Nach der anhaltenden Hitze der vergangenen Wochen sind in vielen Städten im Norden von Rheinland-Pfalz Rasenflächen braun, Beete verdorrt und junge Bäume kämpfen ums Überleben. Daran ändern auch die wenigen Regenschauer zu Beginn der Woche nichts. Kommunen wie Andernach, Neuwied, Koblenz und Mayen versuchen zu retten, was zu retten ist. Das bedeutet viel Personalaufwand und klare Prioritäten beim Gießen.
FAQ zu Wassermangel und Trockenheit Brunnenbau, Privatpools und Gießen bei Wasserknappheit - die Regeln
Die Sommerhitze sorgt für Trockenheit in RLP. Wer einen Brunnen im Garten hat, ist aber nicht auf örtliche Versorger für Gießen und Pool-Auffüllen angewiesen. Welche Regeln gelten?
Andernach sorgt sich vor allem um Jungbäume
In Andernach sind vor allem rund 700 Jungbäume in den ersten sechs Standjahren im Fokus. Sie bekommen laut Stadt bis zu 18 Bewässerungsgänge im Jahr. Gegossen würden außerdem nur die Beete der "Essbaren Stadt" und einzelne Pflanzflächen in Kernstadt und Stadtteilen. Rasenflächen bleiben dagegen trocken.
Zum Bewässern sind insgesamt etwa neun Menschen im Einsatz. Sie nutzen vor allem Wasser aus einer Zisterne. Externe Dienstleister greifen laut Stadt auch auf städtische Hydranten zurück.
"Schwammstadt-Prinzip" soll Entlastung bringen
Neue Baumstandorte baut Andernach nach eigenen Angaben klimaangepasst. Das bedeutet größere Baumbeete, mehr durchwurzelbarer Raum und das "Schwammstadt-Prinzip": Regenwasser von Straßen und Gehwegen soll in die Baumbeete geleitet werden, damit es länger gespeichert bleibt und den Bewässerungsbedarf senkt. Außerdem prüft die Stadt, die Bewässerung digital zu erfassen, um genau zu dokumentieren, welche Bäume wann wie viel Wasser erhalten. Denkbar sei künftig auch die Nutzung von Schwallwasser aus dem Schwimmbad oder aufbereitetem Wasser aus der Kläranlage, heißt es.
Viele Sportplätze in Neuwied haben Bewässerungsanlagen
In Neuwied werden Parks und ältere Baumbestände laut Stadt generell nicht gegossen. Nur Neupflanzungen und Wechselbepflanzungen, etwa in Saisonkübeln, bekommen Wasser. Auch Sportplätze sind in Neuwied die Ausnahme: Fast alle Naturrasenplätze haben automatische Bewässerungsanlagen, die in den späten Abendstunden laufen, damit möglichst wenig Wasser verdunstet.
Ein Baum sollte sich nach fünf bis zehn Jahren selbst versorgen können.
Die Stadt setzt nach eigenen Angaben seit Jahren weniger auf "durstige Sommerblumen" und mehr auf hitzeresistente Stauden. "Ein Baum sollte sich nach fünf bis zehn Jahren selbst versorgen können, sonst ist er die falsche Wahl für den jeweiligen Standort", teilt außerdem Gerd Neuwirth mit, Pressesprecher der Stadtwerke Neuwied. Deshalb achteten Fachleute schon beim Pflanzen auf Arten, die dauerhaft ohne ständige Hilfe auskommen könnten. Zusätzliche Bewässerung gelte bei extremen Hitze- und Trockenperioden wirklich nur als Notmaßnahme.
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Verhärtete Pflanzflächen erschweren Bewässern in Mayen
Die Stadt Mayen setzt bei Neupflanzungen ebenfalls stärker auf trockenheitsresistente Baumarten, ergänzt sie aber je nach Standort durch bewährte Arten, um Vielfalt zu sichern. Bei Altbäumen bleibe die Bewässerung schwierig, so die Stadtverwaltung. Verhärtete Pflanzflächen und tiefreichende Wurzeln würden es schwer machen, Wasser in ausreichender Menge bis in die Tiefe zu bringen.
Dabei sollen sogenannte Einschlaglanzen helfen - spitz zulaufende Rohre, die in den Boden geschlagen oder gesteckt werden, um Wasser und Nährstoffe direkt in tiefere Erdschichten zu leiten. Auch sie stoßen laut Stadt aber je nach Boden schnell an ihre Grenzen.
Das benötigte Wasser kommt in Mayen vor allem aus Zisternen. Mit Lastwagen, Wasserfässern und Pumpen sind in Spitzenzeiten jeden Tag bis zu sieben Menschen im Stadtgebiet unterwegs und bringen zwischen 8.000 und 20.000 Litern Wasser aus.
Koblenz setzt auf Klimabäume
Die Stadt Koblenz arbeitet nach Angaben der Verwaltung beim Gießen des Stadtgrüns überwiegend mit Leitungswasser. Der Schlossgarten werde über einen eigenen Brunnen versorgt. Auch Koblenz setzt bei Neupflanzungen auf trockenheitsresistentere Arten und Klimabäume, die Hitze und längere Dürrephasen besser aushalten. Außerdem startet die Stadt nach eigenen Angaben ein Sensorprojekt für bedarfsgerechtes Gießen und baut eine Zisterne beim Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen.