Es war an Pfingsten, am 19. Mai 2024, als ein Starkregen über Kirn-Sulzbach runterkam, wie ihn der kleine Ort in seiner jüngeren Geschichte noch nicht erlebt hat. Die Wassermassen kamen in Sturzbächen aus dem Wald geschossen. In kürzester Zeit war der Ort überschwemmt.
Förster dokumentiert den Verlauf der Sturzbäche im Wald
Revierleiter Tobias Helfenstein zögerte damals nicht und lief sofort in den Wald: Er wollte wissen, welche Wege genau sich die Sturzfluten gebahnt hatten. Und das war deutlich zu erkennen, sagt er. Kleinere Vertiefungen waren durch das Wasser zu richtigen Furchen ausgespült worden.
Für Tobias Helfenstein war klar: Hier würden sie ansetzen müssen, um Überschwemmungen im Tal künftig abzumildern. Er merkte sich die neuralgischen Stellen, fotografierte sie und überlegte, wie sie am besten entschärft werden könnten.
Mulden sollen Wasser im Wald bei Kirn-Sulzbach halten
An mehreren Stellen ließ der Förster Mulden ausheben, bis zu zwei Meter tief und mehrere Meter im Durchmesser. Sein Gedanke war, dass das Wasser so künftig nicht mehr ungebremst ins Tal donnern würde, sondern sich erst einmal in der Mulde sammeln und dort langsam versickern würde.
Wenn die Böschung zu hoch ist, sammelt sich das Wasser auf dem Asphaltweg und kann seitlich nicht ablaufen. Deshalb haben wir hier auch die Böschungen zurückgenommen.
Außerdem wurden die Böschungen neben dem Asphaltweg, der in den Wald führt, geglättet. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass das Wasser nicht mehr wie durch einen Kanal nach unten schießt, sondern über die Ränder des Weges schwappt und im Erdreich versickert. Tiefe Rinnen seitlich des Weges sorgen für zusätzlichen Abfluss.
Aktueller Regen belegt Erfolg des Hochwasserschutzes
Helfenstein ist sicher, dass durch diese Maßnahmen schon einiges gewonnen wurde. Einen kleinen Beleg dafür bekam er schon in der vergangenen Woche. Da nämlich kam wieder ein ordentlicher Guss herunter und das Wasser sammelte sich in den neuen Mulden - genau wie gewünscht. Der erste Test ist also bestanden.
Problem: Wald rund um Kirn sehr steil und felsig
Allerdings gibt der Förster zu bedenken: Das Gelände im Wald rund um Kirn ist steil und sehr felsig. Es sei deshalb kaum möglich, Überschwemmungen komplett zu verhindern.
Es geht darum, das abzumildern. Wir werden solchen Starkregen nicht komplett aufhalten können, irgendwann kommt das Wasser unten an. Aber wir können es vielleicht verzögern.
Bei Starkregen falle nun mal sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit auf eine begrenzte Fläche. Das Wasser laufe dann zwangsläufig irgendwann ins Tal. Ganz aufhalten ließe sich das nicht, aber immerhin: Verzögern könne man es mit solchen Maßnahmen.
Auch der Wald braucht das Wasser
Und für den Wald sei das Ganze sogar eine Win-Win-Situation, sagt Helfenstein. Denn durch die neuen Mulden und Rinnen versickere jetzt bei jedem Regen mehr Wasser im Waldboden. Angesichts der vielen Trockenphasen der vergangenen Jahre sei das auf jeden Fall ein weiterer großer Vorteil.
News, Geschichten, Umfragen und mehr Neuer WhatsApp-Kanal vom SWR Studio Mainz
Wir - das SWR Studio Mainz - haben jetzt einen WhatsApp-Kanal. Dort gibt es Nachrichten, nette Geschichten für zwischendurch und vieles mehr aus Rheinhessen und von der Nahe.