Im kommenden Sommer ist mit deutlich mehr Zecken zu rechnen. So lautet zumindest die Einschätzung von Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Hohe Temperaturen könnten heimische Zecken gut vertragen, sie reagieren jedoch empfindlich auf niedrige Luftfeuchtigkeit, sagte Mackenstedt der Deutschen Presseagentur (dpa). "Dann wandern sie in Richtung Boden, da es dort feuchter ist oder müssen den Bereich ganz verlassen."
Auch ein Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu) in Rheinland-Pfalz weist auf mehr Zecken hin, doch nicht nur im Sommer seien diese aktiv: "Anders als früher sind Zecken wegen steigender Temperaturen und milder Winter nicht mehr saisonal, sondern immer häufiger ganzjährig aktiv".
Ein Überblick zu den kleinen Tieren, den Gesundheitsrisiken und möglichen Risikogebieten gibt es hier:
Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Warum sind mehr Zecken unterwegs?
Welche Zeckenarten gibt es?
Was macht Zecken so gefährlich?
Wo kommen Zecken mit FSME-Erregern vor?
Wie fängt man sich eine Zecke ein?
Wie schütze ich mich vor Zecken?
Wie ist die Lage in Rheinland-Pfalz?
Kein FSME-Risikogebiet - keine Zecken mit FSME?
Was ist mit den neuen Zeckenarten?
Wo kann ich Zecken melden?
Warum sind mehr Zecken unterwegs?
Milde Winter, steigende Temperaturen und Klimwandelfolgen machen es Zecken leichter. Sie fühlen sich laut Experten besonders bei Temperaturen zwischen 7 und 30 Grad wohl.
Mit Blick auf die kommenden Monate sagt die Expertin Mackenstedt: "Da der gesamte Entwicklungszyklus der Zecke mehrere Jahre dauert, hängt die Anzahl der Zecken, die jetzt auf Wirtsuche gehen, auch davon ab, wie viele den Winter überlebt haben". Das gelte zumindest für den "Gemeinen Holzbock", die häufigste Zeckenart in Deutschland.
Doch die letzten Kälteperioden seien nicht lang genug gewesen. Mackenstedt geht nicht davon aus, dass diese einen großen Einfluss auf die Zeckenpopulation hatten.
Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Rheinland-Pfalz fand ebenfalls heraus, dass Zecken an immer mehr Tagen im Jahr aktiv sein können.
Welche Zeckenarten gibt es?
In Deutschland gibt es etwa 20 Zeckenarten. Der Gemeine Holzbock (Ixodes-Zecke) ist die am häufigsten vorkommende Zeckenart und überträgt die meisten Krankheitserreger. Daneben ist auch die Auwaldzecke weit verbreitet. Sie kann Krankheiten übertragen, die allerdings eher für Hunde gefährlich sind.
Was macht Zecken so gefährlich?
Zecken können durch ihren Stich Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Viren verursachen Entzündungen des Gehirns, der Hirnhaut oder des Rückenmarks. Gegen FSME kann man sich impfen lassen.
Daneben können Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose verursachen. Sie schädigt Nervensysteme und Gelenke. Eine Schutzimpfung dagegen gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.
Wo kommen Zecken mit FSME-Erregern vor?
Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) besteht in ganz Deutschland mittlerweile in 185 Kreisen ein erhöhtes FSME-Risiko. Davon betroffen sind vor allem Baden-Württemberg und Südhessen, die direkt an Rheinland-Pfalz angrenzen.
Wie fängt man sich eine Zecke ein?
Die in Deutschland häufigsten Ixodes-Zecken kommen praktisch überall vor, wo es Pflanzen gibt, auch in Gärten oder Parks. Wie das RKI berichtet, klettert die Zecke auf eine herausragende Stelle, das kann ein Grashalm oder ein Gebüsch oder herumliegendes Totholz sein. Wenn ein Tier oder ein Mensch vorbei kommt, wird sie bei Kontakt abgestreift und hält sich fest. Zecken fallen nicht von Bäumen noch können sie springen. Anders als die Ixodes-Zecken krabbeln Auwald-, Relikt- und Hyalommazecken aktiv auf den Menschen zu. Dabei handelt es sich um andere Zeckenarten die zum Teil auch in Deutschland vorkommen.
