Nach einer Auseinandersetzung mit vielen Beteiligten auf dem Cannstatter Volksfest am späten Montagabend erheben Schaustellerinnen und Schausteller nun Vorwürfe gegen die Polizei. Die Polizistinnen und Polizisten hätten völlig unangemessen reagiert, sagte Schausteller Michael Zimmermann dem SWR. Er kritisiert unter anderem, dass er in Handschellen abgeführt worden sei, obwohl er zuvor mit seinen Händen in den Hosentaschen im Zelt gestanden habe und nichts getan habe. Auch andere Schaustellerinnen und Schausteller üben Kritik am Verhalten der Polizisten.
Inzwischen ist Strafanzeige gegen die Polizei erstattet worden. Das hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf SWR-Anfrage mitgeteilt. Demnach liege eine Strafanzeige wegen unverhältnismäßigen Handelns von Polizeibeamten vor. Diese werde nun geprüft, heißt es.
Vorfall auf dem Wasen: Was war geschehen?
Am Montagabend hatten sich einige Dutzend Schaustellerinnen und Schausteller in einem Festzelt getroffen, um sich einen schönen Abend zu machen. So schildert es Michael Zimmermann dem SWR. Bei der Feier seien aber nicht nur Schaustellerinnen und Schausteller und deren Angehörige, sondern auch rund 40 andere Wasen-Besucherinnen und -Besucher dabei gewesen, die nichts mit den Schaustellerinnen und Schausteller zu tun hätten, so Zimmermann. Der Abend endete mit einem Großeinsatz der Polizei. Die Polizei nahm elf Menschen vorläufig fest, darunter auch Michael Zimmermann.
So hatte der SWR am Tag danach über den Vorfall berichtet:
Cannstatter Wasen: Polizeimeldung am Tag danach
In einer Meldung der Polizei vom Tag danach hieß es: "Ersten Erkenntnissen zufolge gerieten Angehörige von Schaustellerbetrieben gegen 23:45 Uhr aus bislang unbekannter Ursache in einen Streit. Als Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes eingriffen und Hausverbote aussprachen, richteten sich die Gewalttaten gegen diese, weshalb Einsatzkräfte der Polizei hinzukamen. Offenbar sollen sich die beteiligten Personen zunehmend gegen die Polizisten und Sicherheitsmitarbeiter solidarisiert und diese angegriffen haben, sodass die Beamten Pfefferspray einsetzen mussten. Insgesamt acht Polizeibeamte und vier Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes erlitten leichte Verletzungen."
Schausteller Zimmermann: Kritik an der Polizei
Michael Zimmermann hat den Abend ganz anders in Erinnerung. Warum die Polizei überhaupt ins Zelt kam, weiß er nicht. Die Rede ist von einem Streit zweier Frauen vor den Toiletten. Als die Polizei kam, hätten er und seine Bekannten sich noch unterhalten und getanzt, erinnert sich Zimmermann. Die Polizistinnen und Polizisten hätten dann mehrere Schausteller festgenommen und seien unangemessen vorgegangen. Zum Beispiel hätten sie seine Frau gewürgt und einen anderen jungen Mann mit den Knien auf den Boden gedrückt. Zimmermann räumt aber auch ein, dass seine Frau sich gegen die Polizei gewehrt habe. Dennoch: "Es hat gewirkt, als wäre es für die Polizei eine Trainingsarena", sagt Zimmermann. Er beklagt, dass von den Polizistinnen und Polizisten niemand deeskalierend eingewirkt habe.
Gewerkschaft stellt sich hinter die Beamten
Die Stuttgarter Polizei will zu den Vorwürfen von Michael Zimmermann und den anderen Schaustellerinnen und Schaustellern aktuell nichts sagen und verweist auf das laufende Verfahren und die Ermittlungen der Polizei gegen die Schausteller in der Sache. Das teilte ein Polizeisprecher dem SWR auf Nachfrage mit.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) geht davon aus, dass die eingesetzten Einsatzkräfte professionell gehandelt haben. Das teilte der Landesvorsitzende Ralf Kusterer auf SWR-Anfrage mit. Er glaubt, dort habe "keine freundschaftliche sanfte Begegnung" stattgefunden. "Wer Polizeibeamte angreift, kann nicht damit rechnen, dass die Polizeibeamten erst einmal die Samthandschuhe anziehen", führt er aus.
Es gehöre zum beruflichen Alltag für Polizisten auf dem Wasen, mit betrunkenen Besuchern Sachverhalte klären zu müssen. Körperliche Auseinandersetzungen mit Schaustellern seien eine Seltenheit, änderten aber nichts am polizeilichen Auftrag, so Kusterer.