Busse und Bahnen stehen erneut still

ver.di-Streik: 1.500 Beschäftigte demonstrieren in Freiburg

Im Rahmen des ver.di-Streiks sind am Donnerstag hunderte Beschäftigte des öffentlichen Dienstes auf die Straße gegangen. Der Nahverkehr in Freiburg stand weitgehend still.

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Stand

Von Autor/in Paulina Flad, Jan Lehmann

Um ihre Forderungen im aktuellen Tarifstreit zu untermauern, haben am Donnerstagmittag laut Polizei rund 1.500 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Freiburg demonstriert. Unter den Teilnehmenden waren auch Erzieherinnen und Erzieher sowie Forstmitarbeiter, die mit lauten Kettensägen protestierten. Den ganzen Tag über wurden zudem erneut Busse und Straßenbahnen in Freiburg bestreikt.

Es ist bereits das vierte Mal, dass die Busse und Bahnen der Freiburger Verkehrs AG (VAG) in diesem Jahr still stehen werden. Für Donnerstag hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten im öffentlichen Dienst erneut zu einem Warnstreik aufgerufen. In Südbaden ist ein zentraler Streiktag geplant in allen Bereichen, also etwa in der Stadtverwaltung, Kitas, Schwimmbädern und eben auch im kommunalen Nahverkehr.

Straßenbahnen und Busse bleiben in den Depots

Am Donnerstag fahren laut VAG in Freiburg keine Stadtbahnen und nur einzelne Busse. Von den Omnibuslinien in Freiburg fahren nur die Linien 15 und 32. Außerdem verkehren etwa die Hälfte der Busse auf den Linien 24, 33 und 34, weil diese von privaten Unternehmen betrieben werden. Alle anderen Buslinien der VAG fahren demnach nicht. Der Streik dauert von Betriebsbeginn bis Betriebsschluss.

Laut VAG werden alle stattfindenden Fahrten in der elektronischen Fahrplanauskunft stehen. Ein Notfallfahrplan sei nicht möglich. Auch das Kundenzentrum Pluspunkt und das VAG-Fundbüro bleiben geschlossen.

Ein junger Tramper hofft auf eine Mitfahrgelegenheit in Freiburg-Littenweiler
"Es nervt total" - dieser junge Mann musste am Donnerstagmorgen nach Freiburg-Günterstal fahren. Wegen des Streiks versuchte sein Glück per Anhalter. Anita Westrup

In die Freiburger Innenstadt kommen Fahrgäste laut VAG nur über die Haltestellen der Breisgau-S-Bahn, wie etwa Freiburg-Littenweiler oder Freiburg-Wiehre, über innerstädtische Stopps des Regionalverkehrs der Deutschen Bahn oder mit einigen Linien der im Umland fahrenden Busgesellschaften. Der bereits vierte Streiktag war in Freiburg am Donnerstagmorgen für viele Schüler und Pendler eine Belastungsprobe. Einige äußerten sich dem SWR gegenüber verärgert. "Wir müssen halt dann laufen und wenn es regnet, wird mein Schulranzen voll nass", sagt ein Schüler. Eine Passantin findet es nervig, "weil es auf unseren Rücken ausgetragen wird und ich habe nicht das Gefühl, dass sich etwas ändert."

ver.di fordert acht Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaft ver.di fordert ein Lohn-Plus von acht Prozent, mindestens aber 350 Euro mehr im Monat und höhere Zuschläge für besonders belastende Tätigkeiten. Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 200 Euro monatlich angehoben werden. Außerdem fordert die Gewerkschaft drei zusätzliche freie Tage.

Baden-Württemberg

Tarifstreit im öffentlichen Dienst Stillstand in mehreren Städten: So lief der vorerst letzte Streiktag in BW

Gestreikt werden soll laut der Gewerkschaft ver.di am Freitag unter anderem in der Region Stuttgart sowie in Ulm. Zudem beginnt die dritte Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt.

Bei der Verhandlungsrunde Mitte Februar hatte es keine Annäherung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern gegeben. Verhandelt wird für insgesamt 2,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen in Deutschland. Eingeschlossen sind zahlreiche Berufsgruppen, darunter auch Erzieherinnen und Erzieher, Krankenpfleger, Busfahrerinnen oder Feuerwehrleute. In Baden-Württemberg sind nach Angaben des Kommunalen Arbeitsgeberverbands (KAV) insgesamt 385.000 Beschäftigte direkt von den Tarifverhandlungen betroffen.

ver.di-Sekretärin äußert Verständnis für Frust bei den Fahrgästen

Melanie Kühn, ver.di-Gewerkschaftssekretärin für den Bezirk Südbaden-Schwarzwald, zeigte Verständnis für Ärger bei Fahrgästen. "Wir verstehen das total", so Kühn. Man treffe bei Streiks im öffentlichen Dienst immer die unbeteiligte Bevölkerung. Gleichzeitig machte sie aber die Arbeitgeber verantwortlich, die auch in der zweiten Verhandlungsrunde "immer noch kein Angebot vorgelegt" hätten. Kühn schloss weitere Warnstreiks nicht aus.

VAG hat kein Verständnis für anhaltende Warnstreiks

Die VAG-Vorstände Oliver Benz und Stephan Bartosch kritisieren die anhaltenden Warnstreiks als "vollkommen unverhältnismäßig". "Wir haben keinerlei Verständnis, dass man in so kurzer Zeit zum vierten Mal zum Streik aufruft auf dem Rücken der Fahrgäste", so Oliver Benz. Der VAG-Vorstand verweist auf Lohnsteigerungen für die ÖPNV-Branche in den vergangenen Jahren und kritisiert, dass der von ver.di angestrebte Tarifabschluss zu millionenschweren Mehrkosten führen würde.

Wir haben keinerlei Verständnis, dass man in so kurzer Zeit zum vierten Mal zum Streik aufruft auf dem Rücken der Fahrgäste.

Andererseits bekennt Benz auch, dass es auf Bundesebene noch kein Angebot von Arbeitgeberseite gebe. "Da erhoffen wir uns, dass ein bisschen Bewegung in die Sache kommt", sagt der VAG-Vorstand.

Warnstreiks in ganz BW

In ganz Baden-Württemberg werden seit Anfang der Woche unterschiedliche Bereiche des öffentlichen Dienstes bestreikt. Die nächste Verhandlungsrunde im laufenden Tarifkonflikt findet vom 14. bis zum 16. März in Potsdam statt.

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Die Gewerkschaft ver.di hatte auch am Dienstag wieder zu Warnstreiks im öffentlichen Dienst aufgerufen. In der Region Bodensee-Oberschwaben waren besonders Konstanz und Singen betroffen.