Wenn Benedikt Rodens durch seinen Wald bei Hahnweiler im Kreis Birkenfeld geht, wünscht er sich manchmal, er hätte einen Jagdschein und ein Gewehr. Dann könnte er die Rehböcke selbst schießen, die seine Bäume mit ihren Geweihen abschaben. Die Wildschäden lassen den Waldbesitzer zunehmend verzweifeln.
Die meisten seiner jungen Bäume stecken in Schutzhüllen. Doch die schützten immer weniger. Benedikt Rodens zeigt auf eine junge Douglasie. Die Rinde hängt in Fetzen, die Nadeln sind rot. Und die Schutzhülle liegt auf dem Boden. "Wenn ein Rehbock mal die Technik raus hat, wie er so eine Hülle wegschieben kann, dann geht er von Stamm zu Stamm", erklärt der Waldbesitzer. Die jungen Douglasien werden absterben.
Verlust von 60 Bäumen durch Wildschäden
In einem Jahr hat Benedikt Rodens auf diese Art 60 junge Bäume verloren. Jahrelang hat er sich um sie gekümmert. Er hat sie in Schutzhüllen großgezogen und die Brombeerhecken und Haselnusssträucher in ihrem Umfeld weggeschnitten. "Ich bin bei gutem Wetter fast jeden Abend im Wald", sagt der 55-Jährige. Umso schmerzhafter sei es, wenn die Mühe umsonst ist.
Den Wald umzubauen, ist kaum möglich, wenn Wild immer wieder die Bäume zerstört.
Für die Wildschäden im Westrich macht Rodens indirekt die Jäger verantwortlich. Die würden nicht genug Tiere schießen.
"Den Wald umzubauen, ist kaum möglich, wenn Wild immer wieder die Bäume zerstört, die wir neu anpflanzen", klagt Benedikt Rodens. Es brauche aber neue Arten, um den klimastabilen Wald der Zukunft aufzubauen. Das sehen auch die anderen Mitglieder im Waldbauverein Birkenfeld so, dem Rodens vorsteht.
Für eine generelle Problemlage gibt es nicht einen tragfähigen Beweis.
Die Jäger hingegen wollen sich nicht zu immer höheren Abschussquoten zwingen lassen. Der Landesjagdverband hält die Wildschäden in den rheinland-pfälzischen Wäldern für nicht so gravierend. Diese gebe es "lokal begrenzt", räumt die stellvertretende Geschäftsführerin Sarah Wirtz ein: "Für eine generelle Problemlage gibt es aber nicht einen tragfähigen Nachweis." Die Zahlen des Umweltministeriums belegten sogar, dass der Waldumbau gelinge.
Waldbesitzer verfolgten nur wirtschaftliche Interessen
Den Waldbesitzern geht es nach dem Eindruck von Wirtz weniger darum, den Wald klimaresistenter zu machen als vielmehr um ihre wirtschaftlichen Interessen. Sie wollten das Wild aus seinem Lebensraum ausschließen, um Schäden am Holz zu vermeiden.
Benedikt Rodens ärgert dieser Vorwurf des Landesjagdverbandes: "Wenn ich viel Geld verdienen wollte, dann würde ich mir das gar nicht antun." Klar sei der Wald für ihn ein Nebenerwerb, er verkaufe auch Holz. In erster Linie gehe es ihm aber darum, den kommenden Generationen noch einen Wald zu hinterlassen, der dem Klimawandel und den zunehmenden Wetterextremen standhält.
Douglasien taugen nach Wildschäden nicht mehr als Möbelholz
Die größten Hoffnungen hatte Rodens lange in ein Waldgebiet in Mettweiler gesetzt, das er vor einiger Zeit gekauft hat. Rund 15 Jahre lang sind dort gesunde Douglasien zu beachtlicher Größe herangewachsen. Bis dort die Damhirsche eingefallen sind.
Jetzt sehen viele Bäume aus wie geschält. "Diese Stämme sollten eigentlich noch 70 bis 80 Jahre hier stehen", sagt Rodens: "Wenn die Jäger hier ihren Job gemacht hätten, hätten wir diese Schäden nicht."
Sarah Witz vom Landesjagdverband hingegen sagt: "Es ist ja nicht so, als wären die Jägerinnen und Jäger untätig gewesen." 1970 wurden in Rheinland-Pfalz jährlich 50.000 Rehe erlegt. Heute seien es jährlich mehr als doppelt so viele. Noch mehr zu erlegen, könnte sogar kontraproduktiv sein, meint die Jagd-Funktionärin: "Die moderne Wildforschung weiß längst, dass zu hoher Jagddruck und falsche Bejagung Wildschäden sogar erst provoziert."
Waldbesitzer will Bäume einzäunen
Benedikt Rodens überzeugt das nicht. Er überlegt jetzt, ob er einen Zaun um das ganze Grundstück ziehen soll. Lieber wäre ihm aber ein Hochsitz im Wald. Auf den umliegenden Maisfeldern stehen drei davon. Und dort werde auch mehr geschossen, weil die Landwirte sonst ihre Schäden geltend machen würden. "Das gleiche Engagement würde ich mir aber auch hier im Wald wünschen", sagt Rodens.
Jäger fühlen sich als Sündenböcke
Daher hofft er nun auch auf das neue Jagdgesetz, das Jäger stärker in die Pflicht nehmen soll. Bei erheblichen Schäden im Wald müssen Jäger künftig gemeinsam mit Waldbesitzern einen Plan aufstellen, um das Wild gezielt einzudämmen. "Eigentlich ist es schade, dass wir überhaupt ein Gesetz brauchen", meint der 55-Jährige. Denn wenn alles gut läuft, seien die Jäger und die Waldbesitzer doch Partner beim Schutz des Waldes.
Sarah Wirtz vom Jagdverband ist hingegen überhaupt nicht froh, über die neuen Regeln. Sie schreibt: "Man macht uns und das Wild zu Sündenböcken für waldbauliche Fehler der Vergangenheit. Man will uns mit intrasparenten Forstgutachten zu immer höheren Abschüssen zwingen, die wir in unserer Freizeit umsetzen müssen."