Es seien ganz besondere Fundstücke, erklärte Ellen Riemer, Kuratorin der römischen Ausstellung. Sie spricht von zwei Grabsteinen, die im 19. Jahrhundert in der Mainzer Innenstadt gefunden wurden und mutmaßlich der Römerzeit entstammen.
Das Ungewöhnliche an ihnen: "Beide Grabsteine sind ein und demselben Kind gewidmet", so Riemer. Zwei wertvolle Steine für ein Kind, das nicht einmal ein halbes Jahr alt wurde – die Grabsteine lassen einige Fragen offen.
Römische Grabsteine sind knapp 2.000 Jahre alt
Fest stehe laut Riemer: Beide Steine wurden ungefähr Mitte des zweiten Jahrhunderts nach Christus von den Eltern des Kindes in Auftrag gegeben. Einer der Steine sei aus Sandstein, die Inschrift darauf noch gut lesbar. "Das Kind wird darin mit einer Rose verglichen, die aufblühte und verwelkte." Es habe seinen Eltern viel bedeutet, mutmaßte Riemer. "Man spürt ihren Schmerz durch diese Inschrift."
Der zweite Stein bestehe aus Marmor – womit er sich deutlich vom Rest der römischen Ausstellung abhebt.
Wir haben in Mainz sonst keine Grabsteine aus Marmor.
Für das wertvolle Material mussten die Eltern seinerzeit viel Geld aufbringen, so die Expertin. Das habe die Forschung vor ein weiteres Rätsel gestellt. Denn: "Wir gehen wegen des griechischen Namens der Mutter davon aus, dass es sich bei den Eltern um Sklaven handelte", erklärte Kuratorin Riemer.
Grabsteine werden im Landesmuseum restauriert
Wegen ihrer ungewöhnlichen Geschichte haben die beiden Grabsteine auch das Interesse der Johannes Gutenberg-Universität Mainz geweckt. Archäologie-Studentin Laura Gebhardt zufolge kursierten derzeit zwei Thesen, weshalb es den Grabstein in doppelter Ausführung gibt.
"Möglicherweise waren die Eltern mit dem einen Grabstein nicht zufrieden und gaben dann einen neuen in Auftrag." Eine zweite Theorie besage, dass die Eltern statt einem doch zwei Kinder verloren hätten. "Was davon wahr ist, wissen wir nicht."
Die Steine werden vor Ort restauriert. Interessierte Besucherinnen und Besucher können die Arbeiten in der Steinhalle des Landesmuseums live mitverfolgen. Ungefähr eine Woche würde er brauchen, um die Steine in Schuss zu bringen, so Restaurateur Matthias Steyer. Zunächst würden sie gereinigt, anschließend schütze er sie vor weiteren Rissen und Ausbrüchen. "Wir wollen schließlich, dass die Steine noch weitere Generationen überdauern."