Geplante Reform des Bundesverkehrsministeriums

Mit dem Simulator zum Führerschein: Was Fahrlehrer davon halten

Theorieunterricht per App, Sonderfahrten am Simulator, eine kürzere Fahrprüfung: Der Bundesverkehrsminister will die Kosten für den Führerschein senken. Erleichterung bei vielen Familien auch in Rheinland-Pfalz - doch Fahrlehrer sind skeptisch.

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Alternativen zum Führerschein gibt es für junge Menschen wie Julius nur wenige. Der 17-Jährige aus Rheinhessen ist froh, dass seine Eltern den Führerschein bezahlen. 3.400 Euro kostet der im bundesweiten Durchschnitt, auch für seine Familie eine Belastung. "Urlaube haben wir in diesem Jahr nicht wirklich gemacht", so Julius.

"Gerade im ländlichen Raum entscheidet der Führerschein oft darüber, ob man Chancen wahrnehmen kann oder nicht", sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) am Donnerstag in Berlin. Mobilität bedeute gesellschaftliche Teilhabe und dürfe "kein Privileg sein". Die Kosten müssten deshalb spürbar sinken, ohne Abstriche bei der Verkehrssicherheit zu machen.

Lernplattform statt Schulungsraum: Fahrlehrer skeptisch

Die Reform der Fahrschulausbildung sieht vor: Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll abgeschafft werden und es soll weniger Prüfungsfragen geben. Es soll zudem möglich sein, sich das Wissen vollständig digital anzueignen - etwa über eine App oder eine Lernplattform. Der Unterricht muss nicht mehr im Klassenraum stattfinden, sondern kann digital angeboten werden. Das heißt, Fahrschulen müssten keine Schulungsräume mehr bereithalten.

Doch reduziert das wirklich den Aufwand für die Fahrschulen und damit die Gesamtkosten? Fahrschulinhaber Alex Stein ist skeptisch: "Ich brauche digitale Kameras, ich muss es in einem Raum durchführen, ich brauche die Software für das Digitale. Im Moment ist die Software auch mehr auf Präsenzunterricht ausgelegt. Also muss diese auch geändert werden. Das kostet genauso viel Geld."

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Änderungen in der praktischen Fahrausbildung

Laut Schnieders Reform sollen auch die verpflichtenden Sonderfahrten - Nachtfahrten, Autobahnfahrten, Überlandfahrten - reduziert und teilweise an einem Simulator absolviert werden können. Sowieso sollen die Fahrschulen verstärkt Simulatoren einsetzen.

Auch hier ist Fahrschulinhaber Alex Stein offenbar nicht überzeugt: Der Simulator ersetze "nicht das Fahren draußen auf der Straße. Das ist doch nicht das Licht, das von der Seite kommt. Das ist nicht das Licht, das mir entgegenkommt."

Unterstützung bekommt Stein von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände: "Wir haben die große Sorge, dass dieser Ansatz, der jetzt angedacht ist, ein richtig großer Einschnitt in die Verkehrssicherheit bedeuten kann", sagte Vize-Vorsitzender Kurt Bartels am Freitag dem Bayerischen Rundfunk. So kritisierte Bartels den Vorschlag, den theoretischen Unterricht komplett online anzubieten. "Der Verkehr ist ein Sozialsystem und es gibt viele Dinge, die haben mit Verhalten und Einstellung zu tun. Und das kann ich online nicht vermitteln", sagte er.

ADAC Mittelrhein sieht Chance durch Simulatoren

Der ADAC Mittelrhein findet die Pläne dagegen gut und hat auch nichts gegen den Simulator. "Aus unserer Sicht ist der Einsatz von Simulatoren durchaus sinnvoll", sagte ADAC-Sprecher Raymund Bley dem SWR. "Diese leisten inzwischen so viel, dass Verkehrssituationen im Simulator durchaus geübt werden können. Auch die Entschlackung des Fragenkatalogs ist absolut sinnvoll."

Vergleichbarkeit von Fahrschulen online

Künftig sollen zudem Kosten und Durchfallquoten aller Fahrschulen online einzusehen sein. "Damit schaffen wir echte Vergleichbarkeit und echten Verbraucherschutz", so Bundesverkehrsminister Schnieder. Die vorgelegten Eckpunkte sollen nun mit den Ländern und der Branche weiterentwickelt werden. Ziel sei, die rechtlichen Änderungen im ersten Halbjahr 2026 "auf den Weg zu bringen".

RLP

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SWR