Ab Februar/März sollen nagelneue Elektrobusse des chinesischen Herstellers BYD im Landkreis Birkenfeld unterwegs sein. Sie fahren nach Informationen des Nahverkehrsverbundes vor allem in der Stadt Idar-Oberstein, von Idar-Oberstein nach Sien und von Leisel über Birkenfeld nach Neubrücke. Mit den 20 E-Bussen werden drei Viertel des Nahverkehrs im Landkreis abgedeckt und 1.500 Tonnen CO2 im Jahr eingespart.
Europaweite Ausschreibung gewonnen
Für den Auftrag der 20 Elektrobusse im Landkreis Birkenfeld habe es eine europaweite Ausschreibung mit strengen Sicherheitsauflagen gegeben, so der Geschäftsführer der Nahverkehrsbetriebe Birkenfeld, Bernhard Ehmann. Der Weltmarktführer BYD habe sie gewonnen und das beste Preis-Leistungsverhältnis gehabt.
BYD ist sehr aktiv in Europa und erweitert derzeit sein 2016 gegründetes Werk in Ungarn. 300 Beschäftigte bauen dort 400 Elektrobusse pro Jahr. In Zukunft sollen in Ungarn pro Jahr 4.000 E-Busse für den europäischen Markt entstehen, sagte der Vertreter von BYD in Zentraleuropa, Horst Wolschig, in Birkenfeld.
BYD Busse fahren schon in ganz Europa
BYD Busse fahren nach Information des Konzerns bereits in 20 europäischen Ländern und 100 europäischen Großstädten. Die Birkenfelder BYD-Busse sind in Rheinland-Pfalz die ersten. Der Bund hat die Investition mit 4,3 Millionen Euro gefördert.
Wir versichern unseren Kunden, dass wir aus China keinen Einfluss auf die Nutzung der Fahrzeuge nehmen.
Zu Vorfällen, die mit chinesischen Bussen eines anderen Herstellers in Norwegen auftraten, sagte BYD-Vertreter Wolschig in Birkenfeld: "Wir versichern unseren Kunden, dass wir aus China keinen Einfluss auf die Nutzung der Fahrzeuge nehmen."
In Norwegen war festgestellt worden, dass Elektrobusse des chinesischen Herstellers Yutong quasi ferngesteuert werden konnten. Daraufhin entfernten die dortigen Verkehrsbetriebe die Sim-Karten der Busse, was fortan jedoch technische Updates unmöglich machte.
BYD erfülle die hohen europäischen Normen der Cybersicherheit, so Wolschig. Auch das für E-Busse zuständige rheinland-pfälzische Umweltministerium versichert auf SWR-Anfrage: "Derzeit sind dem Land keine Bedenken hinsichtlich der Datenausleitung bei vernetzten Fahrzeugen bekannt."
E-Fahrzeuge sammeln Daten für den Hersteller
Florian Dräger ist Professor für E-Mobilität an der Hochschule Trier. Vorher war er bei der Firma Bosch in der Fahrzeugentwicklung tätig. Er erklärt, dass alle Elektrofahrzeuge vernetzt sind und für den Hersteller Daten sammeln. Ob mit Kameras oder Sensoren - das Ziel sei, das Fahrzeug mit Updates kontinuierlich zu verbessern. Langfristig sei bei allen Produzenten von E-Fahrzeugen das autonome Fahren das Ziel.
E-Fahrzeuge sammeln während der Fahrt Kameradaten, um Fahrsituationen zu erkennen, erklärt Dräger. Ein Auto von Tesla habe viele Kameras installiert, die die ganze Umgebung während der Fahrt filmen. Diese Informationen landen auf Servern des Herstellers und die Daten werden dazu genutzt, um Algorithmen zu verbessern und um das autonome Fahren am Ende zu ermöglichen.
Jedes E-Fahrzeug kann mit Kameras oder Mikrophonen Daten sammeln.
"Jedes E-Fahrzeug kann mit Kameras und Mikrophonen Daten sammeln." Die Fahrzeuge, die am meisten Daten sammelten, könnten ihre Algorithmen am schnellsten verbessern und große Wettbewerbsvorteile erzielen, so Dräger.
Experte sieht im Nahverkehr kein Sicherheitsproblem
Wenn ein E-Fahrzeug keine Daten sammelt, gebe es keine automatischen Updates. Ein Kompromiss könnte laut Professor Dräger sein, die Sim-Karten während der Fahrt auszuschalten. Man sollte aber regelmäßige Updates bekommen können, ohne in die Werkstatt fahren zu müssen.
Man könne auch festlegen, dass Updates nicht während der Fahrt gemacht werden. Der Experte für E-Mobilität der Hochschule Trier sieht bei E-Bussen für den Nahverkehr kein Sicherheitsproblem. Im Pkw-Sektor sei das bedingt kritisch, sagt er. Es sei natürlich etwas anderes, wenn so ein Fahrzeug beispielsweise auf einem Kasernengelände fahre und Aufnahmen kritischer Infrastruktur mache.
Wie andere Nahverkehrsbetriebe entscheiden
In Rheinland-Pfalz setzen viele Nahverkehrsbetriebe auf Elektrobusse von MAN oder Mercedes. Die Stadtwerke Trier haben derzeit 39 Elektrobusse von Mercedes in ihrer Flotte. Dieses Jahr soll es eine neue Ausschreibung für Elektrobusse geben. Wer sie gewinne, sei davon abhängig wie die Angebote bewertet werden, so die Stadtwerke Trier.
Die Deutsche Bahn hat mit DB-Regio Rahmenverträge für mehr als 3.000 Elektrobusse abgeschlossen, den größten Teil soll MAN liefern. Eine kleinere Flotte von etwa 200 Überlandbussen liefert der chinesische Hersteller BYD, laut Bahn etwa fünf Prozent der gesamten E-Busse. Rahmenverträge hat die Bahn auch mit IVECO, Scania, Daimler und Zhongtong, einem chinesischen Hersteller, abgeschlossen.
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Der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) stellt es den in seinem Bereich tätigen Busunternehmen frei, welche Fahrzeuge sie nutzen, wenn sie den Vorgaben der Ausschreibung entsprechen. In künftige Vergabeverfahren sollen höhere Anforderungen an die Sicherheit aufgenommen werden, so der VRM. Das gelte für alle Hersteller von Elektrobussen.