Besuch von Kultusministerin Schopper

Mannheimer Elisabeth-Gymnasium ist Teil des "Startchancen-Programms"

Mit dem Startchancen-Programm will das baden-württembergische Kultusministerium Bildungsgerechtigkeit fördern. Das einzige Gymnasium, das daran beteiligt ist, steht in Mannheim.

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Von Autor/in Laura Uzupyte

Das Elisabeth-Gymnasium (kurz "EG") in den Mannheimer Quadraten war 1863 das zweite Gymnasium überhaupt in der Stadt. Heute ist es eins von neun. Die Schulgemeinde ist so vielseitig wie Mannheim selbst. Mehr als drei Viertel der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund, viele kommen aus sozial benachteiligten Familien. Direktorin Manuela Weiss-Schröder wünscht sich, dass die Schülerinnen und Schüler sich ohne diesen "Stempel" voll entfalten können.

Das Elisabeth-Gymnasium Mannheim
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) zu Besuch im Mannheimer Elisabeth-Gymnasium

Das EG nimmt als einziges Gymnasium in Baden-Württemberg am Startchancen-Programm teil. Wie die Fördermittel eingesetzt werden, ist laut Schule nach einem konkreten Konzept erarbeitet worden. Wie das aussieht, hat die Schule am Mittwochvormittag unter anderem Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne), Mannheims Landtagsabgeordnetem Stefan Fulst-Blei (SPD) und anderen Gästen vorgestellt. Schopper hat sich nach eigner Aussage selbst eingeladen, weil sie "verwundert war, dass ein Gymnasium am Programm" teilnimmt.

Wir sind stolz darauf, als einziges Gymnasium dabei zu sein, und freuen uns auf den Austausch mit den anderen Schulformen.

Elisabeth-Gymnasium Mannheim: Konzept mit "Clubzeit"-Dienstag

Nach Angaben des EG bekommen seit dem Beginn des Startchancen-Programmes alle Klassen der Stufen fünf bis zehn jeweils eine Stunde Förderunterricht in Deutsch und Mathematik sowie eine Stunde "Clubzeit". Letzteres sind bewertungsfreie Stunden, ausgerichtet auf die aktuellen Bedürfnisse der verschiedenen Altersstufen - zum Beispiel "Medien und GFS", "Technik und IT", "grüne Schule" oder "Tischtennis". Die "Clubzeit" ist aus einem Gespräch der Schulleiterin mit einer Schülerin entstanden.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) zu Besuch am Elisabeth-Gymnasium in Mannheim.
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) zu Besuch am Elisabeth-Gymnasium in Mannheim: Hier beim Förderunterricht Mathematik.

Laut Direktorin ist das Elisabeth "in Englisch besser als der Landesdurchschnitt, aber dafür schlechter in Mathematik". Daher können die Schüler auch im Förderunterricht Mathematik "üben, wiederholen und individuell an ihren Schwächen arbeiten". In kleinen Gruppen trauen sich die Schüler viel mehr zu fragen und erfreuen sich dann an ihren Erfolgen.

Die Schüler am Elisabeth-Gymnasium: Bunt wie Mannheim selbst

Zuhause sprechen die meisten Kinder in ihrer Muttersprache oder gar in mehreren Sprachen. Sie übernehmen oft das Dolmetschen für ihre Eltern. Die Fachsprache und die deutsche Aussprache sind für viele die größte Herausforderung, wie sie den Politikern erzählen. Viele müssen erst die Schamgrenze überwinden. In Förderstunden wie "BISS - Bildung durch Sprache und Schrift" können Hürden in kleinem Kreis abgebaut werden.

Wichtig ist es, den Schülern nicht die Autonomie zu nehmen, sondern ihnen etwas zuzutrauen und sie anzustupsen.

"Mir haben Freunde sehr geholfen, die mich korrigiert haben", erzählt Loujin, deren Eltern aus Syrien stammen. Sie ist in Ungern aufgewachsen. Dalina, deren Eltern aus dem Kosovo stammen, findet: "Es ist toll, dass wir als Gymnasium beim Programm dabei sind, und ich hoffe, dass das eine nachhaltige Wirkung hat". Beide Zehntklässlerinnen setzen sich als Schulsprecherinnen ein.

Elisabeth in Mannheim: Das etwas andere Gymnasium

Gemüseanbau im Klassenzimmer oder Radfahren während des Unterrichts in der Unterstufe - das Gymnasium geht viele Dinge anders an. "Klar haben wir auch Haudegen, aber wir reagieren direkt, weil wir eine kleine Schule sind", erzählt die Schulleiterin nach dem Rundgang. Derzeit besuchen Kinder aus mehr als 20 Nationen das EG. Die Klassengröße liegt bei ca. 25 Schülern, die Oberstufenkurse sind kleiner. In der Regel alles nur zweigliedrig. Die Schulgröße sei das Elisabeth-Erfolgsgeheimnis.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) probiert die Deskbikes am Elisabeth-Gymnasium in Mannheim.
Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) probiert die Deskbikes aus. Am Elisabeth-Gymnasium in Mannheim gibt es seit dem Schuljahr 2020/21 sechs Deskbikes, die mehr Bewegung in den Unterricht bringen sollen - vorerst in der Unterstufe.

Das Startchancen-Programm BW

In den kommenden zehn Jahren sollen mit dem Startchancen-Programm etwa jeweils 1,3 Milliarden Euro aus Bundes- und Landesmitteln an baden-württembergische Schulen fließen. Und zwar an die Schulen, die die Unterstützung am nötigsten haben. 60 Prozent davon sind Grundschulen, da sie die Basis des Bildungsweges ausmachen.

Im Schulamtsbezirk Mannheim nehmen 48 Schulen an dem Programm teil. Hauptziel ist es, die Zahl derjenigen Schülerinnen und Schüler zu halbieren, die die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik verfehlen. Alle sollen so gleiche Chancen auf Bildung erhalten - unabhängig von individuellen Faktoren wie Herkunft, Religion oder Geschlecht. Direktorin Manuela Weiss-Schöder sieht bereits erste kleine Erfolge nach sechs Monaten: "Das Gemeinschaftsgefühl ist vor allem gewachsen."

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Laura Uzupyte
SWR-Reporterin Laura Uzupyte aus Mannheim