Es war eine kuriose Entdeckung, die eine Frau im August an einem Altglascontainer in Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) gemacht hat. Eine Flasche in der Form des Eiffelturms mit mehreren toten Seepferdchen. Inzwischen steht fest: Rund 30 Seepferdchen waren in der Flasche. Die für Tierschutzdelikte zuständige Abteilung des Polizeipräsidiums Freiburg ermittelt in dem Fall.
Haben die Seepferdchen noch gelebt?
Wie die Polizei mitteilt, ist zu befürchten, dass die Seepferdchen lebendig oder gerade erst verendet durch den engen Flaschenhals in die Flasche gesteckt wurden. Woher die Tiere kamen, könne die Polizei zurzeit noch nicht sagen. Sie geht allerdings davon aus, dass sie an einem Strand im Ausland aufgesammelt und in den Schwarzwald gebracht wurden.
Zoll warnt vor Urlaubsmitbringseln
Die Ein- und Ausfuhr von Seepferdchen in die und aus der Europäischen Union (EU) ist streng geregelt. Dafür ist eine Genehmigung der Artenschutzbehörde eines EU-Mitgliedsstaates erforderlich. Selbst für tote Exemplare ist eine Genehmigung des Herkunftslandes nötig. Waren die Tiere als Urlaubssouvenir gedacht?
Zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten rät der Zoll dringend davon ab, Tiere oder Pflanzen als Souvenirs aus dem Urlaub mit nach Hause zu nehmen. Touristen trügen so - meist unwissend - dazu bei, dass der Bestand vieler Arten weltweit gefährdet sei. Selbst Korallenbruchstücke, die am Strand gefunden wurden, solle man im Urlaubsland belassen. Um nichts falsch zu machen, bietet der Zoll für Privatpersonen wichtige Informationen zu geschützten Tieren und Pflanzen.
Wer trotzdem geschützte Tiere, Pflanzen oder daraus hergestellte Produkte - etwa Mäntel, Medikamente oder Cremes - mitbringt, riskiert mehr als nur die Beschlagnahme am Zoll. Es drohen Geldbußen und strafrechtliche Konsequenzen.
Polizei ermittelt in Titisee-Neustadt Frau findet Flasche mit toten Seepferdchen
An einem Altglascontainer in Titisee-Neustadt ist eine Flasche mit toten Seepferdchen abgestellt worden. Die Tierart ist streng geschützt. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen.
Seepferdchen brauchen Sauerstoff - und spezielle Bedingungen
Seepferdchen sind selten und stehen unter strengem Artenschutz. Daher seien auch gewerbliche Kontrollen ziemlich streng, erklärt Jörg Terberger, Biologe und Aquaristik-Experte aus Freiburg. Wenn er als Händler Seepferdchen an Privatpersonen verkauft, dann müsse er genau dokumentieren, von wo sie kommen und wohin sie gehen.
Auch die Haltung ist anspruchsvoll: Seepferdchen benötigen laut Terberger ein speziell abgestimmtes Meerwasseraquarium mit Korallen und Pumpe – denn sie sind auf eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr angewiesen. Für den professionellen Transport brauche es eine spezielle Verpackung: etwa ein Drittel Wasser und zwei Drittel reiner Sauerstoff in einer thermisch isolierten Transporttüte. Unter diesen Bedingungen können Seepferdchen bis zu 48 Stunden gut überleben, so der Experte.
Tote Seepferdchen in Titisee-Neustadt: Geld- oder Haftstrafe erwartet
Mögliche Zeugen in Titisee-Neustadt werden weiterhin gebeten, sich mit Hinweisen zu den toten Seepferdchen an die Polizei zu wenden. Das Töten streng geschützter Tierarten wird nach dem Bundesnaturschutz- und Tierschutzgesetz mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet.
Dass exotische Tiere lebendig gefunden werden, sei nicht ungewöhnlich. Doch ein Fall wie dieser sei selten, heißt es von Seiten des Polizeipräsidiums Freiburg. Die Frau habe sich genau richtig verhalten, als sie die Polizei verständigt hat.