Neue Funde in Todtnauberg

Krebserregende Stoffe: 5.000 Tonnen Straßenaufbruch in Bernau entsorgt

Weil Grenzwerte überschritten wurden, musste Bernau tausende Tonnen Straßenaufbruch entsorgen. Auch in Todtnauberg sorgt gelagertes Material für Diskussionen.

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Von Autor/in Christof Gerlitz

An mehreren Orten im Schwarzwald sind hochgiftige Materialien in gewaltigen Mengen im Boden entdeckt worden. Teilweise werden die Problemstoffe unrechtmäßig in Wäldern oder auf Wiesen entsorgt. Umweltschützer schlagen deshalb Alarm.

Gefährliche Stoffe aus alten Straßen

Vier Meter tief ist das riesige Loch, das jetzt auf einer Wiese am Ortsrand in Bernau (Kreis Waldshut) klafft. In der idyllischen Schwarzwaldlandschaft ist das wie eine Wunde, die nicht zu übersehen ist. Mindestens 5.000 Tonnen Straßenaufbruch mussten hier bislang abgetragen und entsorgt werden. Und wahrscheinlich sei das noch nicht alles, sagt Umweltschützer Dieter Berger. Er steht tief unten in der Grube und schüttelt immer wieder mit dem Kopf.

Ich bin geschockt, weil hier so tief gegraben werden musste. Also da muss was ganz Gewaltiges im Busch sein.

Es geht um Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), hochgiftig für die Umwelt und krebserregend für den Menschen. Das Umweltbundesamt spricht in dem Zusammenhang von Stoffen, die besonders besorgniserregend seien. PAK findet sich, hochkonzentriert, vor allem in Teer. Und überall dort, wo jetzt alte Straßen aufgerissen werden - zum Beispiel beim Glasfaser- oder Fernwärmeausbau - kommen sie an die Oberfläche.

Vergiftete Böden in Bernau und Todtnauberg

Das Problem: Die Entsorgung ist so teuer und aufwendig, dass die Reste alter Straßen nicht selten irgendwo im Wald oder auf einer Wiese abgekippt werden. Die betroffenen Kommunen und die zuständigen Behörden scheinen oft ahnungslos.

Lange passierte überhaupt nichts

Dieter Berger hat den PAK in Bernau schon vor zwei Jahren nachgewiesen mit einem speziellen Spray. Weißer Schaum, der sich intensiv gelb färbt, wenn das Material belastet ist. Der Umweltschützer hat immer wieder Meldung gemacht, die Verantwortlichen mehrfach informiert, doch passiert sei lange nichts.

Vergiftete Böden in Bernau und Todtnauberg
Wenn das Material belastet ist, färbt sich der weiße Schaum gelb.

Auf Anfrage des SWR äußert sich erstmals der Bürgermeister der Gemeinde Bernau, Alexander Schönemann (parteilos). Auch er steht für das Gespräch vor Ort in der tiefen Grube und räumt Fehler ein.

Wenn ich mich hier umschaue, dann sehe ich natürlich das reine Elend. Hier ist einiges ziemlich schief gelaufen.

Verantwortlich, sagt Bürgermeister Schönemann, sei ein Bauunternehmer, der das Material aus dem Straßenbau hier ohne Genehmigung abgekippt habe. Der Bauunternehmer sei inzwischen insolvent. Der Bürgermeister befürchtet deshalb, dass seine Gemeinde auf den Kosten für die Entsorgung sitzen bleibt. Es geht um mehrere hunderttausend Euro.

Und das Gift? Eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit habe nicht bestanden, sagt das Landratsamt Waldshut, das zuständig ist für die Kontrolle und Aufsicht. Der PAK in Bernau sei nicht wasserlöslich. Und inzwischen würden die Grenzwerte eingehalten. Mehr Material müsse nicht entsorgt werden.

Auch in Todtnauberg findet Berger schwarze Brocken

Dieser Darstellung widerspricht Umweltschützer Dieter Berger vehement, denn er findet im Boden noch immer teerhaltige schwarze Brocken. Nicht nur in Bernau, sondern zuletzt auch in Todtnauberg (Kreis Lörrach).

Vergiftete Böden in Bernau und Todtnauberg
Wanderparkplatz in Todtnauberg

Auf einem beliebten Wanderparkplatz liegt dort, gut sichtbar, Straßenaufbruch. Großflächig angehäuft am Waldrand. Dazwischen: Beton, Plastikbänder, Teile von Rohren, Kabel, auch die schwarzen Brocken, Asphalt, Bitumen, Teer. Und wieder schüttelt Umweltschützer Berger entsetzt mit dem Kopf: "Das ist die übelste Art von Straßenaufbruch, die man sich überhaupt denken kann. Da ist so viel PAK-Material drin."

Zuständig ist der Bürgermeister der Stadt Todtnau, Oliver W. Fiedel (parteilos). Der reagiert schriftlich auf die Anfrage des SWR: "Das Material ist nicht unkontrolliert abgelagert. Es wurde vor der Anlieferung ordnungsgemäß beprobt", heißt es. Es handele sich nicht um Abfall, sondern um verwertbares Bodenmaterial. Die Vermutung, dass Straßenaufbruch und PAK-belastetes Material abgelagert, verarbeitet oder eingebaut werde, lasse sich von Seiten der Stadt Todtnau nicht bestätigen.

Auf dem Wanderparkplatz in Todtnauberg stehen inzwischen zwei große Baumaschinen. Sie lassen erkennen, dass hier demnächst planiert werden soll. Die verdächtigen Haufen verschwinden dann. Misstrauen und Zweifel aber werden bleiben - nicht nur bei Umweltschützern.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christof Gerlitz
Onlinefassung
David Pister
David Pister arbeitet als multimedialer Reporter im SWR Studio Freiburg.

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