Der Andrang war groß am Donnerstagmorgen vor der Pforte des Salzbergwerks in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn). Hunderte Besucherinnen und Besucher waren angereist, um nach fünfjähriger Pause wieder 180 Meter tief in das Erbe des Salzabbaus einzutauchen. Zu den ersten Gästen gehört Florian Pivit aus Heilbronn, der mit Tochter und Sohnemann zum Salzbergwerk gekommen ist.
"Der Jüngste interessiert sich sehr für alles, was kracht und sich bewegt, große Motoren und Technik." Seinen Kindern möchte er aber auch die Geschichte hinter dem Salzabbau näherbringen. "Wir versuchen ihnen zu zeigen, woher die Dinge kommen, die wir täglich konsumieren", sagt Pivit.
Auch Maria Heinrich ist gemeinsam mit ihrem Sohn extra aus Heidelberg angereist. "Früher waren wir jeden zweiten Sonntag hier", erzählt sie.
"Wir waren sehr froh über die Wiedereröffnung. Die Luft im Bergwerk tut der Gesundheit meines Sohnes einfach gut."
Schließung des Besucherbergwerks aufgrund gefährlicher Substanzen
Fünf Jahre lang war das Besucherbergwerk in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) wegen krebserregender Substanzen in der Luft geschlossen. Während der Corona-Sperrung waren krebserregende Nitrosamine entdeckt worden, die durch "aminbelastete Abfallstoffe" aus Gießereien entstanden. Diese Abfälle werden nun nicht mehr im Bergwerk entsorgt. Um die gefährliche Nitrosaminbelastung in den Griff zu bekommen, musste das Bergwerk gründlich gereinigt und belüftet werden, erklärt Vorstandsmitglied Natascha Groll dem SWR.
Schnelles Stoßlüften, wie man das zu Hause machen würde, ist im Bergwerk so nicht möglich.
Nach umfangreichen Untersuchungen gab es im Dezember 2024 endlich Entwarnung: Die Messungen zeigten, dass die Nitrosaminbelastung mittlerweile kein Problem mehr darstellt, sodass das Bergwerk wieder geöffnet werden konnte. Mit einem Förderkorb werden die Besucher jetzt wieder in nur 30 Sekunden in die Tiefe befördert. Multimediale Themenstationen, sogenannte Kuben, erklären die Entstehung und wirtschaftliche Nutzung von Salz oder laden zu interaktiven Experimenten ein.
Technikbegeisterte kommen in der Hightech Kammer auf ihre Kosten. Hier wird etwa die Arbeit des sogenannten "Continuous Miner" erklärt, einer der weltweit größten Bergbaumaschinen, die 2006 die mechanische Salzgewinnung revolutionierte.
Mahnmal unter der Erde
Abseits der technischen Aspekte erinnert ein besonders stiller Bereich an ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Bergwerks: Die Gedenkstätte KZ-Kochendorf mahnt an die Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen, die hier während des Zweiten Weltkriegs verrichtet wurde.
Den architektonischen Höhepunkt setzt der Kuppelsaal, eine Art unterirdischer Dom, in dem Licht und Gestein aufeinandertreffen. Für den finalen Adrenalinkick sorgt die 40 Meter lange Rutsche.