Nach der Ankündigung verschärfter Sicherheitsmaßnahmen beim Europa-League-Heimspiel des SC Freiburg gegen Maccabi Tel Aviv am 22. Januar (18:45 Uhr) will die aktive Fanszene des SC Freiburg das Spiel boykottieren.
Mehrere Ultragruppierungen des SC Freiburg mit insgesamt Hunderten von Mitgliedern haben angekündigt, dem Heimspiel fernzubleiben. Ausschlaggebend seien die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und zusätzliche Einschränkungen durch den Verein.
Besonders kritisieren die Fans das Verbot von Fahnen, Zaunfahnen und Spruchbändern außerhalb der Südtribüne. Diese Maßnahmen griffen massiv in fankulturelle Freiheiten und die Meinungsäußerung ein. Der mittlere C-Block auf der Südtribüne werde deshalb leer bleiben. Zugleich distanzieren sich die Fans ausdrücklich von politischer Instrumentalisierung und betonen, dass sich der Boykott nicht gegen die Mannschaft richte.
SC kündigt besonders gründliche Einlasskontrollen an
Die Partie ist nach Angaben des Vereins "kein gewöhnliches Spiel" und gilt als Hochrisikobegegnung. Stadionbesucherinnen und -besucher müssen deshalb deutlich mehr Zeit einplanen, teilte der SC Freiburg am Donnerstag mit.
Intensive Kontrollen, längere Warteschlangen: Darauf müssen sich die Fans vor dem Europa-League-Spiel am Donnerstag einstellen. Der SC Freiburg bittet darum, ausschließlich den auf der Eintrittskarte angegebenen Eingang zu nutzen. Taschen und Rucksäcke sind im Stadion nicht erlaubt, außerdem werden stichprobenartig Metalldetektoren eingesetzt. Fahnen und Banner dürfen nur auf der Südtribüne und im Gästefanbereich gezeigt werden. Die Tageskassen bleiben geschlossen, Tickets gibt es ausschließlich für Mitglieder. Wegen angekündigter Demonstrationen und des Feierabendverkehrs rät der SC Freiburg, für die Anreise deutlich mehr Zeit einzuplanen.
Monatelange Vorbereitungen auf Heimspiel gegen Tel Aviv
Nach eigenen Angaben bereitet sich der SC Freiburg schon seit Monaten auf das Heimspiel vor - eng abgestimmt mit Polizei, Behörden und weiteren Stellen. Der Verein spricht von einem "umfassenden Sicherheitskonzept". In die Planungen sind auch externe Fachleute eingebunden, darunter der Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, Michael Blume, sowie die Initiativen "what matters" und "Zusammen1". Außerdem steht der SC Freiburg im Vorfeld des Spiels im Austausch mit der aktiven Fanszene.
Das Heimspiel gegen Maccabi Tel Aviv ist für den SC Freiburg sportlich sehr wichtig. Aufgrund der politischen Situation und den dadurch notwendigen Sicherheitsvorkehrungen ist es aber kein gewöhnliches Europa-League-Spiel.
SC und Stadt Freiburg gegen anti-israelische Petition
Schon Wochen vor der Partie gegen Maccabi Tel Aviv haben einige Freiburger Stimmung gegen den israelischen Verein gemacht. Ein Bündnis forderte in einer Online-Petition den Ausschluss israelischer Auswärtsfans - begründet wurde das mit dem Krieg im Gazastreifen. Rund 1.400 Menschen haben die Petition bislang unterschrieben, allerdings ohne Aussicht auf Erfolg. Der SC Freiburg stellte sich klar dagegen.
"Der SC Freiburg steht für eine gelebte Fankultur und das verbindende Element des Fußballs - gerade in einem europäischen Club-Wettbewerb. Ein Ausschluss von Fußball-Fans stellt für uns aus diesem Grund grundsätzlich keine geeignete Maßnahme dar", sagte ein Vereinssprecher bereits im November. In der Vereins-Charta ist zudem festgehalten, dass Rassismus und Antisemitismus im Stadion keinen Platz haben.
Auch die Stadt Freiburg lehnte einen Fan-Ausschluss kategorisch ab. "Wir freuen uns auf ein packendes und faires Fußballspiel und natürlich auch auf viele Fans aus unserer Partnerstadt Tel-Aviv“, sagte eine Stadtsprecherin. Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) habe zu der Partie am 22. Januar außerdem seinen Amtskollegen, den Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, eingeladen.
Maccabi Tel Aviv in BW: Hochrisikospiel gegen VfB Stuttgart
Wie sehr die Sicherheit bei einem Fußballspiel auf die Probe gestellt werden kann, hat die Europa-League-Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Maccabi Tel Aviv im vergangenen Dezember gezeigt. In Stuttgart waren damals Hunderte Polizistinnen und Polizisten im Einsatz - teils mit Maschinenpistolen, unterstützt von Hubschraubern. Zeitweise wurde sogar der Luftraum gesperrt. Größere Ausschreitungen gab es jedoch nicht.
Über das Hochrisikospiel des VfB gegen Maccabi Tel Aviv hat SWR Aktuell Baden-Württemberg am 12. Dezember berichtet: