Die Amerikanische Rebzikade breitet sich im Landkreis Lörrach immer weiter aus. Eine Allgemeinverfügung des Landratsamts schreibt den Winzern nun vor, den Weinbauschädling ab Oktober mit Insektiziden zu bekämpfen oder Rebstöcke zu roden. Das betrifft auch Bio-Winzer, die eigentlich keine künstlichen Pflanzenschutzmittel einsetzen. Sie stehen nun vor einem Dilemma. Ein Beispiel aus dem Kreis Lörrach.
Wenn man den Leuten vom Weingut Greiner in der Gemeinde Schliengen beim Herbsten zuschaut, dann spürt man die große Freude, ihr Herzblut, die Leidenschaft. Der respektvolle, schonende Umgang mit der Natur ist dort Herzensangelegenheit. Das Weingut arbeitet nach strengen ökologischen Richtlinien, verzichtet auf Kunstdünger oder synthetischen Pflanzenschutz. Schädlinge bekämpfen sie dort biologisch, mit Kalk zum Beispiel. Insektizide waren bislang tabu. Doch das hat die Rebzikade jetzt geändert.
Winzer haben keine Wahl: Nur Insektizide helfen
Denn das Einzige, was gegen die Rebzikade hilft, sind ausgerechnet Insektizide. Max Greiner hat sich lange sehr schwergetan, am Ende aber hatte der Bio-Winzer keine Wahl. Auch er muss spritzen, um das Insekt zu bekämpfen.
Es ist einfach ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass man jetzt Insektizid-verpestete Trauben erntet.
Die Rebzikade: eine ernsthafte Bedrohung
Die amerikanische Rebzikade ist ungefähr vier bis fünf Millimeter groß und wurde vor etwa 70 Jahren aus Amerika nach Deutschland eingeschleppt. Sie selbst ist eigentlich gar nicht das Problem. Sondern das Bakterium, das die Zikade auf die Reben überträgt. Befallene Pflanzen rollen ihre Blätter ein, verfärben sich goldgelb, sterben ab und müssen gerodet werden. Der wissenschaftliche Name dieser Krankheit ist Flavescence dorée, zu Deutsch goldgelbe Vergilbung.
Der Schädling verbreitet sich offenbar rasant. Letztes Jahr waren 180 Hektar betroffen, sagt Rene Fuchs, Biologe beim staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg. Dieses Jahr seien es schon 600 Hektar. Das Problem: Die amerikanische Rebzikade hat keine natürlichen Gegenspieler. Die einzige Chance, den Schädling einzudämmen, seien Insektizide, so der Wissenschaftler.
Wir machen uns große Sorgen.
Bereits im Januar hatte das Landratsamt in Lörrach eine Allgemeinverfügung erlassen, die jetzt noch einmal ausgedehnt wurde. Überall dort, wo die Zikade nachgewiesen wurde, müssen die Reben großräumig mit Insektiziden behandelt werden.
Lässt sich die Rebzikade aufhalten?
Noch ist der Wein gesund, die Krankheit nicht ausgebrochen. Prophylaktisch spritzt Bio-Winzer Max Greiner jetzt mit einem Insektizid, das aus natürlichen Substanzen hergestellt wird. Das sei zwar viel teurer als die chemische Variante, sagt er, aber nur so könne er auch den strengen Bio- und Ökostatus behalten.
Auf die Qualität ihres Bio-Weins habe das Insektizid keinen Einfluss, sagt Greiner. Sorgen macht er sich vor allem wegen der verlassenen Weinberge in den Steillagen. Er befürchtet, dass sich die Rebzikade dort ungehindert ausbreiten kann. Da müsse der Landkreis jetzt dafür sorgen, dass die Flächen gerodet würden, so Greiner.
Wir werden die Rebzikade früher oder später in den Griff kriegen.
Bio-Winzer Max Greiner bleibt trotz allem zuversichtlich. Sie hätten schon die Reblaus in den Griff bekommen und die Kirschessigfliege. Früher oder später würden sie das mit der Rebzikade auch hinbekommen, davon ist Greiner überzeugt.