Ein Rettungsteam kämpft um das Leben eines Patienten. Sekunden entscheiden über Leben und Tod. Doch genau in diesem Moment blockiert eine Autofahrerin den Weg. Der Fall aus dem St.-Quentin-Ring in Kaiserslautern sorgt seit Tagen für Unverständnis.
Frau muss mit Strafe rechnen Autofahrerin behindert in Kaiserslautern Rettungsdienst während Wiederbelebung
Was am Dienstagnachmittag auf dem Betzenberg passiert ist, macht sprachlos: Während die Rettungskräfte einen Patienten wiederbeleben müssen, parkt eine 66-Jährige den Rettungsdienst zu - und bleibt stur.
Die 66-Jährige soll den Rettungswagen trotz mehrfacher Aufforderung nicht durchgelassen haben. Die Folge: Die Reanimation musste noch rund zehn Minuten im Rettungswagen fortgesetzt werden, bevor die Fahrt ins Krankenhaus überhaupt möglich war. Gegen die Frau wird nun strafrechtlich ermittelt. Der Fall ist extrem und kommt so eher selten vor – doch er trifft einen Nerv.
ASB Kaiserslautern: "Konflikte gibt es regelmäßig"
"Zum Glück erleben wir so einen Fall so gut wie nie", sagt Alexander Sassos, stellvertretender Leiter beim Rettungsdienst beim ASB Kaiserslautern. Diskussionen mit Autofahrern oder Anwohnern gehörten für die Einsatzkräfte aber immer wieder zum Alltag, erzählt er. Meist gehe es um zugeparkte Straßen oder Rettungswagen, die andere Fahrzeuge blockieren. Oft lasse sich das innerhalb von ein bis zwei Minuten klären. Manchmal müsse aber die Polizei eingeschaltet werden, um zu erklären, dass Rettungsdienste im Einsatz Sonderrechte haben: etwa beim Parken oder auch beim Fahren gegen die Einbahnstraße.
Polizei bestätigt: Mehr kleinere Einsätze in der Westpfalz, aktueller Vorfall eine Ausnahme
Auch die Polizei kennt Streitigkeiten zwischen Bürgern und Rettungskräften. “Solche Einsätze kommen schon mal vor, meist handelt es sich aber um kleinere Auseinandersetzungen”, betont eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Westpfalz. Ein Fall wie der aus Kaiserslautern sei aus ihrer Erfahrung äußerst ungewöhnlich. Dass Einsatzkräfte aber überhaupt ausgebremst werden, zeugt von mangelndem Respekt vor Feuerwehr, Rettungsdiensten und auch der Polizei.
Egoismus und wenig Verständnis gegenüber Rettungskräften
Eine Umfrage bei "Mein SWR" bestätigt, dass die Herausforderungen von Rettungskräften im Einsatz steigen. Eine ehemalige Rettungsdienstmitarbeiterin aus dem Saarland berichtet, sie sei schon während Reanimationen zugeparkt worden oder habe erlebt, dass Einsatzfahrzeuge abgeschaltet wurden, weil sie “stören”. Andere schildern blockierte Rettungsgassen oder Feuerwehrzufahrten bei laufenden Einsätzen. Viele fordern deutlich härtere Konsequenzen für Menschen, die Rettungskräfte behindern. Immer wieder fällt dabei ein Begriff: Egoismus. Das Unverständnis gegenüber Menschen, die in Notlagen helfen wollen, scheint bei vielen Bürgern zu wachsen, so die breite Meinung der Befragten.
Rettungsdienste haben im Einsatz besondere Rechte
Für Autofahrer gilt: Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei dürfen im Einsatz von vielen Verkehrsregeln abweichen, wenn Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet sind. Sie dürfen beispielsweise im Halteverbot stehen, Straßen blockieren oder – wenn nötig – auch gegen die Einbahnstraße fahren. Wer Einsatzkräfte behindert oder Rettungswege versperrt, riskiert nicht nur Bußgelder oder strafrechtliche Konsequenzen.
Im schlimmsten Fall kostet jede verlorene Minute einem Menschen das Leben. Genau deshalb appellieren Rettungsdienste immer wieder an die Bevölkerung: Ruhe bewahren, Platz machen und den Einsatzkräften vertrauen – denn am Ende könnte jeder selbst einmal auf ihre Hilfe angewiesen sein.