In der Nähe der abgebrannten Ruinen der fünf Häuser hätte eigentlich am Donnerstagabend in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) ein "Markt on Tour" stattfinden sollen. Ein geselliges Beisammensein, um die lauen Sommerabende bei einem Getränk und guter Gesellschaft zu genießen und dem Einzelhandel eine Bühne bieten.
Doch Party machen, dort, wo vor etwa einem Monat 35 Menschen ihre Wohnung verloren haben? Das geht nicht, sagt Thomas Herr, Citymanager in Villingen-Schwenningen. Die Entscheidung sei gemeinsam mit den Gewerbetreibenden in dem Bereich der Villinger Innenstadt getroffen worden.
Wir machen jetzt keine Party hier in der Straße, in der 35 Personen ihre Wohnung oder ihr Haus verloren haben.
Viele der Geschäfte in diesem Bereich sind entweder direkt oder indirekt von dem Feuer betroffen. Auch die anhaltende Straßensperrung im Bereich der teils komplett abgebrannten Häuser sei ein Problem für die Logistik und Sicherheit gewesen, begründet Projektleiterin Cinja Schwer die Entscheidung. Doch statt den Markt einfach nur zu verschieben, hat sich die WIR GmbH gemeinsam mit der regionalen Wirtschaftsförderung und einigen Freiwilligen zum Ziel gesetzt, weitere Spenden für die betroffenen Familien zu sammeln.
Stadtführungen auf Spendenbasis
Dafür haben professionelle Stadtführerinnen und Stadtführer aus Villingen-Schwenningen im Rahmen der Spendenveranstaltung ganz besondere, kurze Stadtführungen entworfen, "zu Themen, die man vielleicht noch nicht so kennt. Also auch Villinger noch nicht so kennen", so Schwer. Angeboten wurden unter anderem Touren durch den Villinger Kaiserturm, die Benediktinerkirche mit Johann-Andreas-Silbermann-Orgel von 1752 und auch an der Brigach führte eine der Stadtführungen entlang.
Bezahlt wurde, so viel man wollte. "Es können fünf Euro, es können zehn Euro sein oder es können fünfzig Euro sein - jeder so, wie er will. Aber jeder Cent zählt", erklärt Schwer das Konzept für den Abend. Dieses Motto galt auch für die Getränke und die Pizza aus einem Foodtruck, da die Anbieter zugunsten der Opfer auf ihren Umsatz verzichteten. "Also das ist schon eine tolle Sache", betont Citymanager Herr. "Vielleicht kommen ja auch einige von den Gaffern vorbei, die die Einsatzkräfte damals behindert haben und machen es mit einer Spende wieder gut."
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Bei einem Großbrand in der Villinger Innenstadt wurden am Samstagabend sechs Gebäude beschädigt. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen. 35 Personen sind von dem Feuer betroffen.
Insgesamt 4.300 Euro sind so zusammengekommen. Geld, das nun über eine gemeinnützige Organisation an die Betroffenen weitergegeben werden soll - "und zwar jeder Cent", so Schwer.
Erste Spendengelder an Opfer ausbezahlt
Bereits am Abend des Brandes gingen erste Spendenangebote bei der Stadt ein. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in Villingen-Schwenningen war groß. Rund 79.000 Euro kamen auf dem Konto des DRK Ortsverbands Villingen für die Betroffenen zusammen, so Detlev Bührer, Vorsitzender des Ortsverbands und Baubürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen.
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Nach dem verheerenden Brand in der Villinger Altstadt ist die Hilfsbereitschaft groß. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet. Währenddessen suchen Ermittler nach der Brandursache.
Erste Beträge seien auch schon an jene ausbezahlt worden, deren Existenz Mitte Juni innerhalb kürzester Zeit den Flammen zum Opfer gefallen war. Die Auszahlung erfolgt in zwei Phasen, so Bührer. In der ersten Phase hat jede Person 750 Euro ausbezahlt bekommen - auch Kinder wurden berücksichtigt.
In einer zweiten Phase wird nun das restliche Geld verteilt. Dazu werde mit den Betroffenen gesprochen und geschaut, wie sie das Geld ausbezahlt bekommen können. "Wenn ein Kind zum Beispiel eine neue Schulausstattung braucht, dann kann die Familie auch direkt in einen Laden gehen und dort einkaufen. Wir bezahlen dann die Rechnung", erklärt Bührer.
Spenden gehen nur an Bedürftige
Auch weil in Villingen-Schwenningen Gerüchte kursieren, nach denen auch die Hausbesitzer Spendengelder ausbezahlt bekommen, ist es Detlev Bührer besonders wichtig zu betonen: "Die Spenden werden nur an Betroffene ausbezahlt, die Hausbesitzer kriegen nichts". Außerdem spielt auch die Bedürftigkeit eine Rolle. Ab einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 5.000 oder mit mehr als 15.000 Euro Vermögenswerten ist man nicht mehr berechtigt. Das hat in zwei Fällen zugetroffen, so Bührer. Das Geld wird dann zusätzlich an die berechtigten Personen verteilt.
Betroffene hatten keine Hausratsversicherung
Umso wichtiger dürften daher die Spenden für die restlichen Betroffenen sein, denn fast niemand von ihnen hatte eine Hausratsversicherung, so Bührer. Daher liege es ihm besonders am Herzen, noch einmal einen ganz herzlichen Dank an die Spender und Unterstützer zu richten.