Wer den Innenhof der Königsmühle in Gau-Odernheim (Kreis Alzey-Worms) betritt, wird erst einmal von Hahn Tommy begrüßt. Lautstark kräht er zwanzig Mal. Umgeben von mehreren Hühnern will er wohl zeigen, dass die Mühle auch sein Zuhause ist.
Neben der Hühnerschar wohnen zurzeit vier Menschen dauerhaft in der Mühle: drei Männer und eine Frau, zwischen Ende 20 und Anfang 60. Tobias ist einer von ihnen. Er hat das Wohnprojekt vor fünf Jahren angestoßen.
Suche nach Gemeinschaft statt Einsamkeit
Eigentlich kommt Tobias aus Mainz und war in der Großstadt auch ganz zufrieden. Doch etwas fehlte ihm, wie er erzählt. In der Corona-Zeit, als die Menschen immer isolierter und einsamer wurden, habe er sich nach Gemeinschaft gesehnt.
Da gab es den Wunsch nach Verbindung zu anderen Menschen, die sich vielleicht ergibt, wenn man in einer Gemeinschaft wohnt.
Als Ort für diese Vision fand sich die Königsmühle im ländlichen Gau-Odernheim. Sie ist einer der ältesten Mühlenhöfe in Rheinhessen, mit Wohnhaus, ehemaligem Stall und Nebengebäuden.
Ehemalige Mühle in Gau-Odernheim wird gemeinsam renoviert
Seit fünf Jahren ist die Gemeinschaft dabei, die Mühle zu renovieren und auszubauen. Größtenteils in Eigenregie entstehen weitere Wohnräume, der Stall hat ein neues Dach bekommen und alles soll energetisch saniert werden.
Den Bewohnerinnen und Bewohnern geht es aber um viel mehr als nur die Instandhaltung des Hofes. Sie kochen täglich gemeinsam, verbringen viel Zeit miteinander, besprechen, was sie umtreibt. Ein Leben miteinander, nicht nebeneinander.
Alle seien zu einer Wahlfamilie geworden, sagt Tobias. Für ihn sei die Mühle ein Ankommen gewesen: "Ich wünsche mir einfach einen schönen Rest für mein Leben und das hier fühlt sich so an, als könnte es eine gute Basis dafür sein."
Aus kurzem Besuch wurde Liebe
Mitbewohnerin Mira kam ursprünglich nur als Kurzzeitgast in die Mühle - und blieb. Sie wollte sich das Leben in der Gemeinschaft anschauen, dann funkte es zwischen ihr und Tobias. "Der Plan war ein Monat bis eineinhalb, dann haben wir uns kennengelernt und dann ist die Liebesgeschichte entstanden."
Wohngemeinschaft in der Mühle soll weiter wachsen
Auch die anderen beiden Mitbewohner waren auf der Suche nach einem Leben in Gemeinschaft, sind gekommen und geblieben. Noch leben nur vier Menschen in der Königsmühle, doch es sollen bald viel mehr werden.
"Die Perspektive ist, dass hier irgendwann mehrere Generationen zusammenwohnen als eine Einheit", sagt Tobias. Er stelle sich das vor wie einen Garten, der sich selbst trägt "und das Leben lebt".