Rheinland-Pfalz blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Die zweite Umfrage des "Rheinland-Pfalz-Monitors" zeigt, dass das Vertrauen in die Demokratie zwar weiterhin hoch ist, zugleich aber auch Sorgen, Zukunftsängste und gesellschaftliche Spannungen wachsen. So fühlen sich beispielsweise viele Menschen im Land von der Politik nicht ausreichend vertreten, sehen Migration und soziale Themen als größte Herausforderungen.
Die wichtigsten Probleme in Rheinland-Pfalz
Laut Rheinland-Pfalz-Monitor 2025 betreffen die drei wichtigsten Probleme in Rheinland-Pfalz Flüchtlinge (17 Prozent), Mobilität (16 Prozent) und Bildung (11 Prozent). Das Thema "Innere Sicherheit/Kriminalität/Terror", das in der aktuellen "Stadtbild"-Debatte oft mit dem Thema "Migration" verknüpft wird, wird lediglich von 2 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz als wichtigstes Problem erachtet.
In der Gesellschaft ist zudem die Angst groß, durch die gesellschaftliche Entwicklung auf der Verliererseite zu stehen. 39 Prozent der befragten Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer gaben an, besorgt darüber zu sein. In der vergangenen Umfrage von 2023 haben dem noch 26 Prozent zugestimmt (+13 Prozent).
Interessen der Bevölkerung
Ein Blick in Richtung Populismus zeichnet ein gespaltenes Bild: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Befragten hat angegeben, dass sie der Meinung seien, Politiker und Politikerinnen würden gegen die Interessen der einfachen Bevölkerung handeln.
Im Hinblick auf die Zufriedenheit mit der Demokratie sind die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer optimistischer: Mehr als 90 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden mit der Demokratie. Mit dem Funktionieren der Demokratie sind hingegen 35 Prozent nicht zufrieden.
Einen leichten Zuwachs verzeichnet die Gruppe der Menschen, die unter bestimmten Umständen eine Diktatur für die bessere Staatsform halten. Insgesamt 9 Prozent gaben das in der Umfrage an - ein Zuwachs von 5 Prozent.
Erinnerungskultur ist wichtig
Nichtsdestotrotz sind die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz der Ansicht, dass eine weitere Beschäftigung mit den Verbrechen im 2. Weltkrieg wichtig bleiben. 66 Prozent der Befragten stimmen dem voll zu (31 Prozent), stimmen zu (21 Prozent) oder stimmen eher zu (14 Prozent). Gerade das Erinnern mithilfe von Stolpersteinen und den dazugehörigen Gedenktafeln sehen die Menschen sehr positiv (66 Prozent).
Viele Sorgen wegen Kriminalität und Krieg
Ein Großteil der Menschen (74 Prozent) in Rheinland-Pfalz sorgt sich sehr, dass Deutschland in einen Krieg in Europa verwickelt werden könnte.
Die Sorge vor Kriminalität im Alltag ist ebenfalls hoch: 15 Prozent der Befragten haben "sehr große Sorgen", 23 Prozent "große Sorgen" und 30 Prozent haben "etwas Sorgen". Somit kommt die Umfrage auch hier auf mehr als 50 Prozent der Befragten.
Überfremdung in Deutschland
Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) stimmten der Aussage zu, dass Deutschland durch Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet sei. Hier zeigt sich ein nur schwacher Rückgang im Vergleich zur vorherigen Erhebung (-2 Prozent).
Dass Menschen mit muslimischem Glauben eine Bedrohung für Deutschland sind - dem stimmten 32 Prozent eher bis voll zu. Antisemitische Ansichten haben hingegen nur 8 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz.
Fazit
Insgesamt zeigt sich in den Daten keine einheitliche Entwicklung. "Die kollektive Stimmung wird weder einheitlich besser noch schlechter", sagt Prof. Uwe Jun, Geschäftsführender Direktor des Trierer Instituts für Demokratie- und Parteienforschung. "Viel mehr ist das Bild differenzierter. Während die Institutionenzufriedenheit etwas zugenommen hat und die bisherige politische Entwicklung im Land als eher positiv wahrgenommen wird, sind Zukunftssorgen und Zukunftspessimismus gewachsen."
RLP-Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) sieht in den Daten aus dem Rheinland-Pfalz-Monitor eine "ganz besondere Bedeutung" im Hinblick auf die zunehmende Bedrohung der Demokratie: "Die Ergebnisse zeigen uns, wie es um die politische Kultur in unserem Bundesland bestellt ist", sagt er.