20.10.1977

Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Kampf gegen Terrorismus

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Von Autor/in ARD Archivradio

RAF ermordet Hanns Martin Schleyer

Nach der riskanten, aber gelungenen Befreiung der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" und der anschießenden Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die RAF befasst sich am 20. Oktober 1977 der Bundestag mit den Ereignissen.

Bundeskanzler Helmut Schmidt gibt dabei eine Regierungserklärung ab. Er befasst sich damit auch mit der Frage, welche Risiken der Staat eingehen darf, um seine Bevölkerung zu schützen.

Der am 5. September 1977 von Terorristen der Roten Armee Fraktion (RAF) entführte und später ermordete damalige Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer (Archivfoto vom 13.10.1977)

15.10.1977 Videoaufzeichnung mit dem entführten Hanns Martin Schleyer

15.10.1977 | Der entführte Hanns Martin Schleyer fleht in einer RAF-Videobotschaft um Hilfe.

Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski (Mitte) wird nach der Rückkehr aus Mogadischu am 18. Oktober 1977 auf dem Köln-Bonner Flughafen von Ernst-Dieter Lueg von der ARD befragt. Hinten links der Regierungssprecher, Staatssekretär Klaus Bölling.

18.10.1977 Sondersendung: Befreiung der Geiseln in Mogadischu

18.10.1977 | Deutsche Spezialeinheiten haben die entführte "Landshut" gestürmt. Regierungsvertreter danken der GSG 9 für die Befreiung der Geiseln. Hanns-Martin Schleyer ist noch immer gefangen.

Beamte untersuchen den Wagen, in dem die Leiche des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin gefunden wurde. 19.10.1977.

19.10.1977 Hanns Martin Schleyers Leiche in Mühlhausen gefunden

19.10.1977 | Im französischen Mühlhausen wird die Leiche von Hanns Martin Schleyer gefunden. Die Sondersendung des Südwestfunks beginnt mit Mutmaßungen über die Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer, die sich im Laufe des Abends bestätigen. Die Bundesregierung beantwortet keine Fragen und erklärt "die Stunde der Fahndung" für gekommen.

Ermordung Generalbundesanwalt Buback

1972 bis 1989 Die RAF und der Deutsche Herbst

Der Herbst 1977 war eine düstere Zeit – geprägt vom Terror der RAF. Der Deutsche Herbst hatte eine lange Vor- und Nachgeschichte.

Eine Frau wird während der Sturmflut am 17. Februar 1962 mit einem Schlauchboot in Sicherheit gebracht. Das Wasser reicht fast bis zum Dach des Backsteinhauses im Hintergrund

17.2.1962 Sturmflut in Hamburg – Helmut Schmidt profiliert sich als Krisenmanager

17.2.1962 | In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar fegt ein Orkan mit mehr als 130 km/h über Norddeutschland. Er drängt das Wasser der Nordsee an die Küste und in die Elbe. Deiche brechen, Hamburgs Innenstadt, überhaupt ein Sechstel der Stadt steht unter Wasser, die Stadt erlebt die schlimmste Sturmflut seiner Geschichte. Mehr als 300 Menschen sterben, 20.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen. Der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt ist damals Polizeisenator in Hamburg. Schon in der Nacht beginnt er, die Rettungsaktionen zu koordinieren. Vor allem organisiert er auch die Unterstützung der Bundeswehr, was damals ungewöhnlich und umstritten ist, denn die Bundeswehr darf damals laut Grundgesetz keine zivilen Aufgaben übernehmen. Diese Möglichkeit wurde ihr offiziell erst 1968 mit den Notstandsgesetzen gegeben. Wir hören zunächst Helmut Schmidt, wie er am 17. Februar 1962 die Lage erklärt, anschließend zwei Reportagen, eine aus der Hamburger Innenstadt und eine vom Hubschrauber über Niedersachsen.
Nicht nur Hamburg ist betroffen, sondern auch große Teile von Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In einer Reportage aus dem Hubschrauber schildert Reporter Giselher Schaar die Lage an der Niedersächsischen Küste.

Willy Brandt (rechts, SPD) gratuliert am 16. Mai 1974 seinem Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), der neuer Bundeskanzler ist

16.5.1974 Helmut Schmidt wird 1974 zum Bundeskanzler gewählt

16.5.1974 | Nachdem Willy Brandt im Zuge der Guillaume-Affäre um einen DDR-Spion im Kanzleramt am 6. Mai 1974 seinen Rücktritt erklärt hat, wird zehn Tage später im Bonner Bundestag sein Nachfolger gewählt.
Helmut Schmidt, der laut eigener Aussage Brandt den Rücktritt noch ausreden wollte, übernimmt am 16. Mai 1974 die Regierungsgeschäfte. Er ist dabei ziemlich nervös, wie im folgenden Beitrag zu hören ist, während sein Vorgänger Brandt den Bundestag allein und schweigsam verlässt.

