Seit 20 Jahren sammelt die Wissenschaftsredaktion des SWR im Frühjahr Daten zum Beginn der Apfelbüte in ganz Deutschland. Über 50.000 Meldungen, die von Teilnehmenden der Apfelblütenaktion übermittelt wurden, sind bislang in der Datenbank versammelt. Sie stammen von sehr vielen verschiedenen Sorten. Boskop, Klarapfel, Elstar, Braeburn - sie sind häufig in den Gärten und auf den Streuobstwiesen zu finden. Viel seltener wird der Holzapfel als Sorte genannt.
Was umgangssprachlich als Holzapfel bezeichnet wird, ist eigentlich der Europäische Wildapfel. Er gehört zu den genetischen Urvätern des heutigen Supermarkt-Apfels. Vier Gründe, warum der Holzapfel heute noch geschützt werden sollte:
- Bewahrung von Lebensräumen
- Holzapfel als Haltbar-Macher
- Apfelsorte für Allergiker
- Resistenz vor Krankheiten und Schädlingen
Das zeichnet den Holzapfel aus
Groß, rot und süß: So kennt man ihn, den typischen Apfel aus dem Supermarkt. Tatsächlich stammt der Apfel, den wir heute kennen, aber von einer Wildart ab, die alles andere als groß, rot und süßlich ist.
Der Europäische Wildapfel gilt als einer von mindestens vier genetischen Vorfahren des heute im Supermarkt erhältlichen Kulturapfels. Er zeichnet sich durch seine kleine Gestalt, grüne Farbe und seinen bitter-säuerlichen Geschmack aus.
Bekannt ist der Europäische Wildapfel vor allem für seine harte, fast schon hölzerne Konsistenz – daher auch sein Spitzname „Holzapfel“. Der Holzapfel wächst an einem Laubbaum, der bis zu zehn Meter groß wird. Zu finden ist er in Flussauen und an feuchten Waldrändern.
Laut Robert Spengler vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena hat der Holzapfel seinen Ursprung in mehreren Teilen Europas. Bei archäologischen Ausgrabungen konnten seine Spuren in den Alpen, in Deutschland, in Frankreich und in Westspanien nachgewiesen werden.
Der Apfel-Urvater ist vom Aussterben bedroht
Eine Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft zeigt, dass es bundesweit immer weniger Holzäpfel gibt. Das liege zum Teil an der geringen wirtschaftlichen Bedeutung dieser Apfelsorte.
Mit nur noch wenigen tausend Exemplaren gehört der Holzapfel zu den am meisten gefährdeten Baumarten in ganz Deutschland. Vereinzelt kann man ihn aber noch in Streuobstgärten finden.
Darum sollte der Holzapfel geschützt werden
Wie Erwin Holzer vom Obst-Gen-Garten in Bad Schönborn erklärt, geht es neben der Erhaltung der Artenvielfalt vor allem um die Bewahrung von Lebensräumen und Nahrungsquellen für Tiere und Insekten. Denn: Verschiedene Tiere, wie das Reh oder der Dachs, nehmen den Holzapfel gerne als Futter zu sich.
Dank seiner Stammhöhlen eignet sich der Holzapfelbaum außerdem besonders gut als Brutstätte und Versteck. Beispielsweise legen Wildbienen ihre Larven gerne in die kleinen Verletzungen im Stamm des Holzapfelbaums.
Trotz Bitterstoffe - so lässt sich der Holzapfel genießen
Auch für den Menschen sei der Holzapfel nicht uninteressant, so Erwin Holzer. Seiner Meinung nach sei der Holzapfel zwar kein Apfel, den man roh essen könne, er ließe sich aber gut dörren oder als Gelee einmachen.
Auch Saft könne man aus ihm herstellen, den man wiederum anderem Apfelsaft beimengen kann. Dabei sorge der Holzapfel dafür, dass der Apfelsaft insgesamt länger haltbar wird. Grund dafür seien Stoffe im Inneren des Holzapfels.
Holzapfel geeignet für Apfel-Allergiker
Die Inhaltsstoffe im Holzapfel sind auch ein Vorteil für Menschen mit einer Apfelallergie, erklärt Holzer:
„Der Holzapfel, wie auch die alten Mostäpfel, haben einen Stoff in sich drin. Der nennt sich Polyphenol. Den hat man bei den Supermarkt-Äpfeln herausgezüchtet. Denn das ist genau der Stoff, der den Apfel etwas bitterer macht. Jetzt haben die Polyphenole aber etwas sehr Gutes. Und zwar unterdrücken sie das Eiweiß im Apfel in der Hinsicht, dass Apfel-Allergiker, die normalerweise keinen Supermarkt-Apfel essen können, diese alten Streuobstsorten essen können.“
Erwin Holzer sieht im Holzapfel eine allergiefreundliche Alternative zum herkömmlichen Apfel aus dem Supermarkt.
Resistenz vor Krankheiten und Schädlingen
Der Holzapfel spiele ihm zufolge auch bei der Züchtung neuer Sorten eine wichtige Rolle. Denn gegenüber Schädlingen und Pilzerkrankungen ist der Holzapfel besonders robust. Daher kreuze man ihn gelegentlich auch in neuere Apfelsorten mit ein, um bei diesen eine gewisse Resistenz gegenüber Krankheiten zu erzeugen.
Abgesehen von seinem möglichen Nutzen hält Erwin Holzer den Holzapfel aber auch so für schützenswert. Seiner Meinung nach sei der Holzapfel etwas Museales – etwas, was es schon lange gibt und was dem Menschen auch lange erhalten bleiben sollte.