Zehn Kinder stehen vorm Drehkreuz im Landauer Hallenbad und warten darauf, dass es losgeht. Manche haben eine Schwimmtasche über der Schulter hängen, andere halten die Hand ihrer Eltern fest. Die Kinder haben Glück: sie haben einen Platz im heiß begehrten Anfängerkurs. Das Ziel: das "Seepferdchen" schaffen.
DLRG in Landau: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"
60 bis 80 Kinder können im Jahr bei der Ortsgruppe der DLRG in Landau ihr Seepferdchen machen. Die Nachfrage aber sei deutlich höher, sagt Philipp Schreiner. Er ist für die Schwimmausbildung in der Ortsgruppe verantwortlich. Schreiner sagt: "Wir haben eine riesige Nachfrage. Die Kurse sind innerhalb von wenigen Minuten ausgebucht." Es gelte: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst."
Vor etwa drei Jahren hat die Ortsgruppe der DLRG ihre Warteliste für die Schwimmkurse abgeschafft. Eltern, die nachfragen, wann es losgeht, Mails, die beantwortet werden müssen. Das sei zu frustrierend für beide Seiten gewesen, sagt DLRG-Ausbilder Schreiner. Wer jetzt keinen Kursplatz bekommt, weiß wenigstens, woran er ist.
Eltern warten monatelang auf Kursbeginn
Während die Kinder im Landauer Hallenbad im Lehrschwimmbecken ins Wasser tauchen und wieder hochspringen, warten draußen die Eltern. Sie sind froh, die Plätze bekommen zu haben. "Wir mussten lange nach einem Anfängerkurs suchen und uns auch in der Umgebung umschauen", erzählt Carolin. Vanessa, eine andere Mutter, sagt, dass die Oma die Kinder schon mit zwei Jahren auf die Warteliste hat setzen lassen - damals gab es noch eine. Eine dritte Mutter hatte Glück: "Ich habe drei Wochen vor Kursbeginn geschaut und tatsächlich einen Platz bekommen."
In Landau selbst gibt es noch einen Schwimmverein, der Anfängerkurse macht. Es gibt private Schwimmschulen und Freibäder in der Region, die im Sommer Intensivkurse anbieten. Trotzdem suchen Familien teils monatelang nach einem Seepferdchen-Platz.
DLRG: Auch Eltern sind beim Schwimmenlernen gefragt
Philipp Schreiner von der DLRG nennt drei Gründe fürs lange Warten: die Kurse werden von Ehrenamtlichen gemacht - die personellen Ressourcen sind daher begrenzt. In der Coronazeit sind Kurse ausgefallen, die Orte zum Schwimmenlernen werden weniger und Kinder brauchen heute teilweise länger, bis sie das Seepferdchen erreichen.
Mehr Geld von Land und Bund könnte helfen, marode Schwimmbäder zu sanieren und mehr Platz zu schaffen für Schwimmkurse, sagt Schwimmausbilder Schreiner. Und hofft auch darauf, dass Ehrenamtliche nachrücken, um Kindern das Schwimmen beizubringen.
Die Kinder im Landauer Anfängerkurs jedenfalls machen schon Fortschritte. "Vorher hatte mein Sohn Angst vorm Tauchen und jetzt macht er das", erzählt Sarah. Auch Vanessas Sohn traut sich nun, einen Ring vom Beckenboden hochzuholen. "Und eine Bahn im tiefen Becken kann er jetzt auch schon schwimmen", erzählt die Mutter stolz.