Staubsauger werden vermutlich innerhalb der nächsten zehn Jahre Wirklichkeit werden", prognostizierte noch 1955 der US-amerikanische Erfinder und Staubsaugerhersteller Alex Lewyt.

Werner Heisenberg verweist im Interview solche Vorstellungen allerdings ins Reich der Utopie.

Fast ein Idyll: Die Kühltürme des Kernkraftwerks Philippsburg überragen den Ort Philippsburg mit seiner Kirche (2005)

Technikgeschichte Die Epoche der Kernenergie in Deutschland – Euphorie und Widerstand

1960 geht in Kahl das erste deutsche Kernkraftwerk in Betrieb. Doch wie sicher ist Atomenergie?

Das Wissen SWR Kultur

Atomwolke über Nagasaki am 9 August 1945; US-Streitkräfte hatten eine mächtige Atombombe mit dem Spitznamen "Fat Man" auf die japanische Stadt abgeworfen

9.8.1945 / 1959 Atombombe auf Nagasaki – Fliegeroberst Cheshire erinnert sich

9.8.1945 / 1959 | Drei Tage nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima flogen drei US-Militärflugzeuge Richtung Nagasaki, morgens kurz nach vier Uhr. Eins der Flugzeuge trug eine weitere Bombe, die Plutoniumbombe "Fat Man". Ein zweites enthielt wissenschaftliche Instrumente. Das dritte war ein Begleitflugzeug mit weiteren Soldaten. Unter ihnen der englische Fliegeroberst Leonard Cheshire. Cheshire sprach auch Deutsch. Jahre später, 1959, erzählt er im Rahmen eines Radiofeatures mit dem Titel "Die Drohung" vom Einsatz über Nagasaki.
Die Bombe auf Nagasaki tötete 22.000 Menschen direkt, zehntausende starben innerhalb der nächsten Monate an den Folgen.

Der Chemiker Otto Hahn (1879 - 1968) um 1948

14.8.1947 Otto Hahn über die Entdeckung der Kernspaltung

14.8.1947 | Zuerst hatten die Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann Zweifel an ihrer Entdeckung der Kernspaltung. Sie experimentierten 1938 mit Uran, dem schwersten in der Natur vorkommenden Element. Dass das Uran in zwei leichtere Atome zerfallen könnte, damit haben die Forscher nicht gerechnet – aber die Beobachtungen ließen keinen anderen Schluss zu. Hahn wurde für diese Entdeckung 1944 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen – doch offiziell gab die Schwedische Akademie der Wissenschaften dies erst nach dem Krieg 1945 bekannt. Sie wollte Hahn nicht in die Verlegenheit bringen, den Preis ablehnen zu müssen, wozu er unter der Nazidiktatur gezwungen gewesen wäre. Zwei Jahre später schildert Hahn dem Journalisten Jobst Klinkmüller, wie er zusammen mit Lise Meitner der Atomspaltung auf die Spur kam. | Kernenergie

Blick auf Teilnehmer im Konferenzsaal während der Eröffnung der ersten Internationalen Atomkonferenz über die friedliche Nutzung der Atomenergie im UN-Palast in Genf in der Schweiz am 8. August 1955. Insgesamt nahmen rund 1.200 Delegierte aus 72 Ländern aus Ost und West, darunter viele berühmte Atomwissenschaftler, an der Konferenz teil.

20.8.1955 "Atom für den Frieden" – Genfer Konferenz propagiert friedliche Nutzung der Atomenergie

20.8.1955 | Dort, wo sonst der Genfer Automobilsalon stattfindet, treffen sich Fachleute 1955 zu einer Konferenz unter dem Motto „Atom für den Frieden“. Anstoß ist die Atomrede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower "Atoms for Peace", in der er die Gründung einer internationalen Atomenergie-Organisation angeregt hat. Unter Federführung der Vereinten Nationen findet die Konferenz vom 8. bis zum 20. August 1955 statt. Südwestfunk-Reporter Ernst von Khuon zeigt sich von dem, was er hört, äußerst beeindruckt. Hier sein Abschlussbericht vom letzten Konferenztag. | Kernenergie

Karlsruhe
Mitglieder des Atom-Ausschusses des Bundestags besichtigen am 17. Januar 1958 das Karlsruher Reaktorgelände bei Leopoldshafen. Rechts Baudirektor Sommer, daneben (mit dunklem Hut) der Vorsitzende des Ausschusses, Dr. Thomas Dehler (FDP)

19.7.1956 Karlsruhe bekommt Forschungsreaktor – Stimmung in der Stadt

19.7.1956 | In Karlsruhe soll der erste atomare Forschungsreaktor der Bundesrepublik entstehen. Den Vertrag unterzeichnet Atomminister Franz Josef Strauß.

