14.3.1940

NSDAP-Funktionär Walter Groß über Rassenpolitik im Krieg

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Von Autor/in ARD Archivradio

Leiter des Rassenpolitischen Amts der NSDAP propagiert Zwangssterilisation

"Rassenpolitik im Krieg" – zu diesem Thema hält Walter Groß, Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP (RPA), einen Vortrag auf einer Kundgebung in Linz. Es ist der 14. März 1940, anwesend sind Vertreter der Partei und der Wehrmacht. Groß propagiert die Zwangssterilisation von sogenannten "Erbkranken" und "Asozialen". Deutlich zeigen sich hierbei die rassenhygienischen Vorstellungen der NS-Regierung.

Bildtafel "Wen soll ich heiraten?":
Das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" wurde am 15. September 1935 erlassen. Es verbot die Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden. Es sollte der "Reinhaltung des deutschen Blutes" dienen, ein zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Rassenideologie. picture alliance / akg-images | akg-images

Walter Groß fordert gesetzliche Regelung für den Umgang mit "Asozialen"

Bereits im Juli 1933 hatte sie das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" verabschiedet und damit die Grundlage für die Zwangssterilisation von vermeintlich "erbkranken" Menschen geschaffen. Ein solches Gesetz fordert Walter Groß in seinem Vortrag auch für sogenannte "Asoziale". Mit dem Begriff bezeichneten die Nazis Menschen, die gegen die Normen der nationalsozialistischen Gesellschaft verstießen. Darunter Obdachlose, Bettler und Prostituierte.

Zu dem Zeitpunkt waren die "Euthanasie"-Morde der Nazis bereits im vollen Gange und die als "asozial" stigmatisierte Personen wurden in Konzentrationslager verschleppt, in Anstalten eingewiesen oder zwangssterilisiert – auch ohne eigenes Gesetz.

Bei dem Vortrag handelt es sich um eine der wenigen programmatischen Verlautbarungen aus dem engeren Führungskreis zum Vorgehen gegen sogenannte "Asoziale".

Eine Stolperschwelle gedenkt der 652 Frauen und Männer, die zwischen 1934 und 1939 im Städtischen Krankenhaus Stralsund unfruchtbar gemacht wurden

26.7.1933 Ministerialrat Arthur Gütt über Zwangssterilisation

26.7.1933 | Bereits kurz nach ihrer Machtergreifung im Januar 1933 legten die Nationalsozialisten die Pläne für ein "rassenreines" Deutsches Reich vor. Zu den Kernideen gehört das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses", vornehmlich erdacht und konzipiert von dem Mediziner und Ministerialrat im Innenministerium Arthur Gütt. In dieser Rundfunkansprache vom 26. Juli 1933 entwickelte Gütt die Nationalsozialistische Rassenpolitik aus medizinischer Perspektive. Menschen ohne ihre Einwilligung unfruchtbar zu machen, nur weil sie einer anderen "Rasse" als der gewünschten angehören, ist laut Gütt eine "Tat der Nächstenliebe".

Die Ordensburg Vogelsang bei Schleiden-Gemünd in der Eifel war einst eine Kaderschmiede der NSDAP (Aufnahme um 1935)

9.12.1937 Vorlesung über Vererbungslehre auf der NS-Ordensburg Vogelsang

9.12.1937 | Die Ordensburg Vogelsang in der Eifel war eine der Kaderschmieden der NSDAP. Die als "Junker" bezeichneten Lehrgangsteilnehmer sollten für hochrangige Regierungs- und Verwaltungsämter vorbereitet werden. Teil der Ausbildung waren tägliche Vorlesungen, die der ideologischen Schulung dienten. Hans Dietel war Kommandeur der Ordensburg Vogelsang und Hauptlehrer für "Erblehre und Rassenkunde". Er hält am 9. Dezember 1937 eine Vorlesung, in der er über die Vererbbarkeit von angeblichen "Rassenmerkmalen" und "Nerven- und Geisteskrankheiten" fabuliert. Gleichzeitig greift er die Fürsorgepolitik der Kirche heftig an. Sie sei Stütze und Förderer "der Entwicklung alles schwachen und kranken Lebens".
Die Aufnahme des Vortrags ist lückenhaft und Hans Dietel verlässt mehrfach das Mikrofon.
Mit Kriegsbeginn, im September 1939, wurde der Schulungsbetrieb ausgesetzt und die "Junker" eingezogen. Als fanatische Anhänger beteiligten sich einige in den "Reichskommissariaten Ostland und Ukraine" an schweren Kriegsverbrechen.

Adolf Hitler vor einem Radio-Mikrofon. Digital kolorierte Aufnahme aus dem Jahr 1933.

1933 bis 1945 Radio im Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg wurde erstmals in der Geschichte auch mit dem Rundfunk als Propagandamittel geführt. Was hat das Radio im Krieg bewirkt?

Stolperstein mit der Aufschrift: "Menschen ohne festen Wohnsitz wurden von den Nazis als "asozial und arbeitsscheu" stigmatisiert und kriminalisiert, verfolgt und ermordet": Mit den "Stolpersteinen" des Kölner Bildhauers Gunter Demnig wird seit 2016 auf dem Berliner Alexanderplatz der Menschen gedacht, die im Nationalsozialismus als "asozial" verfolgt und ermordet wurden

Nationalsozialismus "Asoziale" und "Berufsverbrecher" – Die verleugneten Nazi-Opfer

Obdachlose, Suchtkranke oder Prostituierte wurden von den Nazis verfolgt – als "Asoziale" bzw. "Berufsverbrecher". Erst 2020 erkannte der Bundestag diese Opfergruppe an. Warum so spät?

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