Helmut Schmidt 1978 in der Kölner Synagoge am 40. Jahrestag der Reichspogromnacht

9.11.1978 Helmut Schmidt: Rede zum 40. Jahrestag der Reichspogromnacht

9.11.1978 | Bis 1978 war der 9. November ein Tag wie jeder andere. Es gab kein Gedenken, keine öffentliche Erinnerung. Erst vierzig Jahre nach der Reichspogromnacht – die damals noch nicht so genannt wurde – ändert sich das. Helmut Schmidt besucht an jenem Tag die Kölner Synagoge und hält eine Rede. Die erste Gedenkrede eines Bundeskanzlers zu den Ereignissen von 1938. Das damals noch gängige Wort Kristallnacht nimmt Schmidt bewusst nicht in den Mund.

Bundeskanzler Helmut Schmidt 1978

24.11.1978 Helmut Schmidt distanziert sich von Radikalenerlass

24.11.1978 | 1972 hatten Bund und Länder, SPD und Union noch gemeinsam den Radikalenerlass beschlossen, der Extremisten vom Beamtendienst fernhalten sollte. Doch mit den Jahren rücken einige Länder wieder zunehmend davon ab, ebenso die SPD-geführte Bundesregierung. Aus Sicht von Bundeskanzler Helmut Schmidt schießt der Erlass mit Kanonen auf Spatzen. Auf dem Hamburger Landesparteitag der SPD am 24. November 1978 erklärt Schmidt ausführlich seine Position – die letztlich auch dazu führen, dass seine Bundesregierung, die den Beschluss schon einige Zeit ohnehin nicht mehr anwendet, sich 1979 endgültig von ihm verabschieden wird. Mit dieser Rede stimmt er seine Parteifreunde in Hamburg darauf hin.
1979 verabschiedet sich der Bund vom Radikalenerlass, dann nach und nach auch die Bundesländer, zuletzt Bayern 1991.

Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und US-Präsident Ronald Reagan, der anlässlich des NATO-Gipfels am 10. Juni 1982 nach Bonn gekommen war

10.6.1982 NATO-Gipfel in Bonn

10.6.1982 | Am 10. Juni 1982 demonstrieren eine halbe Million Menschen in Bonn gegen den NATO-Doppelbeschluss und für eine neue Sicherheits- und Friedenspolitik. Zeitgleich treffen sich auf der anderen Rheinseite die 16 Regierungschefs der NATO-Mitgliedsstaaten. Gastgeber ist der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) am 17.09.1982 im Bundestag nach Rücktritt der FDP-Minister.

17.9.1982 FDP-Minister verlassen Regierung Schmidt – Ende der sozial-liberalen Koalition

17.9.1982 | 13 Jahre lang, von 1969 bis 1982 regierte die SPD zusammen mit der FDP. Erst mit Kanzler Willy Brandt, seit 1974 dann mit Helmut Schmidt. 1982 dann das Aus.
Eingeleitet wird es durch das sogenannte Lambsdorff-Papier, benannt nach dem Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff. Der FDP-Politiker formuliert darin ein "Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit". Das Papier enthält stark wirtschaftsliberale Vorschläge, die mit SPD-Positionen unvereinbar sind. Am 17. September treten die vier FDP-Minister Genscher, Lambsdorff, Ertl und Baum zurück. Helmut Schmidt fordert Oppositionsführer Helmut Kohl zu einem konstruktiven Misstrauensvotum und zu raschen Neuwahlen auf. Dies lehnt Kohl zunächst ab, sondern erwartet von Schmidt einen klaren Rücktritt. Was wir jetzt hören, ist die aktuelle Mittagssendung im Südwestfunk. Es geht aufgrund der laufenden Ereignisse etwas durcheinander. Die Sendung beginnt mit einem kurzen Ton aus der Rede von Helmut Schmidt, dann blendet sie in die laufende Rede von Kohl, dann sind mehrere Korrespondenten aus Bonn zugeschaltet.

 Die Buchstaben "SPD" bröseln von einem Zelt der SPD-Halle (Saale) Kundgebung zum Tag der Arbeit des DGB in Halle (Saale)

Sozialdemokratie in Deutschland Die SPD: Stationen einer Partei

Die SPD ist die älteste Partei Deutschlands. Hier einige wichtige aufsehenerregende Etappen aus ihrer Geschichte.