Schwimmwindel, Chlor und Grenzwerte

Kot und Erbrochenes im Freibad: Wie Bäder in BW das Wasser nach einem Missgeschick reinigen

Wir kühlen uns im Freibad ab und verdrängen gern, was alles in das Wasser gelangt - etwa wenn ein Kind keine Schwimmwindel trägt. Wie das Becken gereinigt wird und wer das zahlt.

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Von Autor/in Samantha Ngako

Wo Menschen sind, können Missgeschicke passieren. So gelangt ins Schwimmbad mitunter etwas, das dort nicht hin gehört. Zum Beispiel wurden im Ludwigsburger Freibad vergangene Woche das Nichtschwimmer- und das Planschbecken gesperrt - "aufgrund einer Verunreinigung durch Fäkalien". Das bestätigten die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) dem SWR auf Anfrage.

Auf die Frage hin, wie oft es in diesem Jahr insgesamt bereits vorgekommen ist, dass Stuhlgang oder Erbrochenes ins Wasser gelangt sind, sagten die Stadtwerke dem SWR, dass es in diesem Jahr "im Freibad bislang zweimal zu einem derartigen Vorfall" kam. Dabei habe es sich ein Mal um Fäkalien und ein Mal um Erbrochenes gehandelt. Im vergangenen Jahr seien solche Vorfälle häufiger aufgetreten, etwa drei Mal so oft. Dabei sei es mehr um Fäkalien gegangen, seltener um Erbrochenes. Und: Unangenehme Vorfälle dieser Art passieren nicht nur den Kleinsten: "Dies kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen vorkommen", so die SWLB. Dem Landesgesundheitsamt (LGA) liegen keine Zahlen dazu vor, wie oft Exkremente ins Wasser eines Bades in Baden-Württemberg gelangen. Aber klar ist: Vorfälle dieser Art können überall passieren und sind Bestandteil des Badebetriebs.

"Man muss das ein bisschen dramatisieren"

Für solche Fälle hat Maik Uliczek sein eigenes Konzept entwickelt. Er ist Schwimmmeister im Freibad in Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) und hat 36 Jahre Berufserfahrung. Dabei geht es ihm darum, die Leute aufmerksam zu machen, damit sie in der Hinsicht "fürsorglicher sind". Es sei früher öfter vorgekommen, dass Kot im Wasser war. "Vor zehn Jahren war es noch regelmäßig", so Uliczek.

Schwimmeister Maik Uliczek im Freibad in Wangen im Allgäu.
Maik Uliczek ist Schwimmmeister und arbeitet im Freibad in Wangen im Allgäu. privat

Er habe sich überlegt, wie er das in den Griff bekomme. "Wenn so etwas passieren sollte, müssen alle Leute aus dem Wasser raus. Man muss das ein bisschen dramatisieren, damit die Leute auch sehen, das ist nicht gut, was da passiert." 400 bis 500 Leute müssten also das Becken verlassen. "Dann bauen wir unseren großen Absauger auf und dieser Absauger saugt die Fäkalien auf. Und da lassen wir uns auch Zeit, dass die Leute auch wirklich merken, wenn das passiert, können wir nicht schwimmen gehen, das dauert jetzt eine halbe Stunde."

Während er dieses Problem in Schach halten kann, kämpft der Schwimmmeister noch mit einem "Unverständnis der Bürger", konkret mancher Eltern: "Die pinkeln an jede Ecke hin mit den Kindern", so Uliczek. Er wundert sich, warum stattdessen nicht die naheliegenden Toiletten verwendet werden - und sucht das Gespräch.

Was sollte ich tun, wenn mein Kind versehentlich ins Wasser gemacht hat?

"Ein Malheur kann passieren", so die SWLB. Sie teilten mit, dass so etwas "umgehend dem Badepersonal gemeldet werden" sollte, "damit sofort entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können".

