Kein Rabatt ohne Nachweis

Bürokratie in Mainz: mit dem Reisepass ins Freibad

Ein Freibadbesuch sollte Spaß machen. Für Familie Klee wurde er jedoch zum bürokratischen Hindernislauf. Dabei wollten sie nur einen schönen Tag miteinander verbringen.

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Ein Familienticket im Freibad kaufen? Für die Mainzerin Annika Klee und ihre vier Kinder war das ein fast unmögliches Unterfangen. Denn an der Kasse startete ein Beweismarathon: Ohne Reisepässe oder Familienstammbuch gab es keinen vergünstigten Eintritt.

Mutter musste belegen, dass alle denselben Nachnamen haben

Dass sie solche Dokumente vorlegen musste, konnte Annika Klee kaum glauben. Vier Kinder, "die Mama und Papa sagen" reichten nicht, um das Familienticket im Mombacher Freibad zu bekommen. Stattdessen sei eine Beweisführung nötig gewesen, die sie an Polizeiermittlungen erinnert habe, sagt die Mutter. "Wir mussten alle vier Reisepässe der Kinder vorlegen, um zu beweisen, dass sie denselben Nachnamen tragen."

Pässe der Kinder lagen zuhause

Da sie die Reisepässe nicht dabei hatte, machte sich Annika Klee auf den Weg nach Hause und holte die geforderten Dokumente. Sie beschließt, die nun folgende Situation an der Schwimmbadkasse heimlich mit dem Smartphone zu filmen und den Film ins Netz zu stellen.

Zurück an der Kasse wurde ihr gesagt, dass die Reisepässe nicht ausreichten. Es müssten noch die Personalausweise von beiden Elternteilen vorgelegt werden, um zu belegen, dass alle zusammen wohnen. Die andere Variante wäre gewesen, das Familienstammbuch vorzulegen.

Ich war total wütend. Man kommt sich vor wie ein Bittsteller, dabei wollten wir ja einfach nur zusammen ins Schwimmbad gehen.

Die Regelung empfinde sie als diskriminierend - vor allem Familien gegenüber, die sich den normalen Tarif nicht leisten könnten. Und gegenüber denen, die nicht das klassische Familienmodell leben mit Mutter, Vater, Kinder - alle unter einem Dach. "Alleinerziehende oder Eltern mit Pflegekindern werden auch total ausgegrenzt", sagte Annika Klee.

Betreiber des Freibads versichert, Familien unterstützen zu wollen

Das Mombacher Freibad wird seit Jahren von einem Verein geführt. Betriebsleiter Torsten Traxel verteidigt die bestehende Regelung. Er erklärt, dass die Nachweispflicht in den Tarifbestimmungen festgelegt sei. "Wir wollen Familien unterstützen und bieten deshalb eine Ermäßigung an", sagt Traxel.

Wir müssen prüfen, ob es wirklich eine Familie ist.

Für das Personal an der Kasse sei der Aufwand hoch, die Rechtmäßigkeit zu überprüfen, sagt Traxel - insbesondere seit der Einführung des neuen Namensrechts. Die Regelung soll es Familien und Kindern leichter machen, ihre Nachnamen zu ändern.

"Wir kennen die Leute nicht persönlich und wissen nicht, ob sie sich vielleicht nur zufällig auf dem Parkplatz getroffen haben", fügt Traxel hinzu. Dennoch räumt er ein, dass die Situation mit der Familie von Annika Klee "dumm gelaufen" sei.

Städtisches Taubertsbergbad bietet keine Familienkarte an

In dem anderen Mainzer Freibad, dem städtischen Taubertsbergbad, gibt es keine Ermäßigung für Familien. Kinder ab 3 Jahre zahlen dort 4 Euro für ein Einzelticket - 70 Cent weniger als Erwachsene. Die Familienkarte im Mombacher Freibad kostet 16 Euro. Man wolle auch weiterhin Familien unterstützen, betont Traxel.

Mutter schaltete Stadt Mainz ein

Die Kritik an der Regelung in Mombach erreichte auch die Stadt Mainz. Annika Klee erhielt Antwort von Günter Beck (Grüne). Er ist Bürgermeister und Sportdezernent.

Beck kündigte an, die Situation zu klären: "Als Sportdezernent der Landeshauptstadt Mainz werde ich zusammen mit der Sportabteilung das Gespräch mit Herrn Traxel suchen und eine andere Vorgehensweise im Umgang mit der Familienkarte anstreben", schrieb Beck.

Schwimmbäder regeln Vorgaben selber

Ann-Christin von Kieter ist Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Sie sagt, dass es keine rechtlichen Grundlagen für die Preisgestaltung der Schwimmbäder gebe. Jeder könne das über die Haus- und Badeordnung selber regeln.

"Der Fall in Mainz-Mombach kommt mir doch sehr speziell vor", sagte sie. "Wenn jemand mit einem Kind ins Schwimmbad kommt, würde normalerweise niemand an der Kasse fragen, ob es das eigene oder das Nachbarskind ist." Die Reisepässe der Kinder mit ins Freibad zu nehmen, hält sie für fraglich. "Eigentlich wird ja empfohlen, so wenig Wertsachen wie möglich mit ins Schwimmbad zu nehmen."

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