9.11.1939

Reportage nach Georg Elsers Hitler-Attentat

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Von Autor/in ARD Archivradio

Jedes Jahr am Vorabend des 9. November pflegte Adolf Hitler eine Rede im Münchner Bürgerbräukeller zu halten – dem Ort, wo 1923 sein gescheiterter Putsch seinen Ausgang nahm.

Elser will Hitler-Auftritt im Bürgerbräukeller für Anschlag nutzen

1939 geht der Schreiner und Widerstandskämpfer Georg Elser davon aus, dass Hitler dort auch in diesem Jahr wieder auftreten würde. Ein Jahr zuvor hatten in Deutschland die Synagogen gebrannt, im September ließ Hitler Polen überfallen. Georg Elser will Hitler stoppen – und dessen traditionelle Rede im Bürgerbräukeller für einen Anschlag nutzen.

Hitler geht früher, 8 Menschen sterben durch die Explosion

In wochenlanger Vorbereitung lässt er sich nachts in der Gaststätte einschließen, höhlt eine Säule aus, platziert dort eine Bombe mit Zeitzünder. Doch sein Plan scheitert. Hitler kommt zwar, doch wegen des Kriegsgeschehens will er abends früh wieder nach Berlin abreisen, die Rede wird deshalb etwas vorverlegt. Hitler beendet sie um kurz nach 21 Uhr. Als die Bombe am 8. November 1939 um 21:20 Uhr explodiert und acht Menschen tötet, hat Hitler das Gebäude bereits verlassen.

Am Tag darauf, am 9. November 1939, sendet der Rundfunk diese Reportage.

Quelle: DRA

Das Farbbild zeigt die Versammlung der jährlichen Mitternachtsschwur der NS-SS-Truppen. Jedes Jahr mussten die Nazi-Truppen einen Treueid ablegen. Der Eid lautete: Ich schwöre Ihnen, Adolf Hitler, als Führer und Kanzler des Deutschen Reiches Loyalität und Tapferkeit. Ich schwöre dir und den Führern, die du mir gesetzt hast, absolute Treue bis zum Tod. Möge Gott mir beistehen. Feldherrnhalle, München 1938.

9.11.1938 Hitler in der Reichspogromnacht

9.11.1938 | Am 9. November 1938 um Mitternacht vereidigt Adolf Hitler in München den neuen Jahrgang der SS-Verfügungstruppen und der Totenkopfbände. Seine Rede erinnert daran, dass es kein Zufall ist, dass die Pogrome auf den gleichen Kalendertag fallen wie die Ausrufung der Republik 20 Jahre zuvor. Und wie sehr Hitler im 9. November seinen persönlichen Kampftag sieht. Hitler erinnert an den Sturz der Monarchie und die Kapitulation 1918, die er als Schande und Volksverrat bezeichnet. Und er erinnert an seinen gescheiterten Putsch in München, den er damals auch schon bewusst am 9. November 1923 plante. Genau im Gedenken an jenen Putsch hatte sich die NSDAP-Führung ja an jenem Abend auch auf dem Odeonsplatz getroffen. Schon vor Hitler hatte Goebbels in einer Hetzrede erklärt, dass sich die Partei antijüdischen Aktionen nicht in den Weg stellen werde. Im Anschluss ergingen die Anweisungen an die SA und die Gaupropagandaleitungen zur Zerstörung der Synagogen und jüdischer Geschäfte. Als gegen Mitternacht Hitler spricht und die neuen SS-Rekruten vereidigt, brennen bereits die ersten Häuser. Angekündigt wird Hitler vom Reichsführer der SS Heinrich Himmler. Auf das, was in dieser Nacht noch geschehen würde, geht Hitler nicht ein.

Zerstörte Synagoge in Wien 1938

10.11.1938 Reportage aus der zerstörten Synagoge in Wien nach der Reichspogromnacht

10.11.1938 | Von den Pogromen in der Nacht zum 10. November 1938 und auch dem Tag danach existieren kaum Rundfunkaufnahmen. Falls es sie gab, sind sie nicht erhalten oder wurden zerstört. Eine Ausnahme ist Wien. In dieser Reportage vom 10. November 1938 berichtet Eldon Walli, ein gebürtiger US-Amerikaner, für den nationalsozialistischen "Reichssender Wien" vor Ort von der Zerstörung des Leopoldstädter Tempels.
Bemerkenswert ist der Tonfall. Am Anfang könnte fast eine gewisse Anteilnahme heraushören, doch dann wird er immer zynischer, und es wird deutlich, wie der Reporter mit der Zerstörung der Synagoge sympathisiert. Ein Feuerwehrmann erklärt, der Brand sei nicht zu löschen gewesen, so hätten sich die Feuerwehrleute nur noch die Hände wärmen können.

Reichskanzler Adolf Hitler gibt am 1. September 1939 um 10 Uhr vor dem Reichstag in Berlin eine Erklärung ab, in der er den Angriff mit polnischen Übergriffen motiviert.

1.9.1939 "Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen" – Hitler erklärt Kriegsbeginn und Pakt mit Stalin

1.9.1939 | Bei seiner Reichstagsrede zum Kriegsbeginn am 1. September 1939 donnert Adolf Hitler immer wieder frenetischer Applaus entgegen. Er rechtfertigt den Überfall auf Polen mit einem angeblichen polnischen Angriff auf den Sender Gleiwitz in Schlesien. Jetzt schieße man eben "zurück".

Georg Elser, deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus (1939)

6.11.1939 Georg Elser beendet den Einbau seiner Bombe

Der schwäbische Schreiner wollte den Diktator mit einer Bombe töten. Er baute sie in wochenlanger Arbeit in eine der tragenden Säulen des Münchner Bürgerbräukellers ein.

Zeitwort SWR Kultur

Georg Elser, deutscher Widerstandskämpfer

9.4.1945 Georg Elser wird hingerichtet

Das Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus fokussiert sich meist auf den 20. Juli oder die Weiße Rose. Georg Elser steht auch heute noch am Rand.

SWR2 Zeitwort SWR2