Insgesamt 60 Lkw hat die Spedition Scheidweiler-Flohr aus Bendorf laut Geschäftsführer Willi Scheidweiler im Einsatz. Es waren schon mal 70, doch wegen des Fahrermangels musste er die Flotte verkleinern. Es seien einfach keine Lkw-Fahrer mehr zu finden - weder in Deutschland noch in anderen EU-Ländern. Willi Scheidweiler setzt deshalb jetzt auf marokkanische Azubis.
Sie sind meistens schon in Marokko Lkw gefahren und kommen schon mit ersten Deutschkenntnissen und einer Aufenthaltsgenehmigung für die Zeit der Ausbildung nach Bendorf. "Bisher sind wir sehr zufrieden. Wir hatten davor schon mehrere Ausbildungen hier durchgeführt mit Deutschen. Die waren nicht so einfach, weil sie einfach schludriger waren", sagt Scheidweiler.
Win-Win-Situation für Bendorfer Spedition und Azubis
Die marokkanischen Azubis seien dagegen gewissenhaft und strebsam. Sie wollten arbeiten und brächten auch die geforderte Leistung, sagt ihr Chef. Die Spedition unterstützt sie bei Behördengängen und der Wohnungssuche. Momentan sind es acht marokkanische Azubis im Betrieb.
Einer von ihnen ist Soufiane Kafeh, er war schon in Marokko drei Jahre lang Lkw-Fahrer. Von der Azubi-Stelle in Bendorf hat er im Internet erfahren und sich beworben. Sein Job und auch das Umfeld in der Firma gefallen ihm gut, sagt er. "Ich lerne jeden Tag neue Sachen." Nach seiner Ausbildung würde er gern bei der Spedition bleiben, sagt er.
Forderung nach erleichtertem Zugang für Fahrer aus Drittstaaten
Sein Chef, Willi Scheidweiler, würde gern mehr Menschen aus Drittstaaten direkt anstellen. Doch die Hürden seien momentan viel zu hoch: Die Fahrer benötigen eine beschleunigte Grundqualifikation - das heißt sechs Wochen Schule mit einem Abschluss auf Deutsch bei der Industrie- und Handelskammer. Außerdem brauchen sie einen neuen Führerschein. "Das ist für die Bewerber zu teuer und von der Sprache her auch nicht darstellbar", kritisiert Scheidweiler.
Bundesverkehrsminister verspricht Verbesserungen
Er fordert deshalb Unterstützung von der Politik. Andernfalls werde der Lkw-Fahrer-Mangel zu einem Kollaps der Wirtschaft führen, weil die Güter nicht mehr transportiert werden könnten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) versprach bei der Jahrestagung Transport und Logistik Rheinland-Pfalz am Dienstag in Mülheim-Kärlich Verbesserungen: "Wir wollen den Zugang erleichtern, indem ausländischen Fahrer ihre Prüfungen, die sie hier ablegen müssen, auch in ausländischer Sprache ablegen können."
Außerdem sollen die erforderlichen Fortbildungen digitalisiert werden, um das zu vereinfachen. "Wir sind dabei, mit anderen Ländern Übereinkommen abzuschließen, dass man sich gegenseitig den Führerschein anerkennt, wenn sie das gleiche Ausbildungsniveau haben", so Schnieder. Spediteure wie Willi Scheidweiler hoffen, dass die Änderungen zeitnah umgesetzt werden.