"Geht nicht. Das ist unmöglich." - Antworten wie diese hörte Uwe aus Stuttgart immer wieder. Denn sein Reiheneckhaus hat nur einen sehr kleinen Garten, auch vor dem Haus ist kein Platz für eine Wärmepumpe. Doch die Gasheizung war in die Jahre gekommen. Und gern wollte der Stuttgarter Hausbesitzer in eine hocheffiziente Wärmepumpe investieren. Also sprach er auf einer Fachmesse Heizungsspezialisten und Energieberater an, schilderte immer wieder sein Problem - bis er fündig wurde.
Wärmepumpe aufs Dach montiert: Neue Technik stieß erst einmal auf Zurückhaltung
Ein Montagmorgen in Stuttgart-Möhringen. Im Dach eines Reihenhauses klafft ein Loch. Vor dem Gebäude steht ein Kran, lässt in luftiger Höhe einen schwarzen Kasten mit einem eingebauten Ventilator einschweben: das Außengerät einer Wärmepumpe, also der Teil einer Wärmepumpe, der bei anderen vor oder hinter dem Haus steht, und für das bei ihm kein Platz war.
"Wir sind die ersten in Baden-Württemberg, die diese Technik einsetzen", sagt Michael Friedrich von dem Stuttgarter Unternehmen RegioTherm. Zu Beginn habe es eine gewisse Zurückhaltung gegeben, so Friedrich. Doch nachdem das Unternehmen vor rund anderthalb Jahren die erste sogenannte EQ-Air-Anlage eingebaut und dann zunehmend auf Referenzkunden verweisen konnte, sei das Interesse immer größer geworden. Gerade in eng bebauten Stadtteilen wie zum Beispiel dem Stuttgarter Westen, aber auch in anderen Orten drumherum sei die Nachfrage mittlerweile groß.
Wärmepumpe auf Dach: "Leise und elegant versteckt"
Neben der Platzfrage habe die Dachmontage einen weiteren Vorteil. Das Geräusch, das durch den Ventilator einer Wärmepumpe entsteht, trifft nicht auf eine Wand oder andere Bebauungen, es kann nach oben abstrahlen. "Das heißt, es gibt kaum eine Geräuschbelästigung", so Friedrich. Dazu komme, dass die im Dach verbauten Sole-Wärmepumpen etwas leiser als herkömmliche Luft-Wasser-Wärmepumpen seien. Friedrich sagt: "Die Technik verschwindet elegant auf dem Dach. Außerdem ist die EQ-Air besonders leise."
In dem Reihenhaus in Stuttgart-Möhringen gab es bislang eine Gaszentralheizung. Diese war im Dachgeschoss untergebracht. Und genau an dieser Stelle wird nun die Inneneinheit der neuen Wärmepumpe aufgebaut und mit dem Dachmodul verbunden. Hausbesitzer Uwe ist danach sehr zufrieden: "Die Monteure waren sehr professionell. Der ganze Zauber hat am Montagmorgen angefangen und war am Mittwochmittag fertig. Nach 24 Stunden hatten wir wieder warmes Wasser."
Technik im Container Wärmepumpe statt Gas: Vonovia rüstet in Stuttgart 60 Wohnungen in wenigen Stunden um
Der Umstieg von einer Öl- oder Gasheizung auf eine Wärmepumpe kann aufwendig sein. Anders in Stuttgart. Dort hat Vonovia ein System mit Wärmepumpen in Containern vorgestellt.
Mehrkosten für Kran und Dachdecker
Die Dachmontage bietet sich nicht für jedes Gebäude an. Die Installation auf dem Dach ist laut RegioTherm etwa 2.000 bis 3.000 Euro teurer - vor allem wegen der Kosten für Kran, Gerüst und Dachdeckerfirma. Dazu kommt, dass ein Großteil der Gebäude ihre Heizung im Keller hat. In so einem Fall müsste man Rohre von dem Dachmodul bis in den Keller legen. Das sei aufwändiger, könne aber oft auch über den Schornstein geschehen, so der Architekt und Energieberater Ralf Chevalier vom EBZ, dem Energieberatungszentrum Stuttgart.
Besonders geeignet sei die Lösung aber vor allem für Gebäude, bei denen sich bislang eine Gaszentralheizung im Dach befindet. "Es gibt viele Reihenhaussiedlungen ab den 80er-Jahren, wo man die Gastherme aus Kostengründen in eine kleine Kammer unters Dach gepackt hat." Dort kann man die Gasheizung aus und an selber Stelle das Innengerät der Wärmepumpe einbauen. So wie das auch bei Uwe in Stuttgart gemacht wurde.
Weitere Einsatzmöglichkeiten für Wärmepumpen
Die Dachmodule beziehungsweise "Dachhauben", wie sie Energieberater Chevalier nennt, verändern nicht grundsätzlich den Wärmepumpenmarkt, vielmehr seien sie ein weiterer Baustein für besondere Situationen, sagt der Stuttgarter Energieberater. Denn damit könne Wärmepumpentechnik auch dort eingesetzt werden, wo eine herkömmliche Außenaufstellung aufgrund von Platzmangel, Schallschutzanforderungen oder der dichten Bebauung kaum möglich ist.