Queen Elizabeth hält am 17. Oktober 1956 ihre Rede, bevor sie den Schalter betätigt, der Calder Hall, das erste vollständige Atomkraftwerk der Welt, in der Nähe von Sellafield in Cumberland in Betrieb nimmt.

17.10.1956 Queen weiht erstes Atomkraftwerk des Westens in Calder Hall ein

17.10.1956 | 1956 geht im englischen Lake District das Kernkraftwerk Calder Hall ans Netz. Im Archiv des Südwestfunks ist die Aufnahme mit „Erstes Atomkraftwerk der Welt“ beschriftet, doch tatsächlich ging bereits vier Monate zuvor in der Sowjetunion bereits das Kernkraftwerk Obninsk in Betrieb. Bei der Kernenergie gab es also wie auch in der Raumfahrt einen technischen Wettlauf zwischen Ost und West. Vorreiter im Westen ist Großbritannien. Die junge Königin Elizabeth II höchstpersönlich ist dabei, als das Kraftwerk ans Netz geht. Deutschland ist vertreten durch Franz Josef Strauß, der zwar schon Verteidigungsminister ist. Seine Amtszeit als Atomminister sollte eigentlich schon zu Ende sein. Aber das Spektakel in England wollte er sich nicht entgehen lassen, deshalb hat er seine Ministerurkunde als Atomminister noch behalten, obwohl sein Nachfolger bereits im Amt ist. Diese Verwicklungen erklärt er recht vergnügt am Schluss des Beitrags selbst. Reporter ist der Wissenschaftskorrespondent des SWF Ernst von Khuon. | Kernenergie

Carl Friedrich von Weizsäcker (rechts), Otto Hahn (links) und Walther Gerlach (Mitte) treffen am 17. April 1957 im Bonner Palais Schaumburg ein, um mit Bundeskanzler Konrad Adenauer die von ihm scharf kritisierte "Göttinger Erklärung" zu diskutieren

30.4.1957 "Göttinger Manifest": Ja zur Kernenergie, nein zu Atomwaffen – Carl Friedrich von Weizsäcker im Interview

30.4.1957 | Am 12. April 1957 veröffentlicht der Ausschuss Kernphysik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft eine Erklärung, die für Aufsehen sorgt. Die Wissenschaftler sprechen sich in diesem "Göttinger Manifest" gegen eine atomare Aufrüstung und eine Stationierung von Atomwaffen aus. Initiator war Carl Friedrich von Weizsäcker, zu den Mitunterzeichnern gehören die Nobelpreisträger Otto Hahn, Max Born und Werner Heisenberg. Sie hatten im Vorfeld erfolglos versucht, durch Gespräche die Bundesregierung von ihrem Plan abzubringen, die Bundesrepublik mit Atomwaffen auszustatten. So sehr die Physiker Atomwaffen ablehnen, so sehr plädieren sie für eine friedliche Nutzung der Kernenergie. Als die Erklärung veröffentlicht ist, reagieren Konrad Adenauer und sein Verteidigungsminister Franz Josef Strauß verärgert und werfen den Physikern politische Ignoranz vor. Die Wissenschaftler schweigen daraufhin zunächst. Nach gut zwei Wochen schließlich erklärt Carl Friedrich von Weizsäcker in einem langen Vortrag in Bonn, welche Überlegungen hinter der Erklärung stehen. Am folgenden Tag fasst er sie in einem Interview zusammen. | Kernenergie

Werner Heisenberg (1901 - 1976) vor einer Tafel mit physikalischer Gleichung: Die Entdeckung zur Unschärferelation machte ihn zu einem der jüngsten Physik-Nobelpreisträger. Für die Nazis entwarf er Pläne für eine Atombombe. Seine Karriere irritiert.

Porträt zum 50. Todestag Der Physiker Werner Heisenberg – Zwischen Quantenmechanik und Atombombe

Die Entdeckung zur Unschärferelation machte ihn zu einem der jüngsten Physik-Nobelpreisträger. Für die Nazis entwarf er Pläne für eine Atombombe. Seine Karriere irritiert bis heute.

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