Eine bezahlbare Wohnung zu finden, bedeutet oft viel Geduld und Glück. In Gundelfingen haben 70 Menschen einen anderen Weg gefunden, um möglichst bezahlbar zu wohnen. Sie sind Teil des "Mietshäuser Syndikats". Ein Hausbesuch:
Das Wohnprojekt "Allmende Gundelfingen": An der Haustür fängt es an
Am Rande von Gundelfingen steht ein viergeschossiges Gebäude, neuer Holzbau, viele große Fenster und Balkone. Das Wohnprojekt nennt sich "Allmende Gundelfingen". Hier wohnt Jens Schindler mit seiner Familie.
Was an der Eingangstür des großen Hauses direkt auffällt: Das Wohnen beginnt direkt hier, also nicht erst an den einzelnen Wohnungstüren. Denn hier gibt es eine große Garderobe für alle und sogar Hausschuhe für Gäste.
Ich kann mir leisten, so zu wohnen, wie ich will, weil ich meine Miete hier auch senken kann.
Weniger Geld, mehrere Generationen - alles unter einem Dach
Im Haus selbst wohnen unterschiedliche Generationen zusammen: Familien, Ehepaare, und auch Wohngemeinschaften. Jeder hat eine eigene private Wohnung im Haus.
Jens Schindler wohnte zuvor mit seiner Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die wurde irgendwann zu klein. Bei ihrer Suche nach einer neuen Wohnung sind sie auf das Freiburger Wohnprojekt gestoßen, das sie direkt überzeugt hat.
"Es wird mit sehr wichtigen Bedürfnissen wie Wohnen sehr viel Geld verdient", sagt der 34-Jährige. Ein Miethäuser-Syndikat-Projekt setze sich da dagegen, weil es eben nur so teuer sei, wie es sein muss. "Da verdient niemand Geld dran“, sagt Schindler.
Mieterbund: Mieten steigen in Stuttgart um fast 80 Prozent
Freiburg gehört mit Stuttgart und Heidelberg zu den zehn teuersten Städten in Deutschland. In Stuttgart sind die Mieten laut Mieterbund in 14 Jahren um fast 80 Prozent gestiegen. Ein Grund, warum Mieten so teuer sind: Es gibt viel zu wenig Wohnungen - laut Sozialverbänden fehlen alleine in Baden-Württemberg fast 200.000.
Bei "Zur Sache! Baden-Württemberg" Was tun gegen 200.000 fehlende Wohnungen in BW?
In BW fehlen etwa 200.000 Wohnungen. Vor der Landtagswahl haben Vertreter mehrerer Parteien in der SWR Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" erläutert, wie sie das Problem lösen wollen.
Wohnprojekt in Freiburg: Finanzierung durch Privatkredite
Das Haus in Gundelfingen ist Teil des "Mietshäuser Syndikats". Das Syndikat ist ein Zusammenschluss von selbstständigen Hausprojekten aus ganz Deutschland. Die Finanzierung ist besonders, denn um an das nötige Eigenkapital für das Haus zu kommen, haben mehrere Privatpersonen mit kleineren und größeren Krediten in das Projekt investiert. Nicht nur Bewohnerinnen und Bewohner wie Jens Schindler, sondern auch andere Personen. Als Privatperson in solche Projekte zu investieren könne im Fall einer Insolvenz aber riskant sein, warnen Verbraucherschützer.
Den Hauptteil der Finanzierung machen laut Allemende Gundelfingen Förderkrediten von Bund und Land aus. Zum Beispiel Kredite, die sozialen Wohnbau fördern. Mit der Miete wird die Tilgung und die Zinsen der Kredite abbezahlt.
Wohnungen nur so groß, wie nötig
Es gibt zwei Gründe, warum die die Miete hier günstiger ist. Der Erste: Die Wohnungen sind nur so groß, wie es nötig ist. "Es gibt ganz klare Regeln", sagt Jens Schindler. Die Größe der Wohnungen seien festgelegt und an denen von Sozialwohnungen orientiert. Seine Familie hat beispielsweise eine Vier-Zimmer-Wohnung - weil sie zu viert sind. Dazu gehört ein eigenes Bad und ein Wohn- und Essbereich.
Teilen für eine günstigere Miete: Mietenhöhe wird durch Bieterrunde festgelegt
Der zweite Grund für die günstigere Miete: Hier wird fast alles geteilt. Besonders, wenn es um die Miete geht. "Dann gibt es eine Bieterrunde und jeder sagt, wie viel er zahlen kann. Und dann gucken wir, ob es passt, ob es aufgeht. Wenn es nicht aufgeht, gibt es noch eine Runde", sagt Schindler.
Bisher hätten sie immer eine Lösung gefunden. Schindler zahlt für die Wohnung seiner Familie inklusive Nebenkosten und Internet 1.300 Euro - für 82 Quadratmeter. Im Vergleich zu den gängigen Wohnungspreisen in Freiburg ist das günstiger.
Viele Gemeinschaftsräume und einen eigenen Supermarkt
Weil hier viel geteilt wird, gibt es im Haus daher zahlreiche Gemeinschaftsräume - zum Beispiel große Wohnzimmer mit Sofas, Leseecken oder Tischen. Für Kinder gibt es ein eigenes Spielezimmer, den sie "Toberaum" nennen.
Es gibt auch eine große Gemeinschaftsküche mit einer Ausstattung, die an eine professionelle Küche erinnert. In dieser wird zweimal in der Woche gemeinsam gekocht. Das Haus hat sogar einen eigenen Supermarkt im Keller. Hier gibt es rund um die Uhr unter anderem Nudeln, Linsen und Mehl.
Günstig wohnen aber nur mit Engagement
Wer hier Teil der Gemeinschaft sein möchte, muss sich auch engagieren, denn das Haus organisiert sich selbst. "Wir haben uns in verschiedene Gruppen unterteilt, der eine macht Öffentlichkeitsarbeit, der andere kümmert sich um die Finanzen, wieder andere kümmern sich um das soziale Miteinander", sagt Jens Schindler. Im Haus gibt es beispielsweise auch Putzdienste für die Gemeinschaftsbäder.
Ein wichtiger Termin ist das Hausplenum. Hier werden Probleme besprochen ob zum Beispiel die Kinder im Foyer nun Inliner fahren dürfen, oder nicht oder ob in den Gästezimmern weiterhin keine Tiere erlaubt sein sollen. Spätestens im Plenum bekommt man das Gefühl in einer großen WG zu wohnen.
Und es gebe noch einen Vorteil, sagt Jens Schindler: "Solange ich mich jetzt hier nicht ganz daneben benehme, kann mich hier niemand rausschmeißen", und ergänzt, "aktuell kann ich sagen, ich kann mir leisten, so zu wohnen, wie ich möchte. Weil ich wohne hier tatsächlich so, wie ich möchte."