Wie schütze ich mich vor Zecken?
- Geschlossene Schuhe, lange Kleidung, Hose in die Socken stecken
- Anti-Insektenspray auf Haut und Kleidung sprühen
- Körper und Kleidung gründlich absuchen, wenn man im Wald oder Wandern war
- Zecken schnell und sachgerecht (mit Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte) entfernen. Rausziehen, nicht drehen!
Wie ist die Lage in Rheinland-Pfalz?
Für Rheinland-Pfalz hat das RKI nur den Kreis Birkenfeld als Risikogebiet ausgewiesen (Stand 15.01.2026). Eine Region wird dann zum Risikogebiet, wenn sich dort häufig innerhalb einer Fünfjahresperiode eine bestimmte Anzahl an Menschen mit FSME infiziert haben.
Aber auch die Borreliose ist im Blick der Behörden. So hat das Gesundheitsministerium vor einigen Jahren eine eigene Meldepflicht für Borreliose eingeführt. Hierdurch werde die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gegenüber zeckenübertragenen Erkrankungen gestärkt, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa.
Genau das sei auch das Problematische an der Karte des RKI, sagte Ute Mackenstedt auf SWR-Anfrage. "Die Karte des RKI ist eine Inzidenzkarte. Sie sagt eigentlich nichts aus über die tatsächliche Verteilung der FSME-Fälle."
In dem vom RKI als Risikogebiet ausgewiesenen Kreis sei nur über einen gewissen Zeitraum ein bestimmter Schwellenwert erreicht worden. Dann werde dieser Landkreis auf der Karte vom RKI eingefärbt: "Und zwar der ganze Landkreis. Obgleich es möglicherweise nur einen ganz kleinen Bereich darin gibt, in denen FSME-positive Zecken vorkommen", sagte Mackenstedt dem SWR.
Kein FSME-Risikogebiet - keine Zecken mit FSME?
Klares Nein. Denn es ist laut Mackenstedt immer auch möglich, dass es einzelne Fälle in anderen Gebieten gebe. Die würden dem RKI-Institut zwar auch gemeldet. Wenn die Meldungen den nötigen Grenzwert aber nicht übersteigen, weist das RKI dort kein Risikogebiet aus.
Was ist mit den neuen Zeckenarten?
Auch neue Zeckenarten verbreiten sich in Deutschland, viele davon stammen ursprünglich aus Südeuropa, so ein Sprecher des Nabu. Dem Nabu seien in Deutschland 20 Zeckenarten bekannt.
Die Klimaerwärmung bringt die neuen, tropischen Zeckenarten nach Deutschland. Eine davon heißt Hyalomma-Zecke, auch Riesenzecke genannt. Die Zeckengattung kommt laut RKI in der Regel in Teilen Asiens und Afrikas sowie in einigen Regionen Südosteuropas vor. Sie gelangen demnach mit Hilfe von Zugvögeln nach Deutschland. Diese neue Zeckenart kann teils lebensbedrohliche Krankheiten wie das Krim-Kongo-Fieber übertragen. Dagegen gibt es bisher keine Impfungen.
Allerdings trägt nicht jede Hyalomma-Zecke das Virus in sich. Die Zecken müssen das Virus zuvor von einem infizierten Tier aufgenommen haben. In Deutschland kommt das Virus bei Wild- oder Nutztieren nicht vor.
Hyalomma-Zecken sind hierzulande laut RKI nach wie vor sehr selten. Weiter steigende Temperaturen könnten dazu beitragen, dass auch hierzulande langfristig eine Hyalomma-Population entsteht.
Wo kann ich Zecken melden?
Um herauszufinden, wie aktiv neue Zeckenarten sind, untersucht der Nabu, wo sie vorkommen und welche Tiere sie befallen. Dafür startete die Organisation eine Mitmach-Aktion. Wer beim Spazieren oder danach eine Zecke sieht, kann diese nun fotografieren und dem Nabu melden.
Dem Robert-Koch-Institut kann man sogar ganze Zecken schicken. Und das geht so.
Aber Achtung! Zecken bitte immer zuerst entfernen - und dann fotografieren und melden.