Darüber hat SWR Aktuell mit Prof. Andreas Dengel gesprochen, geschäftsführender Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern. Das DFKI mit Sitz in Kaiserslautern forscht seit über 35 Jahren an Künstlicher Intelligenz und zählt international zu den wichtigsten Institutionen in der Wissenschaft.
SWR Aktuell: Herr Professor Dengel, viele Menschen sehen in sozialen Medien Inhalte, die nicht immer als KI-generiert gekennzeichnet sind. Gibt es Methoden, mit denen Laien solche Fälschungen erkennen können?
Prof. Andreas Dengel: In den letzten zwei Jahren haben sich die Tools so stark verbessert, dass man kaum mehr einen Unterschied erkennen kann. Das DFKI hat eine Erkennungssoftware entwickelt, um gefälschte Gesichter zu erkennen. Für die Normalbürgerin und den Normalbürger ist das sehr schwer. Bei Videos kann man eher Auffälligkeiten entdecken: etwa unsaubere Übergänge zwischen Personen und Hintergründen oder fehlerhafte Schriftzüge im Bild. Wenn im Hintergrund ein Ladenname falsch geschrieben ist oder der Text keinen Sinn ergibt, ist das oft ein Hinweis auf eine KI-Fälschung.
SWR Aktuell: Ist KI im digitalen Raum grundsätzlich gefährlich, oder kommt es darauf an, wie man sie nutzt?
Dengel: Im digitalen Raum ist KI sehr gefährlich, indem sie gezielt zur Manipulation eingesetzt wird. Bilder und Videos werden millionenfach verbreitet, um Menschen zu manipulieren. KI wird aber mehrheitlich sinnvoll verwendet, wir benutzen sie in vielen verschiedenen Bereichen. Zusammen mit der ARD und der Berliner Polizei konnte das DFKI bei der Serie "Findet Felix" mithelfen. Durch die Technologie konnten wir anhand alter Fotos und Stimmen ein realistisches Abbild des inzwischen erwachsenen Kindes erzeugen - um so neue Hinweise aus der Bevölkerung zu bekommen. Das zeigt, wie vielseitig KI genutzt werden kann.
KI simuliert Menschlichkeit und das ist eine Gefahr.
SWR Aktuell: KI wirkt zunehmend menschlich. Wird es bald unmöglich sein, echte Inhalte von KI-generierten Inhalten zu unterscheiden?
Dengel: Ja, das glaube ich (…). Die KI lernt Muster, reagiert auf Eingaben, aber sie reflektiert nicht. KI simuliert Menschlichkeit und das ist eine Gefahr. Es gibt bereits Überlegungen, digitale Wasserzeichen einzuführen, die Bilder und Videos als "echt" kennzeichnen. Solche technischen Standards wären meiner Meinung nach dringend nötig.
SWR Aktuell: Was sind Ihre persönlichen Sorgen in Bezug auf KI?
Dengel: Zum einen, dass Europa beim Thema KI den Anschluss verliert, weil wir zu bürokratisch sind und Forschung zu kompliziert fördern. Zum anderen sehe ich mit Sorge, wie unkritisch viele Menschen KI-Inhalte konsumieren. Es gibt zwar eine wachsende Sensibilität, aber eben auch eine große Leichtgläubigkeit.
Wo Roboter und Co die Arbeit leichter machen Wie Künstliche Intelligenz in Rheinland-Pfalz genutzt wird
Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt verändern. In Rheinland-Pfalz nutzen viele Unternehmen schon jetzt KI. Damit wollen sie in erster Linie Fachkräfte entlasten.
SWR Aktuell: Sehen Sie KI eher als Chance oder als Risiko?
Dengel: Beides. KI ist eine riesige Chance! KI ist eine Chance, wenn wir sie als Werkzeug begreifen, um Probleme zu lösen: beim Klimawandel, in der Mobilität und Energie oder in der Landwirtschaft. Aber sie kann auch missbraucht werden, um Macht und Einfluss zu sichern. Entscheidend ist, wie wir sie einsetzen und welche Regeln wir dafür schaffen.
SWR Aktuell: Herzlichen Dank für das Gespräch!