Rund 600 Teilnehmende

"Lebendiges" Windrad in Herrenberg gebildet: neuer Weltrekord

Warum bilden 600 Menschen in Herrenberg am Sonntag bei größter Hitze ein Windrad? Sie wollen einen neuen Weltrekord aufstellen. Aber nicht nur. Sie haben auch eine Mission.

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Von Autor/in Kerstin Rudat

In Herrenberg (Kreis Böblingen) ist am Sonntagnachmittag auf der Festwiese ein Weltrekord-Versuch gelungen: 598 Menschen haben sich so aufgestellt, dass sie zusammen ein Windrad darstellten. Mehrere Windkraft-Initiativen hatten zu der Aktion aufgerufen.

Den Rekord hielt Österreich seit 2017

Österreich hat seither den Rekord gehalten, nachdem sich 2017 260 Personen in Wien versammelt und in Form eines Windrades aufgestellt hatten. Den Rekord aus Österreich wollte die Aktionsgemeinschaft aber nicht nur mit der Anzahl der Personen übertreffen: In Herrenberg sollte sich das Windrad auch tatsächlich in Bewegung setzen. Also alle Menschen, die die Flügel bildeten, sollten sich synchron in Bewegung setzen, so als würde sich der Propeller drehen. Dies ist auch gelungen.

Getragen wurde die Aktion von den Initiativen Rückenwind Herrenberg, Windkraft Böblingen, ProWindkraft Neckar-Alb, der Energiegenossenschaft Erneuerbare Energien eG, Pro Wind Sulz am Neckar, der Teckwerke Bürgerenergie Genossenschaft und noch mehreren anderen befreundeten Organisationen.

Veranstalter: "Der Hitze-Tag zeigte: Wir brauchen Eneuerbare Energien"

"Total genial! Wir fühlen uns fantastisch! Das war einer der schönsten Tage in unserem Leben", sagt Mitorganisator Florian Klebs von ProWindkraft Neckar-Alb nach der Aktion euphorisch. "Mit dem lebendigen Windrad wollten wir ein Zeichen setzen für Windkraft als saubere und günstige Zukunftsenergie", erklärt er. "Und wir haben mit der Aktion gezeigt, was passiert, wenn eine ganze Menge Menschen zusammenhält und gemeinsam ein Ziel verfolgt."

Die Hitze sei schon problematisch gewesen. Man habe aber viele Schattenspender aufgestellt, eine Nebeldusche und Zeitungshüte gefaltet. "Aber der Tag selbst mit der großen Hitze zeigt: Wir brauchen die Erneuerbaren Energien", sagt Klebs. Denn der Klimawandel sei massiv, es brauche Alternativen zu den alten Energieträgern und -formen. "Da können wir ja nicht nur zuschauen."

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Windkraft ist nicht nur im Kreis Böblingen, sondern in weiten Teilen Baden-Württembergs umstritten. Viele Menschen stehen dieser Form von Energiegewinnung skeptisch bis ablehnend gegenüber. Er habe von Windkraftgegnern aus Ingersheim gehört, die ihre Haltung geändert hätten - das seien teils sogar Menschen gewesen, die neben dem Windrad wohnen. Er sei der Meinung, man müsse noch viel mehr davon bauen, denn das sei die Zukunft, findet Klebs. 

Daher werben die an der Aktion beteiligten Initiativen auch für Betreibermodelle, bei denen Bürgerinnen und Bürger vor Ort finanziell direkt von den Einnahmen profitieren können oder sogar selbst Betreiberinnen und Betreiber von Windrädern werden können. In der Region Stuttgart wurde im April die Teilfortschreibung des Regionalplans für Windkraft beschlossen. Jetzt geht es um die konkreten Standorte. Im Kreis Böblingen war ein interkommunales Projekt für einen kleinen Windpark zuletzt gescheitert.

Stern-Radfahrt von zehn Punkten bis nach Herrenberg

Für die Aktion waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hauptsächlich von zehn Startpunkten aus in einer Sternfahrt per Fahrrad nach Herrenberg gekommen. So beteiligten sich nicht nur Menschen aus der Region Stuttgart, sondern auch aus Reutlingen, Tübingen, aus dem gesamten Remstal und dem Schönbuch.

Vor Ort gab es zusätzlich ein kleines Fest mit Musik und Kulinarik sowie einer Bastelaktion für Kinder. Einige Redner und Rednerinnen waren dabei, und die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) sprach ein Grußwort.

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Kerstin Rudat
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