Gespräch mit Bundespräsident Steinmeier im Schloss Bellevue

Mannheimer Fotograf Toscano hat Bundesverdienstkreuz zurückgegeben

Der Mannheimer Fotograf Luigi Toscano hat sein Bundesverdienstkreuz zurückgegeben - aus Protest. Im Schloss Bellevue wurde er von Bundespräsident Steinmeier empfangen.

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Luigi Toscano, Fotograf aus Mannheim, hat am Dienstagmittag in Berlin sein Bundesverdienstkreuz zurückgegeben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte ihn dafür im Schloss Bellevue empfangen. Mit der Rückgabe der Auszeichnung will Toscano gegen die Bundestagsabstimmung Ende Januar protestieren, bei der die AfD der Union und der FDP im Bundestag zu einer Mehrheit verholfen hatte. Der Fotograf, der das Bundesverdienstkreuz für seine Serie von großformatigen Porträts Holocaust-Überlebender bekommen hatte, hatte diesen Schritt unmittelbar nach der Abstimmung angekündigt. Er ist Träger der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Auch sein Freund, der 99-jährige Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg, habe ihn beauftragt, sein Verdienstkreuz am Bande mit abzugeben.

Respektvolles Gespräch mit Bundespräsident Steinmeier

Bundespräsident Steinmeier habe nicht versucht, ihn umzustimmen, so Toscano. Der Bundespräsident hatte den Fotografen am Dienstag empfangen und sich mit ihm zusammengesetzt. Es sei ein angenehmes und respektvolles Gespräch gewesen. Dabei konnte Luigi Toscano seine Entscheidung nochmals begründen. Es sei ihm auch wichtig gewesen, zu sagen, dass er sich - trotz der Rückgabe - weiterhin für seine Werte und die Demokratie einsetzen werde. Im Schloss Bellevue durfte er sich in ein Buch eintragen und schrieb: "Vielen Dank, Herr Präsident." Auch wenn der Moment nicht einfach gewesen sei, fühle er sich erleichtert, das Bundesverdienstkreuz zurückgegeben zu haben.

Ich muss zugeben, obwohl die nichts wiegen, waren sie doch sehr schwer. Es war schon eine Last und der Moment war nicht einfach.

Toscano: Werte hinter dem Bundesverdienstkreuz bleiben

Die Entscheidung des Mannheimer Fotografen und des Holocaust-Überlebenden schmerze den Bundespräsidenten, sagte Luigi Toscano nach dem persönlichen Treffen in Berlin. Steinmeier habe aber auch betont, dass er diese Entscheidung akzeptiere. Die Würdigung und die Werte, die hinter der Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz stehen, blieben weiterhin bestehen. Das habe ihm der Präsident im Gespräch vermittelt, so Toscano weiter. Es sei ihm wichtig gewesen, seinem Freund, dem Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg gegenüber loyal zu sein.

Teilnahme an Demonstration in Ostfriesland

Toscano hatte Weinberg am Samstag in dessen Heimat im ostfriesischen Leer besucht. Dort nahmen beide gemeinsam an einer Demonstration für Vielfalt und Toleranz teil. Toscano schob Weinberg in einem Rollstuhl. Weil Weinberg zu gebrechlich sei, konnte dieser nicht persönlich zum Bundespräsidenten reisen und habe Toscano sein Bundesverdienstkreuz am Bande mitgegeben. Steinmeier habe aber angekündigt, mit Weinberg telefonieren zu wollen.

Die Reaktionen auf seine Ankündigung, das Bundesverdienstkreuz zurückzugeben, seien immens gewesen, sagte Toscano dem SWR. Er habe sehr viel positiven Zuspruch bekommen - auch international. Er sei beeindruckt, dass so viele Menschen auf die Straße gehen, um ein Zeichen zu setzen. In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Demonstrationen gegeben, bei denen gefordert wurde, eine "Brandmauer" zur AfD aufrecht zu erhalten - unter anderem in Mannheim.

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