10.5.1976

Neue Erkenntnisse nach dem Tod von Ulrike Meinhof

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Stand

Von Autor/in ARD Archivradio

Streit um Obduktion von Ulrike Meinhof

Der Beitrag fängt die ersten Stimmen ein, einen Tag nach dem Selbstmord von Ulrike Meinhof im Gefängnis Stuttgart-Stammheim.

Die Staatsanwaltschaft habe, so der Reporter von der Pressekonferenz, inzwischen alle Zettel in der Zelle der Toten untersucht, der Presse aber nicht mitgeteilt, was darin steht. Die Schwester und der Anwalt der Toten seien sehr spät informiert worden, die Leiche ohne deren Einverständnis obduziert.

"Die Durchführung der Leichenöffnung", so Justizminister Bender im O-Ton, sei so schnell wie möglich durchzuführen gewesen. Die Leiche stehe jetzt "den Angehörigen zur Verfügung."

Die Leiche, so der Reporter, sei jetzt auf einem Stuttgarter Friedhof aufgebahrt.

Demonstrationen und Straßenkämpfe in Frankfurt

Der Reporter-Kollege aus Frankfurt berichtet telefonisch, seit 16.30 Uhr fänden eine ganze Reihe von gewalttätigen Demonstrationen statt, die gewalttätigsten seit vielen Jahren. Die Demonstranten skandierten, Ulrike Meinhof sei ermordet worden. Ein Streifenwagen sei ausgebrannt, viele Beamte hätten schwere Verbrennungen. Bei den Straßenkämpfen seien Hilferufe von eingekesselten Polizeibeamten zu hören.

Sendung: Südfunk aktuell
Moderator: Andrea Kunsemüller
Reporter: Reinhard Krol (Stuttgart); Ulrich Manz (Frankfurt)

Demonstranten im Sitzstreik werden am 2.6.1967 vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin von der Polizei beobachtet. Die Demonstranten protestierten gegen den Besuch des persischen Herrschers Schah Reza Pahlevi. Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei die später am Tag folgten wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen.

2.6.1967 Proteste gegen den Schah-Besuch in Berlin – kommentiert von Ulrike Meinhof

2.6.1967 | Der Schah besucht mit seiner Frau Farah Diba Berlin und Tausende protestieren gegen ihn wegen der Menschenrechtsverletzungen in Persien.
Abends, als das Schah-Ehepaar sich die "Zauberflöte" ansehen will, versammeln sich die Studenten vor der Deutschen Oper. Unter ihnen ist auch der Student Benno Ohnesorg, der an jenem Abend um 20:30 Uhr von einem Polizisten erschossen wird. Ein Schlüsselereignis für die Radikalisierung der Studentenbewegung. Reporter ist Erich Nieswandt.
Auch die Journalistin – und spätere RAF-Terroristin – Ulrike Meinhof äußert sich in einem ARD-Kommentar zum Schah-Besuch. Sie vergleicht darin den Polizeistaat im Iran mit der Situation in der Bundesrepublik.

Fahndungsfoto (1972) von Ulrike Meinhof

19.6.1972 Bundesanwaltschaft zur Verhaftung von Ulrike Meinhof

19.6.1972 | Ulrike Meinhof wurde heute verhaftet. Die Staatsanwaltschaft grübelt über einem verschlüsselten Brief von Gudrun Ensslin an Ulrike Meinhof. | RAF

Gustav Heinemann, der erste sozialdemokratische Bundespräsident Deutschlands (Foto 1972)

16.12.1974 Bundespräsident Heinemann schreibt Ulrike Meinhof einen Brief

16.12.1974 | Bundespräsident Gustav Heinemann, der Meinhof von früher kennt, appelliert an die inhaftierte RAF-Terroristin, ihren Hungerstreik zu beenden.
Die Öffentlichkeit erfährt von diesem Brief erst fünf Tage später – im folgenden Bericht vom 16. Dezember 1974 wird der Brief vorgelesen, vorher ist noch der Schriftsteller Heinrich Böll zu hören, der von einem Wahnsinn spricht, der in Deutschland vor sich gehe und den politischen Umgang mit der RAF kritisiert.
Der Brief des Bundespräsidenten an Ulrike Meinhof, die er kennt, seit er sie einmal als Anwalt in einem Beleidigungsverfahren verteidigt hat, wird von einem Rundfunksprecher verlesen. Er beginnt mit "Sehr geehrte Frau Meinhof" und geht dann auf den Hungerstreik ein. "Sie kommen an die Grenzen Ihres Lebens."
Selbstopferung hält Heinemann für einen Irrtum. Ulrike Meinhof erschwere damit die Arbeit anderer, die sich um Besserung der Verhältnisse bemühen. Heinemann meint, er habe ihren Weg mit Aufmerksamkeit verfolgt und schließt mit den Worten: "Bitte nehmen Sie sich die Freiheit und beenden den Hungerstreik."

Strenge Kontrollen der Besucher am Eingang des Sicherheitszauns, der das gesamte Gerichtsgebäude umzäunt, aufgenommen am 21.5.1975 zu Beginn des Prozesses gegen den harten Kern der Baader-Meinhof-Gruppe in Stuttgart-Stammheim

21.5.1975 Der Baader-Meinhof-Prozess beginnt in Stuttgart-Stammheim

21.5.1975 | Stuttgart-Stammheim. Beginn des Prozesses gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe.
Sicherheitskontrollen wie noch nie bei einem bundesdeutschen Gerichtsverfahren. Ansonsten: Eine Angeklagte, die im Gerichtssaal raucht. Drei Rechtsanwälte, darunter Hans-Christian Ströbele, die durch einen Trick ihrem Gerichtsausschluss entgehen wollten. Und im Luftraum über Stammheim taucht auch noch ein verdächtiges Sportflugzeug auf.
Das war der Stand der Dinge in der Mittagsausgabe von SDR1 Aktuell. Am Nachmittag gab es schon eine Weiterentwicklung – dann war auch klar, was es mit dem Sportflugzeug auf sich hatte.

Ermordung Generalbundesanwalt Buback

1972 bis 1989 Die RAF und der Deutsche Herbst

Der Herbst 1977 war eine düstere Zeit – geprägt vom Terror der RAF. Der Deutsche Herbst hatte eine lange Vor- und Nachgeschichte.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
ARD Archivradio
Cover Podcast Archivradio
Moderator/in
Maximilian Schönherr