Welche gesundheitlichen Gefahren bestehen bei solchen Verunreinigungen?

Den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim zufolge besteht das "Risiko einer Infektion, beispielsweise mit Coli-Bakterien". Durch die schnelle Meldung "und die sofort eingeleiteten Maßnahmen" könne dies jedoch verhindert werden. Das LGA antwortete dem SWR, dass in der Regel keine gesundheitlichen Gefahren bestünden, wenn die Verunreinigungen "zeitnah entfernt werden".

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Wie handelt das Badpersonal, wenn jemand ins Wasser gemacht hat?

"Insbesondere im Planschbecken kommt es vor, dass Verunreinigungen im Schwimmbecken entdeckt werden", teilte die Stadt Mannheim auf SWR-Anfrage mit. In solchen Fällen werde das Becken umgehend vorübergehend gesperrt "und die Verunreinigung wenn möglich mit einem speziellen Reinigungsgerät aus dem Becken entfernt". Das Beckenwasser werde anschließend hochgechlort und die Filter rückgespült. Wenn die Wasserparameter wieder den Vorgaben entsprechen, werde das Becken zur Nutzung freigegeben. Nur in seltenen Fällen von starker Verunreinigung könne es vorkommen, dass das Beckenwasser komplett ausgetauscht werden müsse.

Auch bei der SWLB wird das betroffene Becken sofort gesperrt und die Badegäste werden informiert. "Anschließend wird der Chlorgehalt von 0,6 Milligramm pro Liter Wasser auf 7,0 Milligramm pro Liter erhöht", also auf mehr als das Zehnfache. "Der Beckenboden wird mit dem Beckenbodensauger gereinigt. Das Wasser wird mindestens sechs Stunden lang hochgechlort, umgewälzt und gefiltert", so die SWLB. Zusätzlich werden demnach die Filter rückgespült und Frischwasser zugeführt. Abschließend werde mit Natriumsulfat der Chlorgehalt wieder auf das normale Niveau abgesenkt. Erst dann dürfen die Badegäste wieder ins Wasser.

Was kostet es, ein Becken zu reinigen?

Die SWLB teilt auf SWR-Anfrage mit, dass die Reinigung des Beckens rund 300 Euro kostet, zuzüglich Personalkosten. Diese Kosten würden vom Betreiber, den SWLB, übernommen. "Zudem bedeutet eine solche Sperrung auch immer einen Verlust an guter Laune bei den Gästen und Personal", so die SWLB. Auch in Wangen im Allgäu wird die Reinigung laut Schwimmmeister Uliczek nicht in Rechnung gestellt.

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Kann ich sicher sein, dass das Wasser wieder sauber ist nach der Reinigung?

Die SWLB betont, dass ihre Badegäste dank des umfassenden Reinigungs- und Desinfektionsverfahrens "absolut sicher sein" könnten, dass das Wasser wieder sauber und hygienisch ist. Ein kompletter Wasseraustausch sei nicht erforderlich.

Auch die Stadt Mannheim erklärte auf SWR-Anfrage, dass die Wasserqualität auch bei hohem Besucherandrang immer gesichert ist. Die Qualität des Beckenwassers werde mehrmals täglich anhand von bestimmten Wasserparametern überwacht. "Dabei wird u.a. geprüft, ob zu jedem Zeitpunkt ausreichend Chlor zur Desinfektion im Wasser vorhanden ist", teilte eine Sprecherin mit.

Das Landesgesundheitsamt teilte außerdem mit, dass pro Badegast und Tag eine ausreichende Frischwassermenge zugeführt werden muss. Das sind, wie Schwimmmeister Uliczek aus Wangen im Allgäu betonte, 30 Liter Frischwasser pro Badegast, die neu eingespeist werden müssen.

Jedes Bad muss 30 Liter Frischwasser zuspeisen für den Badegast.

