Seit mehr als 70 Jahren steht Walter Betz auf dem Tennisplatz. Vor allem als Trainer. Er ist 91 Jahre alt und eine Institution in seinem Tennisverein, dem TC Tübingen. Noch heute trainiert er fast täglich auf der Anlage am Neckar. Seine Schüler sind sowohl Kinder als auch Rentner. Und die scheucht der 91-Jährige ganz schön herum.
Walter Betz möchte, dass sich seine Schüler anstrengen
"Schön rangehen. Du musst etwas näher zum Ball gehen. Ganz locker, ganz locker. Mehr durchziehen." So klingen Walter Betz' Anweisungen, während er einen Ball nach dem anderen präzise über das Netz schlägt. Immer wieder greift er in den Korb mit den gelben Filzbällen. Seine Schülerinnen sollen sich anstrengen. Sie schwitzen und stöhnen. Die Frauen sind fast 40 Jahre jünger als er.
Wenn Walter Betz trainiert, findet er klare Worte. "Geh ran!" ruft er dann auch mal energisch. Das hört man dann auf fast allen 13 Plätzen der Tennisanlage. Betz bringt seit über 70 Jahren den Leuten Tennis bei. Schlagtechnik und Körperhaltung sind ihm wichtig. Der Ton müsse stimmen und der Treffpunkt richtig sein, sagt Betz, der schon viele Talente trainiert hat.
Schülerin von Betz: Trainer scheucht sie über den Platz
Eine der Schülerinnen ist Marie-Sophie Kasten. Sie schätzt den "alten Mann", wie Betz sich lachend selber nennt, sehr. Der würde noch ordentlich rumspringen und einen über den Platz scheuchen. Und er könne die Bälle noch gut platzieren.
Der sieht jeden Fehler und lässt einem nichts durchgehen. Dadurch verbessert man sich total.
Ohne Walter Betz gäbe es nicht so viele gute Spielerinnen und Spieler beim TC Tübingen, einem der größten Tennisclubs in Baden-Württemberg. Dort ist er seit 76 Jahren Mitglied. Fast täglich ist Betz auf der Anlage. Alle kennen ihn und sein Einkaufs-Wägelchen mit den Bällen und Schlägern.
"Lebendes Inventar" des TC Tübingen
"Er ist sozusagen das lebende Inventar des TC Tübingen", sagt Präsident Martin Fahrner stolz. Betz sei viel mehr als nur Trainer. Der Walter sei hier zuhause. "Er wird überall umarmt, geht rein in die Geschäftsstelle, trinkt einen Kaffee. Er macht unsere Briefkästen, wenn wir mal im Urlaub sind. Für alles fühlt er sich verantwortlich", so Fahrner. Auch für einen Schwatz mit anderen Spielern zwischen den Trainerstunden nimmt er sich Zeit.
Früher war Betz, der als selbstständiger Repro-Fotograf gearbeitet hat, auch als Spieler erfolgreich und hat an Turnieren teilgenommen. Zum Beispiel an den Württembergischen Meisterschaften. Angefangen hat das mit dem Tennis bei bei ihm 1945 - als Balljunge. Heute sammelt er als Trainer die Bälle mit ein. Dafür ist er sich nicht zu schade.
Fit in hohem Alter durch viel Disziplin
Aber wie kann man in so hohem Alter noch so fit sein? Durch viel Disziplin, sagt der 91-Jährige. Jeden Morgen mache er Gymnastik - noch im Pyjama, sagt er schmunzelnd. Dann schwingt er sich auf's Fahrrad - ohne Motorunterstützung! Damit fährt er auch die drei Kilometer zum Tennisclub. "Ich bin eigentlich nie krank", sagt Betz.
"Einfach locker durchschwingen!", schallt es auf der Tennisanlage. Walter Betz gibt wieder Tennisstunden. An's Aufhören denkt er nicht. "Ich habe immer noch riesen Spaß".