Uliczek verweist darauf, dass Chlor alles abtötet. "Wenn Kot im Wasser ist, reden wir von Coli-Bakterien. Und da gibt es ein Richtmaß, wie viele drinnen sein dürfen."

Urin kann unbemerkt ins Wasser gelangen, was ist damit?

Nach Angaben der SWLB wird Urin durch das Chlor desinfiziert. "Zusätzlich sorgen regelmäßige Kontrollen, Filterspülungen und Wasseraufbereitungsmaßnahmen dafür, dass die Wasserqualität stets einwandfrei ist", so die SWLB. Das LGA erklärte, dass Urin in der Regel keine pathogenen Keime enthalte und es somit aus mikrobiologischer Sicht kein großes Risiko darstelle. "Jedoch reagieren Bestandteile des Urins mit dem Chlor im Badewasser, was zur Bildung von Nebenprodukten führt, wie zum Beispiel Chloraminen, welche die Ursache für den typischen Schwimmbadgeruch sind und Augen- und Schleimhautreizungen auslösen können", so das LGA. Wenn das Schwimmbeckenwasser "entsprechend den Vorgaben der DIN 19643 aufbereitet und desinfiziert ist", werde das ins Wasser gelangte Urin gebunden und über die Aufbereitung abgetrennt.

"Freies wirksames Chlor ist frei", sagte Schwimmmeister Uliczek dem SWR. "Das heißt, es kann noch Harnstoff binden. Sobald es dann gebunden ist, heißt es gebundenes Chlor." Dann habe es keine Fläche mehr frei, um Harnstoffe zu binden. Dazu zählen laut Uliczek Schweiß und Urin. "Schweiß ist eine große Nummer in Freibädern, ganz klar, deswegen wird das schnell gebunden", so Uliczek. Wenn der Schwimmmeister das jemandem erklärt, nimmt er gern das Katzenklo als Beispiel: "Das ist wie ein Katzenstreu. Wenn die Katze da reinpinkelt, saugt das irgendwann nichts mehr auf, dann riecht das ganze Katzenklo." Dann müsse man das Streu auswechseln - und so sei es in Bädern auch. "Sie müssen wieder frisches Chlor reinbringen, freies Chlor, dass es wieder wirken kann. Und da muss halt die Umwälzleistung und die Chlordosierung stimmen", so Uliczek.

Wenn das sehr stinkt im Hallenbad und die Augen jucken, dann ist das wie Katzenstreu getränkt mit Urin.

Was hilft, um zu vermeiden, dass das Wasser verunreinigt wird?

Die SWLB verweist darauf, dass Schwimmwindeln von großer Bedeutung sind, "da sie helfen können, eine Beckensperrung zu vermeiden". Es gelte die Aufsichtspflicht der Eltern. Wichtig sei, die Hygieneregeln einzuhalten - auch das Duschen vor dem Baden. Mit Blick auf weitere Tipps für Eltern zum sicheren Schwimmbadbesuch verweist das LGA auf Infoseiten des Umweltbundesamtes.

Wie kontrollieren die Gesundheitsämter die Wasserqualität in Bädern in BW?

Das LGA überwache gemeinsam mit den Gesundheitsämtern vor Ort, "dass die gesetzlichen Vorgaben (Infektionsschutzgesetz; IfSG) und die anzuwendenden Regeln der Technik (DIN 19643)" von den Badbetreibern eingehalten werden. "Die Gesundheitsämter kontrollieren nur stichprobenhaft die Wasserqualität. Die Betreiber selbst sind zur Eigenkontrolle (täglich physikalische Betriebsparameter und monatlich mikrobiologische Parameter) und zu entsprechender Dokumentation verpflichtet", teilte das LGA auf SWR-Anfrage mit. Bei akuten Verunreinigungen seien die Kontrollen gemäß der Empfehlung des Umweltbundesamtes sofort durchzuführen.

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Samantha Ngako
SWR-Redakteurin Samantha Ngako

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